Finale Erschließungsmaßnahmen auf dem Innovationscampus laufen an
19.08.2025 – Im Frühjahr hatte überraschend der Generalplaner für den Innovationscampus gekündigt. Jetzt kommen die Erschließungsarbeiten auf dem Offenbacher Innovationscampus voran.
Die neuen Planer haben Wort gehalten und sich schnell in die Materie eingearbeitet, nachdem im Frühjahr überraschend der Generalplaner gekündigt hatte und Ersatz gefunden werden musste. Darüber hinaus konnte die Inno inzwischen einen Generalunternehmer mit den finalen baulichen Erschließungsmaßnahmen beauftragen. „Seit Mitte August wird auf dem Innocampus jetzt die Baustelle für die finalen Erschließungsarbeiten eingerichtet“, teilt Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke mit. Als erstes werden die Kanalbau- wie Leitungsarbeiten vorbereitet sowie mit den Beteiligten aller anderen in Kürze anstehenden Kanalbauarbeiten in der Umgebung feinabgestimmt. Auf die unterirdischen Maßnahmen folgen im Laufe des nächsten Jahres das Innovationsband, wie die Haupterschließungsachse für den Innocampus genannt wird, neue Radverbindungen und dann in 2027 die große neue Kreuzung zur Mühlheimer Straße.
„Die Arbeiten werden für alle Nachbarn und für die Öffentlichkeit sichtbar und erlebbar machen, wie sich das Gelände in absehbarer Zeit von einer derzeit riesigen Baustelle zu einem modernen und innovativen Unternehmensstandort entwickelt. Dabei ist aber völlig klar: Die Erschließungsarbeiten werden Auswirkungen und natürlich auch verkehrliche Beeinträchtigungen in der näheren und weiteren Umgebung verursachen. Es wird zeitweise auch zu zusätzlichem Lärm und Erschütterungen kommen. Alle privaten und städtischen Beteiligten versuchen, diese Auswirkungen möglichst gering zu halten und stehen in engem Austausch untereinander“, betont Oberbürgermeister Schwenke. Aber, so fährt Schwenke fort: „Das am Ende für alle erlebbare Ergebnis wird sein: Das über ein Jahrhundert komplett abgeriegelte Gebiet wird durch Straßen, Rad- und Gehwege sowie neue Plätze der gesamten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und auch begrünt. Allein im Abschnitt „Innovationsband“ sollen rund 140 Bäume gepflanzt werden. Auch das wird ein großer Unterschied zu früher, als die Fläche komplett versiegelt war“. Die neue Allee bindet das Gelände im Norden rund um das Entrée von Samson bis Ende 2026 an die Mainstraße und anschließend mit einer großen Kreuzung an die Mühlheimer Straße im Süden an. Die Fertigstellung der öffentlichen Erschließung inklusive neuer Radwege ist vom Generalunternehmer, sofern alles wie geplant verlaufen sollte, derzeit bis Ende 2027 zugesagt.
Umzug der Samson AG hat planmäßig begonnen
Das 36 Hektar umfassende ehemalige Clariant-Gelände, die größte zusammenhängende innerstädtische Entwicklungsfläche der Stadt Offenbach, wird zu einem attraktiven Standort für zukunftsorientierte Unternehmen entwickelt. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung hatten dem Satzungsbeschluss für das Areal im März zugestimmt – damit ist der Bebauungsplan rechtskräftig geworden. Die Besonderheit des Megaprojektes: Der Samson AG wurden bereits im Vorgriff die Baugenehmigungen erteilt. Möglich wurde dies, weil deren privates Baugrundstück als bereits an die umgebenden öffentlichen Erschließungsflächen angrenzend und u.a. damit alle Genehmigungsvoraussetzungen erfüllend beurteilt werden konnte. So kamen die Arbeiten am neuen Unternehmensstandort planmäßig voran, und in den vergangenen Wochen hat Samson bereits mit der Verlagerung der ersten Produktionsbereiche, vor allem seiner Elektronikfertigung von Frankfurt nach Offenbach begonnen. Der Umzugsstart markiert laut der Samson AG einen wichtigen Meilenstein ihres Zukunftsprojekts MainChange. Seit Anfang August 2025 nehmen die ersten Mitarbeitenden die reguläre Arbeit am neuen Standort auf. So wurden die ersten elektronischen Bauteile bereits erfolgreich produziert. Ab Oktober 2025 sollen die Samson-Stellungsregler als erste Produkte vollständig auf dem Innovationscampus in Offenbach gefertigt werden. Die Elektronikfertigung zieht in das erste von insgesamt acht geplanten Gebäuden auf dem neuen Werksgelände. Oberbürgermeister Schwenke hatte, ebenso wie Planungsdezernent Weiß, bei der Ansiedlung, als für die Erschließungen weder Baurecht noch Planungen vorlagen, zugesagt, dass die äußere Erschließung die Aufgabe der Stadt sei und wir sie rechtzeitig erfüllen würden.
