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Luftaufnahme des Bildungscampus Buchhügel
© Alex Habermehl
Eine der herausfordernsten und komplexesten Schulbausanierungen der Stadt Offenbach der vergangenen Jahre ist abgeschlossen. In mehr als zweijähriger Bauzeit und mit einem Kostenaufwand von 23,45 Millionen Euro ist die berufliche Käthe-Kollwitz-Schule bei laufendem Unterrichtsbetrieb saniert und umgebaut worden.

Optimale Bedingungen

Planungs-, Bau- und Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß: „Die Grundsanierung der Käthe-Kollwitz-Schule bildet den Schlussstein des jetzt vollständig modernisierten und zu einem großzügigen Campus ausgebauten Berufsschulzentrums am Buchhügel. Insgesamt rund 3.500 Schülerinnen und Schüler finden hier jetzt optimale Lern- und Aufenthaltsbedingungen vor.“ Durch die Erweiterung hätten alle  aus Platzmangel eingerichteten und über das Stadtgebiet verteilten Dependancen aufgegeben und am Buchhügel vereint werden können, so der Stadtrat.  

Zu dem Berufsschulzentrum zählt neben der Käthe-Kollwitz-Schule auch die Theodor-Heuss-Schule. „Alle Gebäude auf dem Berufsschul-Campus verfügen nun über die gleiche bauliche und technische Qualität“, so Anna Heep, Leiterin des städtischen Hochbaumanagements beim Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Die Campus-Lösung erlaube im täglichen Unterrichtsbetrieb ein hohes Maß an räumlicher Flexibilität. Für beide Schulen wurde ein  gemeinsamer Neubau errichtet, der nunmehr auch eine gemeinsame Mediathek, einen Ganztagsbereich und eine Mensa enthält, die auch von Schülerinnen und Schülern der Grundschule Buchhügel genutzt wird.

Zeitliche Verzögerung & gestiegene Kosten

Bereits 2013 wurde die benachbarte, schwerpunktmäßig auf Wirtschafts- und Verwaltungsberufe ausgerichtete Theodor-Heuss-Schule saniert und erweitert.  Zu dem Projekt, das in Öffentlich-Privater Partnerschaft (ÖPP) zwischen der Stadt Offenbach und der Baufirma Hochtief Solutions realisiert wurde, zählte neben der  Errichtung des Erweiterungsgebäudes auch der Bau einer Dreifeldsporthalle.

Das Unterrichtsgebäude der Käthe-Kollwitz-Schule hatte die Stadt aus dem ÖPP-Verfahren ausgeklammert, um es selbst zu sanieren. Die sich verschlechternde  Haushaltssituation und die Aufnahme der Stadt in das „Schutzschirm“-Entschuldungsprogramm des Landes Hessen führten dazu, dass zwischen dem Projektbeschluss 2013 und dem Baubeginn 2017 vier Jahre verstrichen. Steigende Baukosten aufgrund der inzwischen boomenden Bauwirtschaft mit ihren überlasteten Kapazitäten und ein erhöhter Aufwand bei der Schadstoffsanierung, deren Umfang trotz intensiver Voruntersuchungen in diesem Ausmaß 2013 noch nicht erkennbar gewesen war, führten nicht nur zu einer zeitlichen Verzögerung, sondern sprengten auch den beim Projektbeschluss zugrunde gelegten Kostenrahmen.

Die Gesamtkosten in Höhe von ursprünglich 18,95 Millionen Euro erhöhten sich um 4,5 auf 23,45 Millionen Euro. Rund vier Millionen Euro erhält die Stadt an Fördermitteln aus dem Kommunalinvestitionsprogramm (KIP I) des Bundes.

Käthe Kollwitz Schule von Außen
Mit einer optisch aufgelockerten, selbsttragenden Pfosten-Riegel-Fassade und einer neuen Farbgestaltung hat die Käthe-Kollwitz-Schule ein neues „Gesicht“ bekommen. © OPG

Seit 40 Jahren nicht modernisiert  

Die Anfänge der Käthe-Kollwitz-Schule gehen auf eine 1894 gegründete Gewerbeschule zurück, in der vor allem Mädchen unterrichtet wurden. 1968 wurde diese so genannte „Haushaltungsschule“ nach der Grafikerin und Bildhauerin Käthe-Kollwitz umbenannt. 1978 entstand ein Neubau an der Buchhügelallee 90. In der vor allem auf sozialpädagogische Berufe ausgerichteten und auch für die Werkstätten Hainbachtal zuständigen Schule werden heute rund 1.400 Schülerinnen und Schüler von rund 130 Lehrkräften unterrichtet.

