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Kita 15 in der Goethestraße, Straßenansicht
Ein bauhistorisches Schmuckstück ist die Gründerzeit-Villa in der Goethestraße. Nach der Sanierung erstrahlt das Gebäude innen wie außen. © Thomas Ott
In zweijähriger Bauzeit und mit einem Kostenaufwand von 3,2 Millionen Euro hat die Stadt Offenbach ihre denkmalgeschützte Kita Goethestraße (15) saniert und die Räumlichkeiten im Nordend auf den Standard aktueller Anforderungen an die Kinderbetreuung gebracht. In der Kindertagesstätte werden rund 80 Jungen und Mädchen in vier Gruppen betreut. Für die Dauer der im Sommer 2017 begonnenen Bauarbeiten waren sie in der Kita Berliner Straße (26) und in der Kita am Hafen (28) untergekommen. Zusammen mit ihren Erzieherinnen konnten sie im Juni dieses Jahres wieder in ihr Domizil in der Goethestraße zurückkehren.

Gründerzeit-Villa wird moderne Betreuungseinrichtung

Mit Liedvorträgen, Führungen und der symbolischen Schlüsselübergabe durch Baudezernent Paul-Gerhard Weiß und Sozialdezernentin Sabine Groß an Kita-Leiterin Anna Visciani ist die Fertigstellung jetzt auch offiziell gefeiert worden.

Die Kita in der Goethestraße ist ein bauhistorisches Schmuckstück unter den 30 kommunalen Kindertagesstätten. Sie befindet sich in einer 1895 errichteten und 1903 erweiterten Gründerzeit-Villa gegenüber dem Capitol-Theater. Der auffällige Backsteinbau mit einer Fassade aus gelbem Klinker und kunstvoll bearbeitetem Sandstein verfügt über ein markantes Walmdach mit Zwerchhäusern und geschweiften Giebeln. Baulich und technisch war die neben der Fröbelschule gelegene Kita in die Jahre gekommen. „Das Gebäude“, so Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, „entsprach nicht mehr den energetischen sowie den baulichen und brandschutztechnischen Standards einer Einrichtung für frühkindliche Bildung und Betreuung.“ Im Zuge der Komplettsanierung habe die Stadt auch die Raumstruktur verbessert und damit „gute bauliche Voraussetzungen für eine zeitgemäße Betreuung der Kinder geschaffen“.

Vier Personen halten einen gebackenen Schlüssel auf einem Blech.
Symbolische Schlüsselübergabe: (von links) Baudezernent Paul-Gerhard Weiß, Architekt Klaus Leber, Sozialdezernentin Sabine Groß und Kita-Leiterin Anna Visciani. © Bernd Georg

Wichtiger Kita-Standort in zentraler Lage

„Die Gesamtsanierung im Bestand ist aufwändig gewesen und hätte sich nicht bei laufendem Kindergartenbetrieb durchführen lassen“, erläutert Anna Heep, Leiterin des Hochbaumanagements des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement.
Bei dem städtischen Fachamt hatte die Projektleitung gelegen. Mit der Projektsteuerung und treuhänderischen Bauabwicklung war die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH aus der Stadtwerkegruppe beauftragt gewesen.

Aufgrund der begrenzten räumlichen Kapazität werden in dem zur Kita umfunktionierten ehemaligen Wohnhaus ausschließlich drei- bis sechsjährige Kindergartenkinder und keine Krippenkinder betreut. Dabei wird es auch nach der Sanierung bleiben. Wegen des Denkmalschutzes lässt sich das Gebäude nicht erweitern.

Auch, wenn die Kapazität der Einrichtung begrenzt sei: „Im kinderreichen Nordend mit seinem hohen Bedarf an Kindergartenplätzen sichert die Stadt mit ihrer Investition in ihre Liegenschaft einen wichtigen Kita-Standort in zentraler Lage“, so Sozialdezernentin Sabine Groß. Vor dem Hintergrund des starken Bevölkerungswachstums würden weiterhin zusätzliche Betreuungsplätze benötigt.

Innenansicht der Kita 15 mit Treppenhaus und Eingangsbereich
Blick in den Eingangsbreich und das Treppenhaus. © Thomas Ott

Helle freundliche Räume und mehr Platz zum Spielen

Unter Einhaltung der Denkmalschutzvorgaben hat die Kindertagesstätte jetzt unter der Projektsteuerung der OPG neue Türen und Fenster sowie Wand-, Boden- und Deckenoberflächen und ebenfalls eine neue Heizung erhalten. Die schadhafte Fassade ist umfänglich saniert worden, damit die Gebäudehülle wieder den Witterungseinflüssen standhalten kann.

„Eine besondere Herausforderung“, so OPG-Bereichsleiterin Bozica Niermann, „stellte der Dachstuhl dar. Aufgrund von Feuchteschäden an tragenden Bauteilen musste die komplette Holzkonstruktion entfernt und die energetisch verbesserte Dachfläche entsprechend ihrer Ursprungsform wieder aufgebaut werden.“

Durch einen neuen Zuschnitt der Grundrisse und eine Verlagerung von Personal- und Verwaltungsräumen in das zuvor nicht genutzte Dachgeschoss gewannen die vier Gruppenräume im Erd- und ersten Obergeschoss an Fläche. Zudem konnte im Erdgeschoss die Küche erweitert und ein Lastenaufzug für den Transport von Speisen in den ersten Stock eingebaut werden. Kita-Leiterin Anna Visciani freut sich: „Alle Räume wirken hell und freundlich und unsere Kinder haben jetzt auch mehr Platz.“

2,46 Millionen Euro übernahm der Bund

Wer historische Gebäude saniert, ist vor Überraschungen nicht gefeit. Das war auch bei der Kita Goethestraße so. „Das Vorhaben war schwieriger und aufwändiger als anfangs gedacht“, so Anna Heep. Hausschwammbefall des Mauerwerks und Schadstoffe in der Bausubstanz sorgten nicht nur für eine längere Bauzeit, sondern erhöhten auch den noch 2016 beim Projektbeschluss zugrunde gelegten Kostenrahmen von 2,09 auf 3,2 Millionen Euro. 2,46 Millionen Euro flossen an Bundesfördermitteln nach dem Kommunalinvestitionsgesetz in die Finanzierung ein.

„Wir können trotz der Mehrkosten zufrieden sein“, so Planungs- und Baudezernent Paul-Gerhard Weiß. Der Neubau einer viergruppigen Kita und der dafür erforderliche Grunderwerb wären erheblich teurer geworden. Und mit der Grundsanierung ihrer denkmalgeschützten Liegenschaft habe die Stadt ein bauhistorisch wertvolles Zeitzeugnis erhalten. Auch das gehöre zum Bildungsauftrag der Kommune.

30.10.2019

Innenansicht der Kita 15 mit Treppenhaus und Eingangsbereich Thomas Ott
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