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Schneelastwage auf dem Gebäude der Stadtwerke-Gruppe
Auch wenn sie nicht an eine Waage erinnert: Diese Käseecke kann schwere Unglücke verhindern. © SOH
Sie erinnert an eine überdimensionale Käseecke und kann schwere Unglücke verhindern: Auf dem Dach des Gebäudes der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe an der Senefelderstraße ist seit Anfang 2017 eine Schneelastwaage installiert. Sie gibt den Referenzwert vor für rund 60 öffentliche Gebäude mit Flachdach, die bei heftigem Schneefall von dem zusätzlichen Gewicht befreit werden müssen, bevor es zu schweren und gefährlichen Gebäudeschäden kommt. Der entsprechende Alarm für eine zu hohe Belastung läuft beim Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke Unternehmensgruppe auf.

Käseoptik wegen Windlasten

Während einzelne Schneeflocken ja durchaus hübsch anzuschauen sind, werden sie in Massen zur ernsthaften Gefahr. Nicht erst seit dem Einsturz einer Eislaufhalle in Bad Reichenhall im Jahr 2006 müssen Kommunen Vorsorge treffen, damit Dächer nicht unter einer schweren Schneeschicht nachgeben. Zwar werden alle öffentlichen Gebäude regelmäßig, das heißt spätestens alle fünf Jahre, von einem Statiker untersucht. Doch hoher nasser Schnee ist ein zusätzliches Sicherheitsrisiko, das über die Schneelastwaage reduziert werden soll. Deshalb wurden rund 10.000 Euro in die Waage investiert, die vielfältige Referenzen hat – unter anderem von Flughäfen und öffentlichen Einrichtungen in der Schweiz.

Das System basiert auf einem unten geschlossenen Dreieck aus ein Meter langen Stahlplatten, die wegen der Windlasten die für die Käseoptik verantwortlichen Löcher haben. Hier wird der Schnee elektronisch gewogen. „Die Wiegetechnik selbst ist mit einer kleinen Heizung ausgerüstet, damit das System im Ernstfall nicht einfriert“, sagt Renato Antunes, Fachbereichsleiter Bau bei der GBM Service GmbH. Per SIM-Karte wird das Ergebnis an einen Computer bei der GBM übermittelt. Für alle öffentlichen Flachdächer in Offenbach wurde die zulässige Belastbarkeit ausgerechnet, danach sind sie in Lastkategorien eingeteilt. Die unterste liegt bei „bis 40“ Kilogramm pro Quadratmeter, deshalb wird von dieser Schneelast an Alarm gegeben.

Dächer werden ab 37 Kilogramm Schnee geräumt

„Geräumt werden die ersten Dächer erst ab 37 Kilogramm Schnee pro Quadratmeter“, sagt Renato Antunes. Mit dieser Aufgabe sind Dachdeckerfirmen beauftragt, die die Dachschneeräumung mit anbieten. Diese wissen auch, was sich unter der weißen Schicht auf den jeweiligen Dächern verbirgt. Wo beispielsweise Blitzschutzleitungen installiert sind, muss entsprechend vorsichtig geräumt werden.

Allerdings hat die Waage während ihrer bisher einjährigen Wacht auf dem SOH-Dach noch kein einziges Mal Alarm gegeben. Und es müssen schon für Offenbach sehr ungewöhnliche klimatische Umstände eintreten, bevor das erste Mal die Fachleute zur Dachräumung gerufen werden. In den ersten beiden Wochenenden im Dezember des vergangenen Jahres, während denen es für hiesige Verhältnisse schon relativ heftig geschneit hatte, zeichnete die Waage am 4. Dezember pro Quadratmeter gerade mal vier Kilogramm Schneelast auf, am 10. Dezember waren es nur noch drei Kilogramm pro Quadratmeter.

Alarmstufe rot bei etwa 25 Zentimetern Schnee

Alarmstufe rot mit einem Räumungsplan für eine Vielzahl von Dächern würde von der Waage ab 50 Kilogramm Schnee pro Quadratmeter ausgelöst. „Das ist aber hier in Offenbach nur sehr schwer zu erreichen“, sagt Antunes. Dieses Gewicht wäre ganz ungefähr bei etwa 25 Zentimeter Schnee erreicht. Aber auf die Messhöhe sei wegen der vielen unterschiedlichen Schneearten vom leichten Pulverschnee bis zum schweren nassen Schneematsch kein Verlass. Deswegen sendet die große Käseecke zuverlässig ihre Wiegedaten, damit die Dächer auf Offenbachs öffentlichen Gebäuden weiterhin schützen statt gefährden.

16.02.2018