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Offenbach am Main, 24. März 2021 – „Reichtum der Gemeinschaft – Jüdisches Leben in Offenbach“ – so titelt das Themenjahr der Stadt Offenbach im Rahmen des Jubiläumsjahres „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“. Wenn erst kürzlich hunderte Offenbacherinnen und Offenbacher auf die Straße gingen, um für ein tolerantes und vielfältiges Offenbach zu demonstrierten, dann unterstreicht das großangelegte Projekt sowohl historisch als auch direkt sicht- und hörbar, welche große Bedeutung gerade auch die jüdische Bevölkerung Offenbachs seit Jahrhunderten für das Profil und die Qualitäten der Stadt hat. Lebendige Kunst und Kultur in zahlreichen Projekten und Veranstaltungsformaten erlebbar zu machen ist ebenso Ziel des Projekts wie jenes, ein starkes Signal gegen erstarkenden Antisemitismus und für eine vielfältige Gemeinschaft zu setzen.

Die Rolle jüdischen Lebens in Offenbach

„Ein großartiges Projekt, das wichtige Aspekte unserer Stadt in den Fokus stellt“, unterstreicht Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke die Bedeutung von „Reichtum der Gemeinschaft – Jüdisches Leben in Offenbach“. Dabei ist der Kulturdezernent besonders stolz darauf, dass die Kultureinrichtungen der Stadt 150.000 Euro Fördergelder des Bundesinnenministeriums über den Verein „321 – 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ für das Konzept erzielen konnten, die den Umfang der Veranstaltungsreihe erst möglich macht. Mit dem Themenjahr fokussiere man auf ein in Geschichte und Gegenwart bedeutendes Thema: „Die jüdische Community ist Teil der Identität der Stadt. Durch die umfangreiche Förderung können wir ganz unterschiedliche Veranstaltungen und Formate umsetzen und zeigen, welche Bedeutung jüdisches Leben für Offenbach hat“, so Schwenke. „International aktive Kreativakteure von heute, Stiftungen früherer Jahrhunderte, Kunstmäzene, international angesehene Architekten, Entwickler erfolgreicher Patente“, zählt der Oberbürgermeister auf – „Glücklicherweise haben es selbst die zwölf verbrecherischen Jahre der NS-Zeit nicht geschafft, die Kontinuität der Rolle jüdischer Bürgerinnen und Bürger in der Stadt zu unterbrechen. Das soll auch in Zukunft so bleiben.“

Veranstaltungsprogramm 2021

Geplant ist – natürlich unter Berücksichtigung der aktuellen Pandemie-Lage – eine Vielzahl von Veranstaltungen des Offenbacher Kulturmanagements, des Klingspor Museums und des Hauses der Stadtgeschichte, die von klassischen Konzerten, Open-Air-Festival mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern, digitalem Stadtplan bis hin zu Ausstellungen, Buchkunst, CD-Produktion und Vorträgen reichen. „Mit dem Festjahr wollen wir den jahrhundertelangen prägenden Einfluss jüdischer Menschen auf die gegenwärtige Stadt verstärkt sichtbar machen, aber auch zeigen, welche große Facettenbreite unter jüdischen Künstlerinnen und Künstlern heute in Kunst, Musik und Literatur herrscht“, so Kulturamtsleiter Dr. Ralph Philipp Zieger.

Eröffnet wird das Offenbacher Programm mit der Hängung von Fahnen aus der Chagall-Bibel im Offenbacher Rathausfoyer als „Gastspiel“ des Klingspor Museums sowie einer begleitenden Ausstellung „Marc Chagall – Die Bibel. Ein Meisterwerk des französischen Malerbuchs“ in Zusammenarbeit von Klingspor Museum und Haus der Stadtgeschichte. Die Fahnen sind bereits jetzt im Rathaus zu bewundern, die Ausstellung soll – sofern es die Pandemie-Lage zulässt –  am 28. März eröffnen und wird mit einem Vortrag der Offenbacher Kunsthistorikerin Dr. Kerstin Appelshäuser-Walter begleitet.

