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Bagger und Lastwagen auf dem Baugelände der Fröbelschule
Erdarbeiten an der Mühlheimer Straße: Im Auftrag der Stadt Offenbach haben die Stadtwerke-Unternehmen GBO und OPG mit dem Neubau der Fröbelschule begonnen. © OPG
Mit Baggerschürfen, Bodenanalysen und der Suche nach Kampfmittelrückständen hat die GBO Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach mbH damit begonnen, im Auftrag der Stadt Offenbach an der Mühlheimer Straße einen Neubau für die Fröbelschule zu errichten.

Die Ganztagsschule mit Förderschwerpunkt geistige und körperlich-motorische Entwicklung ist für 150 Kinder und Jugendliche und ebenso viele Lehrkräfte und Betreuungspersonen ausgelegt. Sie soll zum Schuljahr 2021/2022 bezugsfertig sein und einen zu klein gewordenen Altbau in der Innenstadt ersetzen.

Das Immobilienunternehmen GBO aus der Stadtwerke-Gruppe fungiert damit erstmals als Bauherrin eines öffentlichen Schulgebäudes. Dieses Verfahren war gewählt worden, um zeitaufwändige Abstimmungsprozesse in den städtischen Gremien abzukürzen und dadurch den Bau zu beschleunigen.

OPG übernimmt Projektrealisierung

Mit der Projektrealisierung hat die GBO ihr Schwesterunternehmen OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH beauftragt. Die OPG hat für die Stadt bereits zahllose millionenschwere Bauvorhaben umgesetzt, vom Stadion bis zur Hafenschule.

Die Gesamtkosten der neuen Fröbelschule belaufen sich nach derzeitigem Stand auf rund 30 Millionen Euro. Sie werden zum größten Teil von der GBO über den Kapitalmarkt finanziert. Die Stadt Offenbach als Schulträgerin wird die Immobilie von der GBO mieten.

Optimale Unterrichts- und Betreuungsbedingungen

Er sei froh, so Bürgermeister und Stadtkämmerer Peter Freier, dass jetzt mit dem Bau begonnen werden könne. Die unzureichenden räumlichen Bedingungen im Altbau der Fröbelschule im Nordend hätten damit bald ein Ende. Peter Freier: „Mit dem Neubau an der Mühlheimer Straße schaffen wir optimale Unterrichts- und Betreuungsbedingungen für Kinder mit Behinderungen.“

Dem Baubeginn ging ein umfangreicher, wiederholt optimierter Planungsprozess voraus, in den neben den Stadtwerke-Gesellschaften GBO und OPG alle Fachämter und auch die Schule selbst frühzeitig eingebunden waren. Stadtplanungs- und Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß: „Eine Förderschule ist planerisch nicht vergleichbar mit einer Regelschule. Es muss ein großer Augenmerk auf die unterschiedlichen Beeinträchtigungen der Schülerinnen und Schüler gelegt und für jeden Fall die bestmögliche Raumausstattung geschaffen werden, um darauf aufbauend optimale Lernerfolge erzielen zu können.“

Vorarbeiten mit umfangreichen Bodenuntersuchungen

Für den Neubau sind einschließlich Außenanlage vier Bauphasen vorgesehen. Weil der Untergrund des 10.000 Quadratmeter großen Grundstücks problematisch ist, gehen dem eigentlichen Hochbau in einer ersten, dreimonatigen Bauphase aufwändige Vorarbeiten in Form umfangreicher Bodenuntersuchungen voraus. Dabei wird zugleich das Erdreich nach Kampfmittelrückständen sondiert. Im Zweiten Weltkrieg befand sich hier eine Flak-Stellung.

Weil hier früher ein Altarm des Mains floss, besteht der Untergrund des 5.000 Quadratmeter großen Schulgebäudes aus einem inhomogenen Gemisch aus schluffigem Sand, Tonschichten und Grundwasser. Erst in einer Tiefe von acht Metern ist der Boden tragfähig. Im Zuge der Baugrundverbesserung müssen deshalb zur Gründung rund 1.000 sogenannte Rüttelstopfsäulen acht Meter tief in die Erde getrieben werden.

Wegen der Nähe zur Mühlheimer Straße ist auch die Absicherung der Baugrube aufwändig. Die Grubenwände können auf dieser Seite aus Platzgründen nicht rückverankert werden. Deshalb wird parallel zur Straße eine Bohrpfahlwand aufgespannt. Dabei werden massive Betonpfähle mit einem Durchmesser von 88 Zentimetern in die Erde gebohrt und durch Betonwände miteinander verbunden.

Schwimmbecken zu Therapizwecken und für Schulsport

Mit Ausnahme des geplanten Schwimmbeckens, das nicht nur für Therapiezwecke, sondern über einen separaten Eingang auch für den Offenbacher Schulsport zugänglich sein soll, wird das Schulhaus nicht unterkellert. Für das Schwimmbad müssen größere Mengen Erde abgefahren werden. Zudem erfordert der Tiefbau wegen des Grundwassers eine aufwändige Abdichtung. Um während der Bauarbeiten das Aufschwimmen tiefer liegender Bauteile zu verhindern, muss das Grundwasser über Monate durch Abpumpen abgesenkt werden.

Daher wird gleichzeitig am Einkaufszentrum auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf dem Gelände der ehemaligen Pelzveredlers Thorer regelmäßig der Grundwasserstand geprüft, um rechtzeitig verhindern zu können, dass von dort belastetes Grundwasser in Richtung Fröbelschulgelände nachfließt.

Drei Bauphasen

Das abgepumpte Grundwasser wird in die Kanalisation geleitet. Das Oberflächenwasser hingegen wird aus ökologischen Gründen und zur Entlastung des städtischen Kanalsystems in einem unterirdischen, drei Meter tiefen, 20,6 mal 5,5 Meter großen und 173 Kubikmeter fassenden Regenrückhaltebecken gesammelt und dann gedrosselt dem etwa 100 Meter entfernten Kuhmühlgraben zugeführt.

An die erste Bauphase der Bodenverbesserung schließt sich ab November dieses Jahres unmittelbar die Fundamentierung bis Oberkante Bodenplatte an. Diese zweite Phase soll bis Anfang 2021 abgeschlossen sein.

Dann beginnen in einer dritten Bauphase die mit zwölf Monaten Bauzeit veranschlagten Hochbauarbeiten. Bis 24. August lief die europaweite Ausschreibung für die schlüsselfertige Errichtung des Schulgebäudes ab Oberkante Bodenplatte. Das Schulhaus soll nach den Plänen der Frankfurter Architektei Mey in konventioneller Bauart mit Keramik-Klinkerfassade entstehen. Nach Eröffnung der Schule wird dann in der vierten und letzten Bauphase das Außengelände gestaltet.

31. August 2020