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Gruppenbild mit Bürgermeister, Zimmermeister und Planungsdezernent
Bürgermeister Peter Schneider (links) und Stadtrat Paul-Gerhard Weiß als Planungsdezernent freuen sich gemeinsam mit Zimmermeister Erik Nürnberger über das eindrucksvolle neue Dachgestühl auf dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. © georg-foto,offenbach am main
Über dem eingerüsteten Backsteinbau in der Goethestraße hängt der Richtkranz. Noch spannt sich ein Schutzdach über die dreigeschossige Gründerzeit-Villa und hält Wind und Regen fern, bis der komplett erneuerte Dachstuhl wieder mit Schieferplatten nach altdeutscher Art eingedeckt ist.

Im Herbst dieses Jahres sollen die rund 75 Kinder, die hier bis zum Baustart im Sommer 2017 betreut wurden, wieder in ihr runderneuertes Domizil einziehen können. Bis dahin gehört die städtische Kita 15 noch den Handwerkern. Mit einem Kostenaufwand von 3,2 Millionen Euro saniert die Stadt Offenbach ihre denkmalgeschützte Liegenschaft im Nordend und sichert damit nicht nur den Kita-Standort für den Stadtteil, sondern bringt die Räumlichkeiten auch auf den Standard aktueller Anforderungen an die Kinderbetreuung.

Die Projektleitung liegt beim Hochbaumanagement des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Mit der Projektsteuerung und treuhänderischen Abwicklung wurde die OPG Offenbacher Projektentwicklung mbH aus der Stadtwerke-Gruppe beauftragt.

Die Gesamtsanierung im Bestand ist aufwändig und lässt sich nicht bei laufendem Kindergartenbetrieb durchführen. Die Jungen und Mädchen werden deshalb übergangsweise in der Kita 26 in der Berliner Straße 220 und in der Kita 28 am Hafen betreut.
Die Kindertagesstätte in der Goethestraße 20 befindet sich in einer 1895 errichteten und 1903 erweiterten Gründerzeitvilla mit einer Fassade aus gelbem Klinker und schmuckvoll bearbeitetem Sandstein sowie einem markanten Walmdach mit Zwerchhäusern und geschweiften Giebeln. Aufgrund der räumlichen Kapazität in dem zur Kita umfunktionierten ehemaligen Wohnhaus werden ausschließlich Kindergartenkinder im Alter von drei bis sechs Jahren und keine Krippenkinder betreut. Die 75 Jungen und Mädchen aus Familien mit unterschiedlichen Nationalitäten verteilen sich auf vier Gruppen. Wegen des Denkmalschutzes ist die Kindertagesstätte nicht erweiterbar.

So begrenzt die Kapazität der neben der Fröbelschule gelegenen Einrichtung auch sein mag: „Für das kinderreiche Nordend mit seinem hohen Bedarf an Betreuungseinrichtungen ist die Kita 15 von ganz besonderer Bedeutung“, erklärt Bürgermeister und Jugenddezernent Peter Schneider. Offenbachs Bevölkerung wachse in hohem Tempo, da müsse auch die Infrastruktur Schritt halten. Dabei zähle jeder Betreuungsplatz. Bildungseinrichtungen wie die Kita in der Goethestraße mit ihrer zentralen Lage hätten folglich einen hohen Stellenwert.

Neue bauliche Voraussetzungen für eine zeitgemäße Betreuung

Das Gebäude gegenüber dem Capitol-Theater war baulich und technisch in die Jahre gekommen. Es entsprach nicht mehr den energetischen sowie den baulichen und brandschutztechnischen Standards einer Einrichtung für frühkindliche Bildung und Betreuung.

„Im Zuge der Komplettsanierung verbessern wir auch die Raumstruktur und schaffen damit gute bauliche Voraussetzungen für eine zeitgemäße Betreuung der Kinder “, erklärt Stadtrat und Baudezernent Paul-Gerhard Weiß.

Durch einen neuen Zuschnitt der Grundrisse und eine Verlagerung von Personal- und Verwaltungsräumen in das bislang ungenutzte Dachgeschoss gewinnen die vier Gruppenräume im Erd- und ersten Obergeschoss an Fläche. Durch die Umbaumaßnahmen erhöht sich die Nutzfläche pro Kind von drei auf vier Quadratmeter. Nach dem Umbau entsteht eine Gesamtnutzfläche von 813 Quadratmetern.

Unter Einhaltung der Denkmalschutzvorgaben erhält die Kindertagesstätte jetzt neue Türen und Fenster sowie Wand-, Boden- und Deckenoberflächen. Die schadhafte Fassade wird umfänglich saniert, damit die Gebäudehülle wieder den Witterungseinflüssen standhalten kann. Im Erdgeschoss wird die Küche erweitert und ein Lastenaufzug für den Transport von Speisen in den ersten Stock eingebaut. Und dank eines neuen Geländers werden die Kinder künftig auch die rückwärtige Terrasse im Obergeschoss nutzen können.

Sanierung günstiger als Neubau

Eine besondere Herausforderung stellt der Dachstuhl dar. Aufgrund von Feuchteschäden an den tragenden Bauteilen muss die komplette Holzkonstruktion entfernt und die energetisch verbesserte Dachfläche entsprechend ihrer Ursprungsform wieder aufgebaut werden.

Wer alte Gebäude saniert, erlebt meist Überraschungen. In diesem Fall waren das ein Hausschwammbefall des Mauerwerks und Schadstoffe in der Bausubstanz. Auch deshalb ließ sich der noch 2016 beim Projektbeschluss zugrunde gelegte Kostenrahmen von 2,09 Millionen Euro nicht halten. Die Gesamtsanierung wird jetzt 3,2 Millionen Euro kosten. Rund die Hälfte davon, 1,69 Millionen Euro, fließen an Fördermitteln nach dem Kommunalinvestitionsfördergesetz in die Finanzierung ein. Das sei immer noch günstiger als der Neubau einer viergruppigen Kita, für den rund 3,95 Millionen Euro zu veranschlagen seien, so Stadtrat Paul-Gerhard Weiß. Und in dieser Summe sei ein innerstädtisches Grundstück, über das die Stadt selbst im Nordend nicht verfüge, noch gar nicht enthalten.

In der Goethestraße, erklärt der Planungs- und Baudezernent, komme die Stadt Offenbach auch ihrer Verpflichtung nach, die historische Bausubstanz ihrer Liegenschaften zu erhalten. Das Gründerzeit-Gebäude der Kita sei ein bauhistorisch wertvolles Zeitzeugnis und veranschauliche jüngeren Generationen die Geschichte der Stadt und den Einsatz besonderer Handwerkstechniken. Insofern, so der Stadtrat, gehöre Denkmalschutz auch zum Bildungsauftrag der Kommune.

7.5.2018