Das Schulgebäude mit seiner Bruttogrundfläche von 11.200 Quadratmetern wurde seit seiner Eröffnung noch nie grundsaniert und entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen hinsichtlich einer zeitgemäßen Raumaufteilung und Barrierefreiheit sowie Haustechnik, Brandschutz, Energieeffizienz und Schallschutz vor Fluglärm.  Vor allem aber galt es, den in gebundener Form umfangreich verbauten, in Deutschland seit 1995 in der Herstellung und Anwendung verbotenen Asbest-Schadstoff zu entfernen und zu entsorgen. 

Käthe-Kollwitz-Schule Innenbereich
Bei der Neugestaltung wurde viel Holz verarbeitet. Die Räume und Flure wirken dadurch wärmer und wohnlicher. © OPG

Sanierung bei laufendem Unterricht

Da aus Kostengründen interimsweise keine Raummodule zur Verfügung gestellt werden konnten, wurde die Käthe-Kollwitz-Schule bei laufendem Unterrichtsbetrieb saniert. Die Projektleitung lag beim Hochbaumanagement des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Mit der Projektsteuerung und treuhänderischen Bauabwicklung beauftragte das städtische Fachamt die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH. Nach dem Neubau der Hafenschule wickelte damit das Immobilienunternehmen der Stadtwerke-Gruppe für die Stadt erneut ein Schulbauvorhaben im zweistelligen Millionenbereich ab.

Das Schwester-Unternehmen GBM Gebäudemanagement GmbH war intensiv in die Arbeiten eingebunden und während der Bauzeit für die Aufrechterhaltung des Unterrichtsbetriebes verantwortlich. OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha  spricht von einer „riesigen logistischen Herausforderung“. Insgesamt galt es, rund 40 Hauptgewerke zu managen, hinzu kamen zehn bis 15 kleinere Aufträge.
Die Sanierung bei laufendem Unterricht verlängerte die Gesamtbauzeit gegenüber der Regelbauzeit bei einer kompletten Auslagerung des Schulbetriebes um mehrere Monate. Um Rücksicht auf die Unterrichtsabläufe zu nehmen, hätten die Firmen teils nur „mit angezogener Handbremse“ arbeiten können, erklärt die OPG-Geschäftsführerin.

Daniela Matha und auch Anna Heep danken der Schulleitung für die engagierte Unterstützung und Zusammenarbeit. Alle Beteiligten tauschten sich in regelmäßigen „Bausitzungen“ aus, darunter auch die Leitung der Theodor-Heuss-Schule, die ihre Unterrichtszeiten mit denen der Käthe-Kollwitz-Schule abgestimmt hatte, um der Nachbarschule Räume zur Verfügung stellen zu können. In der Anne-Frank- und der Buchhügel-Schule konnten ebenfalls Dependancen eingerichtet werden. Zusätzlich  wurden Ausweichflächen bei der StartHaus GmbH in der Pirazzistraße angemietet. Die Käthe-Kollwitz-Schulleitung hielt ihr Kollegium in zahlreichen „Baubriefen“, wie Schulleiterin Marlies Stülb sie nannte, auf dem Laufenden.

Vollständige Erneuerung

Um bei der immer wieder erforderlichen Abtrennung einzelner Sanierungsbereiche vom Schulbetrieb flexibler zu sein, wurde in insgesamt drei Bauabschnitten gearbeitet. Sämtliche Böden, Decken und Leichtbauwände sowie die Technik, von der Heizung und Lüftung über die Brandschutz- und Gebäudeleittechnik bis hin zu Sanitär und Elektro wurden vollständig  erneuert.  
„Es gab nichts, das wir nicht angefasst hätten“, sagt Daniela Matha rückblickend. Nach den Plänen der Darmstädter Bernhardt + Partner Architekten wurde das dreigeschossige Schulhaus schrittweise entkernt und von Grund auf saniert.

Blick durch ein runde Fenster
Eine runde Sache: Nach Umbau und Komplettsanierung verfügt die Käthe-Kollwitz-Schule über mehr Platz, kürzere Verbindungswege und einen barrierefreien Zugang aller Räume. © OPG

Mehr Licht und eine warme Atmosphäre im barrierefreien Innenbereich

Für eine bessere Raumaufteilung und Erreichbarkeit der sich über sechs halbversetzte Ebenen verteilenden Klassen- und Aufenthaltsräume wurden nicht-tragende Wände eingerissen, neue Türöffnungen und auch neue Verbindungswege geschaffen. Dadurch wurde nicht nur mehr Platz geschaffen. Alle Räume sind jetzt auch zeitsparend und dank des Einbaus eines Aufzuges barrierefrei zu erreichen.
Im Innenbereich sorgen jetzt raumhohe Glaselemente für mehr Tageslicht. Bei der Neugestaltung wurde ebenfalls viel Holz verarbeitet. Die Räume wirken dadurch  wärmer und wohnlicher. Alle Klassenzimmer haben nicht nur neues Mobiliar, sondern anstelle der alten Kreidetafeln auch Smartboards mit interaktiven Displays erhalten. Auch ein WLAN-Netz wird gerade eingerichtet.