Eine Performance zur weltweit ersten, in Offenbach ordinierten Rabbinerin, Regina Jonas, wird das Programm im Haus der Stadtgeschichte im Herbst ebenso prägen wie eine hochwertige Reihe mit Vorträgen und Lesungen. Aus der Fülle seiner entsprechenden Bestände stellt das Klingspor Museum ebenfalls im Herbst ein Ensemble von Exponaten mit Bezug zum Judentum vor. Dazu gehört auch die Bildtafel „SchwarzLicht“, die im Rathaus explizit auf die 1916 erbaute Synagoge, das heutige Capitol Theater, eingeht.

Open-Air-Festival und digitaler Stadtplan

Das Kulturmanagement der Stadt Offenbach möchte mit gleich zwei Projektbestandteilen die wichtige Bedeutung jüdischer Bürgerinnen und Bürger für Offenbach langfristig erfahrbar machen. Geplant ist hier unter anderem ein digitaler Stadtplan, der bekannte und unbekannte Orte jüdischen Lebens aus der Vergangenheit und Gegenwart Offenbachs vorstellt, Hintergrundinformationen liefert und gleichzeitig zu einem Stadtspaziergang einlädt. Ergänzend zur Veröffentlichung der Webseite wird es im Juli 2021 ein großes zweitägiges Open Air Kunst-, Musik und Performancefestival in der Innenstadt geben, bei dem Künstlerinnen und Künstler eingeladen werden, die Innenstadt mit Musik, Performances, Tanz oder künstlerischen Interventionen zu bespielen.

In all diesen Formaten wird modernes jüdisch-urbanes Kulturleben vorgestellt, welches Teil einer lebendigen Stadtgesellschaft ist. Ein Anliegen, das gerade in Zeiten mangelnder Toleranz, zunehmendem Hass und grassierendem Rechtspopulismus umso wichtiger ist. Über alle Veranstaltungen wird rechtzeitig über die Kanäle der Stadt informiert.

Ein Konzert mit Orchesterwerken jüdischer Komponisten aus den 1910er und 1920er Jahren wird in der Capitol Classic Lounge mit dem Capitol Symphonie Orchester zu erleben sein, zudem werden die dort gespielten Werke auf CD veröffentlicht werden, sämtlich als weltweite Ersteinspielungen.

#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland

Das Jubiläumsjahr möchte jüdisches Leben und die deutsch-jüdische Geschichte und Gegenwart stärker ins Bewusstsein den Menschen rücken. Unter dem Namen #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland werden bundesweit rund tausend Veranstaltungen ausgerichtet, die allesamt zum Ziel haben, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und ein starkes Signal gegen erstarkenden Antisemitismus zu setzen.

Anlass für das Festjahr 2021 ist die erste urkundliche Erwähnung von Juden in Köln im Jahre 321. Es ist das älteste Schriftzeugnis jüdischen Lebens in Deutschland und zeigt, dass jüdische Gemeinden schon seit der Spätantike ein wichtiger Bestandteil europäischer Kultur sind. Der Kölner Verein „321 – 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wurde eigens für das Festjahr gegründet und übernimmt die Koordination und Organisation der bundesweiten Veranstaltungsreihe mit rund 1000 Veranstaltungen, die mit insgesamt 22 Millionen Euro gefördert werden.

Bildinformation:

Das Foto zeigt von links nach rechts: Katja M. Schneider (Haus der Stadtgeschichte), Britt Baumann (Amt für Kulturmanagement), Dr. Felix Schwenke (Oberbürgermeister), Dr. Ralph Philipp Ziegler (Amt für Kulturmanagement), Helga Horschig (Klingspor Museum), Romina Weber (Amt für Kulturmanagement). Fotos: Thomas Lemnitzer

 

Gruppenbild
© Thomas Lemnitzer
Bild aus der Chagall-Bibel
Ein Bild aus der Chagall-Bibel. © Thomas Lemnitzer
Ansicht der Fahnen im Rathausfoyer.
Ansicht der Fahnen im Rathausfoyer. © Thomas Lemnitzer