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Offenbach am Main, 7. Oktober 2020 – Die vierte Stufe des hessischen Eskalationskonzeptes  mit 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern hat die Stadt Offenbach am Dienstagabend überschritten. Der Verwaltungsstab der Stadt hat bereits am Montag und Dienstag vorbereitend auf einen möglichen Anstieg beraten und für das Stadtgebiet erneut Einschränkungen erlassen. Für den neuen Maßnahmenkatalog hat sich der Verwaltungsstab auch über aktuelle Studien zur Wirkung von Maßnahmen informiert. Wie in Frankfurt und im gesamten Rhein-Main-Gebiet haben jetzt auch in Offenbach die Infektionen, bei denen der ansteckende Patient nicht herausgefunden werden kann, einen neuen Höchstwert erreicht. Sie sind bis zu doppelt so hoch wie im August. Das ist ein sehr deutliches Indiz dafür, dass das Virus in der Breite ankommt.

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke nimmt dies zum Anlass, im Namen des Magistrates noch einmal grundsätzlich Bürgerinnen und Bürger um Vernunft zu bitten: „Unser Anspruch ist, Maßnahmen zu erlassen, die - mit dem Wissen, das am Tag der Entscheidung zur Verfügung steht - am besten zur aktuellen Situation passen. Wir wollen eine Gesellschaft, die zusammenhält und die das Leben der Risikogruppen schützt. Gleichzeitig wählen wir die Maßnahmen, die einen möglichst geringen wirtschaftlichen Schaden verursachen, weil damit immer auch Arbeitsplätze und die Existenz von Menschen verbunden sind. Dabei entscheiden wir rechtzeitig, um ein Entgleiten der Situation wie in anderen Staaten der Erde zu vermeiden. Es darf aber nie vergessen werden: eine Pandemie wird am Ende durch keine staatliche Maßnahme zu besiegen sein, wenn nicht die Bürgerinnen und Bürger die Lage ernst nehmen. Ernst nehmen bedeutet nicht, daheim zu bleiben und nichts zu tun. Ernst nehmen bedeutet, deutlich weniger Menschen in Nähe und ohne Maske für lange Zeit in geschlossenen Räumen zu treffen. Jede und jeder kann sicher im Offenbacher Einzelhandel oder im Einzelhandel in den Stadtteilen mit Abstand und Maske einkaufen gehen. Kaum ein Ort ist sicherer als der Wochenmarkt unter freiem Himmel mit Maske. In den Gaststätten, in denen das Personal Masken trägt und die Daten korrekt erhoben werden, wird deutlich, dass alles für den Schutz der Gäste getan wird. Wenn wir Corona wieder eindämmen wollen, müssen wir die Infektionsketten unterbrechen. Dafür müssen die Offenbacherinnen und Offenbacher wieder weniger Menschen treffen. Während der ersten Welle der Corona Pandemie musste das Gesundheitsamt bei Corona-Fällen meistens 3 bis 5 Kontaktpersonen ermitteln. Zuletzt waren es oft mehr als 80. Die Menschen treffen in zu kurzer Zeit viele Menschen zu eng. Wenn dies noch mit Alkohol und Feiern verbunden wird, geht das Virus schnell seinen Weg. An dieser Erkenntnis hat sich seit Ischgl oder Heinsberg nichts geändert. Hier setzen unsere Maßnahmen an. Weil wir viel mehr Tests als während der ersten Welle haben, greifen unsere Maßnahmen dementsprechend erst bei den jetzt viel höheren Zahlen. Wie eingangs gesagt: wir berücksichtigen immer die Gesamtsituation. Jetzt ist aber der Moment gekommen, an dem wir und alle Bürgerinnen und Bürger handeln müssen.“

Eine der Maßnahmen ist laut OB Schwenke daher, dass sich ab sofort in Offenbach wieder nur noch fünf Menschen treffen dürfen oder Menschen aus maximal zwei Haushalten. Dies gilt auch für die Gastronomie.

