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© Stadt Offenbach
Europa, seine Menschen und seine Lebensverhältnisse waren noch von anderer Beschaffenheit, als der Europarat in Straßburg 1955 einen „Europapreis“ stiftete. Er sollte besondere Verdienst um die europäische Idee würdigen. Die Ersten, die dieser Auszeichnung für würdig befunden wurden, waren zu gleichen Teilen die Städte Puteaux bei Paris und Offenbach am Main. Sie gehören zu den Pionieren der Städtepartnerschaften.

Noch war die Nachkriegszeit gekennzeichnet von Misstrauen und emotionalen Verhärtungen, als die beiden Städte 1952 mit Jugend- und Sportbegegnungen tiefe Gräben zu überbrücken begannen. 1955 ließ sich das feierlich festigen in einer offiziellen Verschwisterung. Hauptsächlich von den französischen Freunden ging dann die Initiative aus, diese Verbindung zu einem internationalen Ring zu erweitern.

Acht Kommunen fanden auf diese Weise zueinander: Das britische Tower Hamlets, das luxemburgische Esch-sur-Alzette, das österreichische Mödling, das belgische St.-Gilles-lex-Bruxelles, das italienische Velletri, das jugoslawische Zemun und eben Puteaux und Offenbach.

Zeitweise gehörte auch das niederländische Tilburg dazu. Mit einem enthusiastischen Schwung vermochten diese Städte ihre Bürger zur Aufnahme dauerhafter Kontakte zu bewegen. Man fand zueinander, erkannte gemeinsame Interessen und betrieb ihre Pflege in freundschaftlicher Verbundenheit.

Um die Überwindung von Misstrauen und Vorurteilen ging es dann auch, als Offenbach sich 1988 mit der Stadt Orjol (Orel) in der zu jener Zeit aufgeschlossener werdenden Sowjetunion verschwisterte. In beiden Städten werden die Beziehungen genährt von privaten Partnerschaftsclubs. Vor allem für seine Aktivitäten beim Austausch von Schülern und Studenten ist der Offenbacher Orjol-Club vom Deutsch-Russischen Forum unter Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit einem hoch dotierten Preis ausgezeichnet worden.

Japanische Annäherungen führten 1983 zur Verschwisterung mit der Stadt Kawagoe in der Nähe von Tokio. Die Verbindung geht auf Wirtschaftskontakte zurück, ermöglichte jedoch ebenfalls zahlreiche menschliche Begegnungen.

1986 kam eine Verbindung mit der Stadt Rivas in Nicaragua zustande. Ein aktiver Verein von Bürgern betreibt den Einsatz Offenbacher Arbeitsbrigaden und andere Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in der mittelamerikanischen Partnerstadt.

Die jüngsten Beziehungen verbinden Offenbach mit dem ungarischen Köszeg (seit 1995), wo 1989 die erste Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ zustande kam, und mit dem chinesischen Yangzhou (seit 1997). Wie bei Kawagoe begründeten auch den chinesischen Kontakt zunächst wirtschaftliche Interessen. Doch auch hier ließen sich über die große Entfernung hinweg Sport- und Jugendbegegnungen ermöglichen.

Freundschaftliche Beziehungen ohne formelle Verschwisterung unterhält Offenbach zudem seit 1978 mit der erst in den 1930er Jahren von deutschen Juden gegründeten Stadt Nahariya an der Mittelmeer-Küste von Israel sowie, seit 2004, mit der Stadt Vsetin in Tschechien.