Anfangs hatte die Stadt versucht, alle Erschließungsmaßnahmen parallel zur Fertigstellung des Samson Werkes zu finalisieren. Dies wurde durch immer neue Herausforderungen hinfällig. Erst nachdem feststand, welche Flächen Samson und BioSpring als weitere Ansiedlung erwerben würden und welche Flächen für die öffentliche Erschließung gemäß des final verfolgten städtebaulichen Konzepts zur Verfügung stehen, sowie welche – für die Erschließung besonders wichtig – Geländehöhen angestrebt werden, ein genehmigter Rahmensanierungsplan seitens des Regierungspräsidiums vorliegen würde, konnte konkret in die Planung der öffentlichen Erschließung (Straßen, Wasser-, Strom- und Wärmeversorgung) richtig eingestiegen werden.
„Um unsere Zusagen einzuhalten, haben wir die Variante mit Interims-Erschließungsmaßnahmen umgesetzt. Die finale Erschließung zum jetzigen Zeitpunkt wäre zweifelsohne die Kür gewesen. Die Interims-Erschließung war aber immer eine mögliche Variante, auf Grund der objektiven Herausforderungen letztlich sogar die wahrscheinlichere. Dass es Momente im Projekt gab, an denen wir durch unsere Kommunikation zum Thema Erschließung zu große Erwartungen geweckt haben, wurmt mich bis heute“, ruft Schwenke zum Start der jetzt beginnenden finalen Erschließungsarbeiten offen in Erinnerung. „Wichtig für die Unternehmen wie für die Bürgerinnen und Bürger ist: mit der jetzigen Lösung erfüllen wir unsere Zusagen gegenüber Samson pünktlich zur Inbetriebnahme des Elektronikwerkes. Meine wichtigste Verantwortung ist, dass man sich auf die Stadt verlassen kann. Wir halten das gegebene Wort: Alles funktioniert rechtzeitig.“
Optisch bedeutet die Interims-Variante, dass zur Fertigstellung des Samson-Werks Ende 2026 der Innocampus in kleineren Teilen fertig ist, in größeren Teilen aber noch den Charakter einer Großbaustelle haben wird. Die Zuwegungen sind aber selbstverständlich alle nicht nur funktionsfähig, sondern auch sicher. Darüber sind Samson wie Biospring informiert und es wurde mit Hilfe von Visualisierungen der Zustand Ende 2026, wie auch Ende 2027 veranschaulicht. Wichtig war allen Beteiligten bei Stadt und Inno, dass die Interims-Erschließungsmaßnahmen fristgerecht den Einzug in das erste, bereits bezogene Gebäude von Samson sicherstellen konnten: Konkret sind diese: Der Stromanschluss bis zum Samson-Grundstück, die Rad- und Fußwegeverbindung von der Mühlheimer Straße bis zur südlichen Grundstücksgrenze des Samson Werkgeländes, eine KFZ- Umgehungsstraße im Projektgebiet mit Einfahrt über die Kettler Straße sowie die Schmutzwasserentwässerung.
Immerhin: der Gas- und Trinkwasseranschluss sowie Teilabschnitte der Fernwärme zur Versorgung des Samson-Geländes sind bereits im Endausbau fertiggestellt.
Mit dem begonnenen Umzug kommt das Ziel der Stadt und von Oberbürgermeister Schwenke, auf der 36 Hektar großen, rund zehn Jahre brachliegenden Fläche einen Innovationscampus als Schnittstelle von Wirtschaft und Innovation mit neuen hochqualifizierten Arbeitsplätzen zu verwirklichen, einen weiteren wichtigen Schritt voran.
Anfang Juli konnte zudem der erste Spatenstich für den ersten Bauabschnitt der neuen High-Tech-Produktionsstätte von BioSpring für rund 200 Mitarbeitende durchgeführt werden: Das Biotech-Unternehmen plant auf dem Innovationscampus eine der weltweit größten Produktionen für pharmazeutische Wirkstoffe auf Basis von DNA und RNA zu errichten. „So kehrt erstmals seit Jahrzehnten neue Industrie nach Offenbach zurück – und das gleich mit zwei global agierenden Unternehmen“, betont Schwenke. Mehr als 150 Millionen Euro investiert Bio-Spring nach eigenen Angaben in den ersten Abschnitt. Ende 2027 soll das Werk fertiggestellt sein. Produktionsbeginn in Offenbach für die Wirkstoffe ist im ersten Quartal 2028 vorgesehen. „Dann ist Offenbach zum ersten Mal ein ernst zu nehmender Standort der global bedeutenden Biotechnologie“, führt Wirtschaftsdezernent und Oberbürgermeister Schwenke aus.