Gesundheitsdezernentin Sabine Groß ergänzt: „Dort, wo wir Infektionsketten kennen, sind Auslöser -  wie es Studien des RKI auch bundesweit zeigen - vor allem private Feiern. Deshalb reduziert die Stadt Offenbach die zulässige Anzahl für private Feiern im öffentlichen Raum auf 25 Menschen. Für private Feiern zu Hause oder etwa in Vereinsheimen raten wir eindringlich, diese auf maximal zehn Personen zu beschränken. Wir sehen jetzt verstärkt Infektionen, bei denen die Menschen sich außerhalb einer Quarantäne infizieren und damit auch potentiell das Virus noch verteilen. Kleiner wurde hingegen die Zahl derer, die bereits als Kontaktperson in Quarantäne waren. Für unsere besonders gefährdeten Gruppen bedeutet das: Es ist mehr Schutz notwendig. Deshalb gilt in den Alten- und Pflegeeinrichtungen wieder die Besuchsregel von dreimal pro Woche eine Stunde. Wir alle haben die Verantwortung für uns und andere Menschen – das kann auch heißen, bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einem Urlaub mit Ansteckungsrisiko vorsichtshalber die ersten fünf Tage die Kollegen auf Abstand zu halten oder Maske zu tragen. Das bedeutet ganz sicher auch, das Kind nicht mit Fieber und Husten in die Schule zu schicken. Veranstaltungen mit vielen Menschen sollten tabu sein, wenn schon Symptome zu spüren sind. Abstand halten, die Hygieneregeln einhalten, eine Alltagsmaske tragen, die Corona-App nutzen – das sind die einfachen und wichtigen Dinge. Dass sie funktionieren belegen Studien. Wir wollen das Leben der Menschen in unserer Stadt nicht unnötig einschränken. Aber zusätzlich zum Ausbruch bei DHL kommen eben schon jetzt, bevor das Thema Reiserückkehr beginnt, Infektionen aus vielen, diffusen Orten.“

Maßnahmen für Schulsport und Veranstaltungen

Die zulässige Zahl der Gäste bei öffentlichen Veranstaltungen wird auf 100 reduziert. Bei Hallensport werden keine Besucher zugelassen mit Ausnahme von Erziehungsberechtigten als Begleitpersonen von Minderjährigen. Die Besucherzahl des Waldschwimmbades wird wieder auf 100 Personen reduziert. In außerschulischen Bildungseinrichtungen kommt neu die Begrenzung der Teilnehmerzahl auf 25 Menschen und das Tragen von Masken hinzu. „Besonders wichtig bleibt in den Wintermonaten jetzt das Stoßlüften und Querlüften alle 20 Minuten für mindestens fünf Minuten“, weist der Leiter des Stadtgesundheitsamtes Dr. Bernhard Bornhofen auf eine ebenso einfache wie wichtige Maßnahme hin, die in der Verantwortung jeder und jedes Einzelnen liegt.  

Warnung über HessenWarn

„In den nächsten Stunden informiert die Stadt Offenbach über das Polizeipräsidium Südosthessen wieder über die App HessenWarn. Das wird auch in Zukunft so gehandhabt, deshalb empfehlen wir Offenbachern, sich diese App auf dem Smartphone zu installieren“, erläutert Bürgermeister Peter Freier. Über die App wird auf Änderungen bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie informiert - wie aktuell die Maskenpflicht in der Gastronomie (außer am Tisch) und die begrenzte Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen.

Kontrollen bei Maskenpflicht und Quarantäne

Im Fokus der Stadtpolizei stehen derzeit vor allem Quarantäne-Kontrollen. „Quarantäne und Maske sind unsere wirkungsvollsten Mittel zur Unterbrechung von Infektionsketten. Also setzen hier auch unsere Kontrollen an. Wir haben in den letzten Tagen bei rund 50 Menschen in Quarantäne geklingelt – und einige werden nun ihren Leichtsinn mit einem Bußgeld bezahlen. Quarantäne heißt: zu Hause bleiben und Kontakte auch zu Familienmitgliedern meiden“, so Freier. Bisher sind bereits rund 111 Verfahren eröffnet und rund 30 Bußgeldbescheide erlassen worden. Über 344 Barverwarnungen und 144 Bußgeldbescheide wurden bei Verletzung der Maskenpflicht erlassen – bei weiteren Verfahren laufen Anhörungen. „Ab sofort wird die Stadtpolizei auch keine Mikro-Visiere mehr bei der Kontrolle der Maskenpflicht akzeptieren. Entweder wird eine Alltagsmaske oder ein vollständiges Gesichtsvisier getragen, das Augen, Nase, Mund bedeckt. Das gilt für das gesamte Stadtgebiet auch in Absprache mit der Landespolizei“, betont Freier.

Ebenfalls wieder in Kraft tritt die Sperrzeit von 23 bis 6 Uhr für Bars, Kneipen, Restaurants, Bistros. „Das ist der Zeitpunkt, an dem der Abend zu oft in Partycharakter umschlägt. Wenn sich Menschen in der Gastronomie infizieren, dann nach bisherigen Erkenntnissen nicht mittags oder am frühen Abend beim gesitteten Abendessen, sondern spätabends und nachts mit Alkohol“, erläutert Stadtrat Paul-Gerhard Weiß.

