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Offenbach am Main, 20. November 2020 – Der neue Radfahrsteifen auf der Bieberer Straße stadtauswärts hat in den ersten Tagen der Ankündigung und Aufbringung für Irritationen und Diskussionen in den Medien geführt. Doch erst jetzt sind die Markierungen vollständig und zeigen das abschließende Bild der Verkehrsführung. Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß möchte deshalb noch bestehende Missverständnisse ausräumen. „Wenn sich das gewohnte Bild im Straßenverkehr verändert, benötigen Verkehrsteilnehmer immer auch etwas Zeit zur Umgewöhnung, zumal dieses noch nicht vollständig war. Jetzt wird deutlich, dass sich die Änderungen in Grenzen halten. Es gibt einen Fahrradstreifen stadtauswärts und der übrige Verkehrsraum ist folglich leicht verkleinert, ansonsten ist alles geblieben wie es war.  

Dass die Stadt Offenbach hier wie auf anderen stark befahrenen Hauptstraßen, beispielsweise auf der Mühlheimer Straße, mit einem Radfahrstreifen Anreize zum Radfahren schaffe, sei der klare Auftrag der Stadtverordnetenversammlung und auch sinnvoll: „Die Förderung des Radfahrens ist erklärtes Ziel der Stadt, das sich aus unterschiedlichen Notwendigkeiten heraus ergibt“, erläuterte Weiß. „Die Bevölkerung in Offenbach wächst und damit auch die Zahl der Autos. Die verfügbaren Verkehrsflächen aber bleiben gleich. Deswegen schaffen wir Angebote, damit künftig mehr Menschen auf zwei statt auf vier Rädern unterwegs sein können.“ Auch der Luftreinhalteplan verpflichte die Stadt neben anderen Maßnahmen, den Anteil des Radverkehrs deutlich zu steigern, um Fahrverbote in dauerhaft abzuwenden. Und schließlich gebiete es der Klimawandel, dass jeder sein Verhalten auf den Prüfstand stelle und künftig mehr noch als heute auf das umwelt- und klimafreundliche Fahrrad umsattelt, was auch immer mehr Offenbacher tun: „Offenbach ist als kompakte Stadt der kurzen Wege mit nur wenig topografischem Gefälle eigentlich dafür prädestiniert, um Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Radfahren ist aber auch aus ganz persönlichen Motiven – für die eigene Gesundheit – immer von Vorteil.“

Mit der Bieberer Straße wurde sehr bewusst eine von Radfahrern durchaus genutzte Hauptverkehrsstrecke ausgewählt, betonte Weiß. „Das von den Stadtverordneten beschlossene Radverkehrskonzept sieht ausdrücklich Radverkehrsanlagen an stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen vor, dazu zählt auch die Bieberer Straße.“ Das mache aus seiner Sicht auch sehr viel Sinn: „Der neue Radfahrstreifen richtet sich weniger an den Freizeitradler als vielmehr an die zunehmende Zahl der Radpendler. Wer einen Ausflug mit dem Rad unternimmt, der nutzt gerne den Weg durch den Leonhard-Eißnert-Park. Wer aber mit dem Fahrrad zur Arbeit und nach Hause fährt, der sucht genauso wie der Autofahrer den kürzesten Weg. Und darauf hat der Radfahrer genauso viel Anrecht wie der Autofahrer.“

Die Umsetzung solcher Maßnahmen werde stetig verkehrsfachlich gründlich vorbereitet. Selbstverständlich prüfe die Verkehrsplanung der Stadt gemeinsam mit einem unabhängigen Ingenieursbüro für Verkehrsplanung im Vorfeld, ob und wie ein Radfahrstreifen wie in diesem Fall auf der Bieberer Straße möglich ist, so Weiß. „Da wird sehr gründlich analysiert, berechnet und die Situation unter den neuen Bedingungen simuliert. Das gilt für eine Bundesstraße besonders, hier wird die Planung auch dem Regierungspräsidium zur Genehmigung vorgelegt. Die Straße muss ihre Leistungsfähigkeit behalten, an zusätzlichen Staus habe niemand Interesse, schon gar nicht mit Blick auf die Luftreinhaltung.“ Das Ergebnis der Prüfung war eindeutig, so Weiß weiter: „Dadurch, dass die Knotenpunkte und damit auch die Anzahl der Abbiegespuren an den Straßenkreuzungen unverändert geblieben sind, ist die Leistungsfähigkeit der Straße genauso hoch wie vorher. „Auch mit dem Radfahrstreifen kann die Straße genauso viel Verkehr bewältigen wie vorher.“

Wie viel Verkehr eine Straße aufnehmen kann, hängt ganz entscheidend davon ab, wie gut der Verkehr an den Kreuzungen abfließen kann. Dort müssen die Autos aus allen Richtungen flüssig passieren können, damit es nicht zu langen Rückstaus kommt. Wer dennoch das Haar in der Suppe suche, könne sich vielleicht daran reiben, dass laut der Prüfung unter normalen Bedingungen im Berufsverkehr auf der fast einen Kilometer langen Strecke für den Autofahrer eine durchschnittliche Verzögerung von etwa einer Minute auftreten kann. „Eine minimale Verzögerung für den Autofahrer, aber ein deutliches Plus an Sicherheit für den Radfahrer. Da muss man als Verantwortlicher nicht lange überlegen.“

Die Einrichtung des Radfahrstreifens in Richtung Bieber erfolgte nun schneller als ursprünglich geplant aufgrund der Asphalterneuerung durch den ESO Stadtservice. Auf diese Weise konnten Kosten eingespart werden, da durch die Sanierung ohnehin neue Markierungen notwendig wurden. Gerne hätte die Stadt Radfahrstreifen in beiden Richtungen eingerichtet. Hierfür war der Querschnitt der Bieberer Straße ohne weitere bauliche Veränderungen jedoch nicht breit genug. Die Wahl fiel deshalb auf einen Radfahrstreifen bergauf in Richtung Stadion. Dem Autofahrer wiederum steht dadurch ausreichend Verkehrsraum zur Verfügung, der es auch weiterhin erlaubt, dass in beide Richtungen auf diesen Fahrspuren zwei Fahrzeuge nebeneinander herfahren dürfen, sofern sie den seitlichen Sicherheitsabstand einhalten. Wenn ein breiteres Fahrzeug, etwa ein Bus oder ein Lkw, unterwegs ist, erlaubt die Fahrbahnbreite ein versetztes Fahren. Die gewährleistet zudem eine bessere Sicht nach vorne und hilft Kollisionen zu vermeiden. Außerdem können Rettungsfahrzeuge leichter passieren.

Fahrradstreifen an der Bieberer Straße
© Stadt Offenbach