Für die Schulleitung und das Kollegium gab es einen neuen Verwaltungstrakt. Ebenfalls wurden die naturwissenschaftlichen Räume und ihre Ausstattung erneuert. Der zwischenzeitlich in die Anne-Frank-Schule ausgelagerte Textilzweig der Berufsschule verfügt nun über einen Ausstellungs- und Verkaufsraum („Käthe-Laden“).

Innenbereich der Käthe-Kollwitz-Schule
Raumhohe Glaselemente wie hier im großzügigen Eingangsbereich lassen mehr Tageslicht ins Innere. © OPG

Schulleitung freut sich über verbessertes Raumangebot

„Mit dieser Ausstattung  ist die Käthe-Kollwitz-Schule räumlich und technisch auf dem modernsten Stand“, freuen sich Schulleiterin Marlies Stülb und ihr Stellvertreter Peter Schug. Mit der Grundrissänderung habe sich nicht nur das Raumangebot, sondern auch die Unterrichtssituation insgesamt deutlich verbessert. „Dank der neuen Innengestaltung hat die Schule jetzt eine völlig andere Ausstrahlung.“

Auch von außen ist die Käthe-Kollwitz-Schule heute kaum wiederzuerkennen. Die energetische Optimierung mit Hilfe einer optisch aufgelockerten, selbsttragenden  Pfosten-Riegel-Fassade mit neuer Farbgestaltung und ebenfalls ein veränderter großzügiger Eingangsbereich geben dem Schulgebäude ein neues „Gesicht“. Die Erfordernis eines zunächst nicht vorgesehenen, weil kostspieligen Austauschs der alten asbesthaltigen Fassade war in der Planungsphase des Projektes fachlich  umstritten gewesen. Die Stadt entschied sich schließlich doch für den Ausbau und die fachgerechte Entsorgung der Fassadenplatten samt Brüstungselementen und Fenstern. Zum Austausch asbesthaltiger Bodenbeläge sowie brandschutztechnischer Einrichtungen kam somit der Fassadenwechsel noch hinzu. Darüber hinaus wurden Ende 2017 im Zuge der Bauarbeiten weitere, bis dahin unbekannte schadstoffbelastete Bauteile in vorher nicht einsehbaren Bereichen entdeckt: in vier großen Installationsschächten, in den Anschlussstreifen zwischen Türzargen und Wänden sowie im Bereich der Anschlussfugen aller leichten Trennwände. Bei den hierdurch sowie auch durch weitere Baumaßnahmen entstandenen 4,5 Millionen Euro Mehrkosten blieb es dann. Der neue Kostenrahmen von rund 23,5 Millionen Euro konnte eingehalten werden.  

Zwei Jahre lang galt es für das Leitungsteam der Schule, die „Herkulesaufgabe“ zu bewältigen, den Schulbetrieb unter widrigen Bedingungen wie Lärm-, Staub- und Geruchsbelastung aufrechtzuerhalten. Beinahe wöchentlich mussten dazu die Räume gewechselt werden. Oft, so Marlies Stülb und Peter Schug, sei an einen planmäßigen, regulären Unterricht kaum zu denken gewesen. Gleichwohl hätte die Verständigung mit der Projektleiterin des städtischen Hochbaumanagements, Ute Listmann, OPG-Projektleiter Hubert Schieck und Architekt Matthias Hennig  hervorragend funktioniert. „Ein enormer Kraftakt liegt hinter uns“, ist auch Stadtrat Paul-Gerhard Weiß erleichtert.  Der Dezernent dankt allen Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrkräften, dass sie alle Einschränkungen ihres Schulalltags so geduldig ertragen haben. Auch die Kooperation der Schulleitung und der Nachbarschulen habe zum guten Gelingen beigetragen. Alle Dependancen der Käthe-Kollwitz-Schule seien inzwischen aufgegeben worden. Die räumlichen Ressourcen stünden nun wieder den jeweiligen Schulen zur Verfügung. Der hohe Aufwand, vor allem auch bei der Asbestsanierung, habe sich gelohnt, sagt der Stadtrat. Die Käthe-Kollwitz-Schule als Teil des Berufsschul-Campus sei jetzt bestens für die Zukunft aufgestellt und nun auch barrierefrei zugänglich. „Und wir können das Schulgebäude jetzt vollends ruhigen Gewissens betreten, denn alle Schadstoffe sind daraus entfernt.“

05. Juni 2020