Auch für Gottesdienste wird zu den bestehenden Regeln wieder die Maskenpflicht in Offenbach eingeführt. „Nach den Ferien soll in den Schulen Sport wieder nur kontaktlos laufen, weil nach den Ferien viele Kinder und Familien von Reisen zurückkehren. Die Maskenpflicht nach den Ferien für die weiterführenden Schulen in der ersten Woche wird abhängig von der Inzidenz am Ferienende eventuell doch auch auf die Grundschulen ausgeweitet werden müssen“, sagt Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß.

Wie zwischen den politischen Spitzen im August verabredet, hat dabei zwischen Frankfurt, Offenbach und dem Kreis Offenbach in den letzten Tagen auch ein Austausch auf Fachebene stattgefunden, um die Maßnahmen zumindest dort zu koordinieren, wo es inhaltlich gut passt.

Daraus resultiert auch eine gemeinsame Empfehlung an alle Menschen, die zusammen in einem Auto fahren. Hier sollten alle eine Alltagsmaske über Mund und Nase tragen. Damit der Fahrer noch erkennbar bleibt, dürfen jedoch Mützen, große Sonnenbrillen oder ähnliches nicht dazu kommen. Klimaanlagen sollten so eingestellt sein, dass Außenluft in den Wagen gelangt. Masken tragen bei Veranstaltungen gehört ebenfalls zu den Empfehlungen und wird in Offenbach schon am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des OB umgesetzt. Noch diskutiert wird ein Bußgeld von 50 Euro für Menschen, die falsche Kontaktdaten in Restaurants hinterlassen. Hier wird erwartet, dass die Landesregierung eine Regelung trifft.

Am Dienstag tauschten sich zwischen Frankfurt und Offenbach auch die Oberbürgermeister sowie die Gesundheitsdezernentin und der Gesundheitsdezernent kurz bilateral aus. Mit der Stadt Frankfurt und dem Landkreis Offenbach werden die Abstimmungen auf Fachebene fortgesetzt.

Anlagen

Links

Grafik: SARS-COV-2 in Offenbach: Inzidenz, Aktiv Infizierte, im Krankenhaus
https://www.datawrapper.de/_/Cf410/
(Hinweis für Datenjournalisten: Daten downloadbar unter dem Link)

Erklär-Video: Berechnung zu Inzidenz und Eskalationsstufen
https://youtu.be/YWe5S_AtwFQ

www.offenbach.de/corona

HessenWarn im Google Play Store
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.hessen.hmdis.hessenwarn

HessenWarn im Apple Store
https://apps.apple.com/de/app/hessenwarn/id1482894790

Corona-Warn-App im Apple Store
https://apps.apple.com/de/app/corona-warn-app/id1512595757

Corona-Warn-App im Google Play Store
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.rki.coronawarnapp

 

Hintergrund 7-Tage-Inzidenz

Die 7-Tage-Inzidenz ist unter anderem maßgeblich für das Eskalations- und Präventionskonzept des Landes Hessen zur Eindämmung des Virus. Die Inzidenz setzt alle Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage ins Verhältnis zur Einwohnerzahl. Das RKI hat angekündigt, ab 5. Oktober 2020 mit der Bevölkerungszahl vom 31.12.2019 zu arbeiten, also 130.280. Darauf hat auch das Stadtgesundheitsamt Offenbach am Main umgestellt. Derzeit wird auf der Seite des RKI noch die Zahl aus 2018 mit 129.744 abgebildet.

Ab einer Inzidenz von 20 Fällen auf 100.000 Einwohner (Warnstufe 1) muss die Stadt erste bedarfsgerechte Maßnahmen zur Eindämmung des Virus treffen. Dabei geht es insbesondere um eine erhöhte Aufmerksamkeit, ein erweitertes Meldewesen und eine Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit. Ab 35 Fällen auf 100.000 Einwohner (Warnstufe 2) muss die Stadt erweiterte Maßnahmen, etwa zusätzliche Einschränkungen im öffentlichen Leben, ergreifen. Ab 50 und mehr Fällen (Warnstufe 3) sieht das Konzept des Lands neue konsequente Beschränkungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Planungsstab des Hessischen Sozialministeriums sowie den Versorgungsstrukturen (Krankenhäuser, Ärzte, Rettungsdienst etc.) vor. Es kann dann wieder zur Schließung von öffentlichen Einrichtungen oder Geschäften sowie Mobilitätsbeschränkungen kommen. Bei mehr als 75 Fällen (Warnstufe 4) erfolgt die Steuerung der medizinischen Lage durch den Planungsstab des Sozialministeriums.

Zentral: Eine Lockerung soll zumindest nach der bisherigen Lesart des Sozialministeriums nur erfolgen, wenn die auslösende Eskalationsstufe sieben Tage in Folge unterschritten wurde.