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Werner Patz auf dem Dach des VHS-Gebäudes
Werner Patz mit seiner Gitarre auf dem Dach des VHS-Gebäudes an der Berliner Straße, das er zu Beginn der aktuell laufenden Sanierungsarbeiten auch betreut hat. © Monika Müller
Für die Mitarbeiter in den von Gebäudemanager Werner Patz betreuten städtischen Liegenschaften war er 13 Jahre lang ein kompetenter Ansprechpartner. Während seiner Verabschiedung in den Ruhestand erzählte er jetzt aus seinem früheren, ebenso arbeitsreichen Leben als Rockmusiker und verriet unter anderem, was er mit Gottlieb Wendehals und dem Eagles-Hit „Hotel California“ gemeinsam hat.

Selbst langjährige GBM-Mitarbeiter hatten Schwierigkeiten, den wildbemähnten, bärtigen Mann mit Gitarre vor dem Bandbus auf dem mehr als 40 Jahre alten Foto als ihren Kollegen Werner Patz zu erkennen. Ein pralles Leben voller Musik hat er mitgebracht, als er 2004 bei der GBM Gebäudemanagement GmbH im Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke Unternehmensgruppe anfing.

Bandbus, Bart und Mähne sind in den 70er und 80er Jahren geblieben, die Musik hat Patz aber immer weiter beschäftigt, wenn auch nicht ernährt. Bevor Patz jetzt in den Ruhestand geht, hat er während seiner Abschiedsfeier bei der SOH in der Senefelderstraße mit Vorgesetzten und Kollegen aus seinem Leben vor der Verantwortung für Rathaus, Stadthaus, Bernardbau und anderen städtischen Liegenschaften erzählt.

"Wir waren eine der ersten WGs in Deutschland"

In der Stadt Wolfenbüttel hat der 1952 geborene Patz mit seinen Bandkollegen „so lange im Rathaus genervt, bis die uns zum Proben eine alte Turnhalle zur Verfügung gestellt haben“. Einmal pro Woche organisierten die Musiker dort eine Disco mit bis zu 400 Leuten, an den anderen Tagen stand die Halle der Band zur Verfügung. Blues-Rock und Jazz haben sie gespielt. „Wir waren eine ganze Weile kurz vor dem Durchbruch“, erzählt Patz. „Wir“ war seine Band Satyagraha. Den ungewöhnlichen Namen ­ übersetzt heißt er „gewaltloser Widerstand“ ­ verdankte die Band dem im Alter von 14 Jahren erwachten Interesse von Patz an indischer Philosophie. Mit der Band tourte er Anfang der 1970er Jahren meist neben einem regulären Job durch Deutschland.

Sein Zuhause war in dieser Zeit ein ehemaliges altes Hotel in dem er mit mehreren Leuten wohnte. „Wir waren eine der ersten WGs in Deutschland.“ Von Rudolf Schenker, der kurz darauf mit den Scorpions weltberühmt wurde, „habe ich meine erste anständige Gitarre gekauft“. Er ging mit ihm auf Tour und beide halten bis heute Kontakt.

Chef der Hamburger Fischauktionshalle, Komponist und Betreiber einer Szene-Kneipe

Von 1975 bis 1980 spielte er in einer Band namens Laser. „Mit beiden Bands habe ich in jedem bedeutenden Club in Deutschland gespielt“, sagt Patz. Der gelernte Betriebsschlosser stand tagsüber im Betrieb, eine Zeitlang war er auch Chef der Hamburger Fischauktionshalle, und abends auf der Bühne. Nachts fuhren die Mitglieder heim, Schlafen fand nur verkürzt statt. Gerne erinnert er sich, dass er bei einer Autopanne auf der Fahrt zu einem Auftritt im Frankfurter Sinkkasten den defekten Motor mit einer Basssaite repariert hat. „Bis zur nächsten Ausfahrt hat das gehalten und dort hat dann gleich unser Schlagzeuger gewohnt.“

Im Anschluss an die Deutschlandtouren war er Gastronom in Braunschweig, betrieb dort mit Partnern eine Szenenkneipe, die von morgens bis abends geöffnet hatte und in der Schüler, Lehrer, Rocker und Senioren verkehrten. Danach wechselte er nach Hamburg, schrieb Kompositionen für Fernsehproduktionen von ZDF und ARD. Abgemischt hat er sie auf dem Mischpult, auf dem die Eagles ihren Welthit „Hotel California“ gemixt hatten. Das Gerät hatte der deutsche Musiker Werner Böhm gekauft und nach Hamburg geholt. Böhm war in den 70er Jahren bekannt geworden unter dem Pseudonym Gottlieb Wendehals mit der „Polonäse Blankenese“.

Vom Dschungel in Ceylon auf die Bühne mit Udo Lindenberg

Noch in Hamburg fing Werner Patz bei einem großen Frankfurter Dienstleister an und wechselte dann für das Unternehmen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Einarbeitung hier bestand gleich in der Betreuung des Frankfurter Messeturms. Nächste Station war das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach, für das er verantwortlich war.

Vor seinem Wechsel nach Offenbach hat er seine Unerschrockenheit mehrfach unter Beweis gestellt. So lebte er 1992 für ein Vierteljahr in einer Hütte im Dschungel von Ceylon, wo er einen früheren Bandkumpel besuchte („bei Regen kamen die Schlangen, ich habe wilde Elefanten und Krokodile gesehen – das war nicht schlecht“), hatte mit einem Kumpel in der tiefsten Wildnis der Rocky Mountains gecampt, während sich Scharen von Bären für die sicherheitshalber in den Baumwipfeln aufgehängten Lebensmittelvorräte interessierten und nachdem Udo Lindenberg bei einem seiner Auftritte im Hamburger Onkel Pö unter den Zuschauern war, gab es im Anschluss eine gemeinsame Jamsession.

Arbeit bei der GBM war nicht nur Broterwerb

Die Arbeit in den Offenbacher Liegenschaften war nicht nur ein Broterwerb, wie er rückblickend sagt. „Das habe ich richtig gerne gemacht.“ Besonders die Fröbelschule und die Museen hätten ihm am Herzen gelegen. Die Arbeit steuerte er nicht vom Schreibtisch, sondern ging selbst hin, wenn etwas hakte, sprach mit den Leuten und kannte jeden persönlich. Seine Souveränität im Umgang mit anderen Menschen verdankt er nicht nur seiner reichen Lebenserfahrung, sondern sicher auch dem Erwerb des braunen Gürtels in Karate während seiner Hamburger Zeit.

Jetzt im Ruhestand will er wieder verstärkt Musik machen. Das Team der GBM freut sich für ihn, bedauert aber, dass sein großes Wissen und Erfahrungsschatz verloren gehen, wie die Geschäftsführerinnen Annette Schroeder-Rupp und Daniela Matha sagten und regten an, dass er bei künftigen Betriebsfesten für die Musik sorgen kann. Die macht er derzeit noch mit einer namenlosen Band in einem Übungsraum im Bunker in der Grimmstraße – für die Bunker der Stadt war er ebenfalls zuständig.

Geprobt wird regelmäßig, nicht zwingend mit dem Ziel, wieder aufzutreten. „Es geht mehr darum, dass jeder beim Spielen sein eigenes Universum entdeckt“, sagt Werner Patz. Neben Eigenkompositionen werden auch Stücke anderer Bands aufgenommen – aber mit Respekt, wie er betont: „Wir würdigen die Lieder, wir verhunzen sie nicht.“

31.07.2017