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Offenbach am Main, 12. November 2019 – Dass das Klingspor Museum mehr als eine Heimat für Typographie und Schriftkunst ist, beweist die neue Ausstellung, die seit 10. November zu sehen ist. Auf Dauer angelegt, mit wechselnden Schwerpunkten. Denn nicht weniger als die sonst im Verborgenen ihr Dasein fristenden Grafiken und Illustrationen der rund 80.000 Arbeiten umfassenden Sammlung sind dann sicht- und erlebbar. Der Turnus soll Abwechslung schaffen und entspricht gleichzeitig den konservatorischen Bedürfnissen der Sammlung. „Denn“, so Museumsleiter Dr. Stefan Soltek, „üblicherweise werden die lichtempfindlichen Grafiken nicht in Dauerausstellungen gezeigt.“ Auch museumsdidaktisch haben sich Soltek und sein Team einige Neuerungen einfallen lassen, aktiv werden und mitmachen ist unbedingt erwünscht! So gibt es jetzt eine interaktive Multimediastation, einen sogenannten „Hands on-Bereich“ mit Tischen und Sitzmöglichkeiten und Präsentationsvitrinen auf 75 cm Höhe, so dass Menschen im Rollstuhl und Kinder einen guten Zugang zu den ausgestellten Arbeiten haben. Inhaltlich zusammengehalten wird die Dauerausstellung von einer roten Linie, die sich vom Erdgeschoss, in dem das Themenfeld Schrift behandelt wird, über das Obergeschoss mit Plakaten, Grafiken und Illustrationen zum Dachgeschoss mit dem Buch und seinen Ausgestaltungen zieht.

Rote Linie als Klammer
 
Ersonnen hat sich dieses Gestaltungselement die Architektin und Künstlerin Corinna Krebber. Sie ist dem Haus schon lange verbunden, gibt regelmäßig Kurse dort und konnte sich daher gut auf das Abenteuer einlassen. „Architekturzeichnung war immer mein Steckenpferd“, sagt sie, „die Linie spielt dort, aber auch in der Schrift und als Auszeichnungselement eine große Rolle.“ Die rot-orangene Farbe wiederum gehörte zu Schriftgießerei Klingspor und unterstreicht also nochmal die Verbindung und Identifikation mit dieser. Dass Krebber das Blatt zur Wand gemacht und die Linie in den Raum gebracht hat, dürfte auch den „Hausheiligen“ des Museums, Rudolf Koch, freuen. „Denn auch ihm waren Bücher und Blätter irgendwann zu klein,“ erklärt Soltek.
Ohnehin waren es Krebber und ihr Künstlerkollege Stefan Stichler, die die Idee der Dauerausstellung mit vorangetrieben haben. Volontärin Monika Jäger nahm die Fäden auf und hat in den letzten Monaten die Bedürfnisse des Hauses und die Anregungen der Künstler zusammengebracht. Von Stichler sind die Tische in der Ausstellung, Hocker und Vitrinen kommen aus dem Bestand und wurden dann auf das neue Maß gekürzt und angepasst. Schließlich arbeitet auch das Klingspor Museum mit begrenzten Mitteln, besitzt aber einen großen Freundes- und Unterstützerkreis. So kamen rund 10.000 Euro über einen Spendenaufruf zusammen.

Wie entsteht ein Buchstabe?

Das interaktive Terminal mit seinen illuminierten Sitzen haben die beiden kooperierenden Unternehmen Infotronic und Orange Media dem Museum bis zum Frühjahr 2020 als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Soltek hofft auf Fördermittel, um diese dann langfristig in die Museumsarbeit einbinden zu können. Nicht nur Kinder dürften an der Station ihren Spaß haben, an der ein Film mit dem Schriftgießer Rainer Gerstenberg die Entstehung der Buchstaben zeigt und auf dem Bildschirm unterschiedliche typographische und grafische Elemente miteinander kombiniert und als fertig gestaltete Postkarte ausgedruckt und mit nach Hause genommen werden können.
Damit das Museum von unterschiedlichen Gruppen gut genutzt werden kann, sind die Vormittage jetzt Kinder-, Schüler- und andere Gruppen vorbehalten, nachmittags steht das Haus regulären Besuchern offen.

Die Dauerausstellung „Klingspor permanent“ ist seit Sonntag, 10. November, zu sehen und zeigt im ersten Turnus Arbeiten von Pablo Picasso, William Morris, Henry van der Velde und anderen. 

Bildinformation:

v.l.n.r.: Künstlerin Corinna Krebber, Bibliothekarin Martina Weiß, Museumsleiter Dr. Stefan Soltek, Volontärin Monika Jäger, Bibliothekarin Stefanie Ehret und Museumspädagogin Dr. Dorothee Ader am interaktiven Infoterminal. Foto: Stadt Offenbach

Gruppenbild
© Stadt Offenbach
Eine rote Linie wird gezeichnet
© Stadt Offenbach
Exponat der Ausstellung
© Stadt Offenbach