Aufenthaltsqualität spielt eine wichtige Rolle
Eigentümerin des früheren Clariant-Geländes ist die INNO Innovationscampus GmbH & Co. KG, eine Immobiliengesellschaft der Stadtwerke Offenbach, die das Areal zusammen mit ihrem Schwesterunternehmen OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH im Auftrag der Stadt entwickelt und vermarktet. Diese Konstruktion war eine strategische Entscheidung, da die OPG diese Aufgabe auch beim ehemaligen Industriehafen Offenbach erfolgreich übernommen hatte. „Wie schon beim Hafen spielt für uns die Aufenthaltsqualität auf den öffentlichen Flächen, die Durchlässigkeit des Quartiers sowie die Anbindung an angrenzende Quartiere und an den Main eine wichtige Rolle“, unterstreicht Božica Niermann, INNO-Geschäftsführerin und Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften. „So wird die Durchwegung inklusive der Radinfrastruktur durch Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen ausgebaut.“ Das Innovationsband werde ab der Zufahrt zum Pellet-Werk eine verkehrsberuhigte Zone, mit Ausnahmen für Lieferverkehr und Anlieger. Insgesamt sollen auf dem Gelände vier Plätze entstehen, darunter ein gepflasterter und begrünter Quartiersplatz, nahe des Umspannwerks, sowie der Mainpark, der Elemente aus dem alten Industriestandort aufgreift: „Die früheren Materialien können zum Teil wiederverwendet werden.“ Im Zuge der Maßnahmen wird auch die Mühlheimer Straße entlang des Innovationscampus umgestaltet – mit neuen Rad- und Gehwegen sowie einer neu ausgebildeten Bushaltestelle.
Insgesamt sollen nach den kompletten Erschließungsmaßnahmen mehr als 200 zusätzliche Bäume für Schatten sorgen. Sie sind in Rigolen eingebunden, die das Regenwasser sammeln. Ein innovatives Konzept unter dem Motto „Schwammstadt statt Hitzeinsel“ sorgt dafür, dass das Regenwasser – durch Zisternen und Baumrigolen – verhältnismäßig lange im Gebiet bleibt, möglichst viel Verdunstung zulässt und damit Kühlungseffekte generiert.
Erschließungsmaßnahmen haben Priorität
Die Verantwortlichen sind sich einig: Die Umsetzung der nun in Kürze beginnenden Erschließungsmaßnahmen auf dem Innovationscampus haben absoluten Vorrang vor allen anderen Themen auf und neben dem Innovationscampus, bis alles fertiggestellt ist. „Über die einzelnen Bauabschnitte und die dafür notwendigen Maßnahmen sowie etwaige Einschränkungen für die Bevölkerung werden wir die Anwohner immer wieder informieren“, so Niermann.
Hintergrundinformationen zur Erschließung:
Das 36 Hektar umfassende ehemalige Clariant-Gelände, der heutige Innovations-Campus die größte zusammenhängende innerstädtische Entwicklungsfläche der Stadt Offenbach wird aktuell zu einem attraktiven Standort für zukunftsorientierte Unternehmen entwickelt. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung hatten nach umfangreichen Vorarbeiten, Studien, Gutachten und Anhörung der Öffentlichkeit im März 2025 das Baurecht geschaffen – formal ausgedrückt den „Satzungsbeschluss“ gefasst, womit der Bebauungsplan rechtskräftig geworden ist. Damit gibt es erstmals eine Rechtsgrundlage für die konkrete Lage und den Bau der neuen öffentlichen Kanäle, Straßen und Bäume. Vorher konnte damit nicht begonnen werden. Anders war dies mit den Baugenehmigungen für die Samson AG. Diese wurden Samson von der Stadt bereits im Vorgriff des Bebauungsplanes erteilt. Möglich wurde dies, weil das private Baugrundstück als bereits an die umgebenden öffentlichen Erschließungsflächen angrenzend und u.a. damit alle Genehmigungsvoraussetzungen erfüllend beurteilt werden konnte.
„Im Masterplan war ursprünglich ein kleinteiligeres Innovationsgebiet skizziert worden. Nachdem es gelungen war, eine Einigung mit der Samson AG zu erzielen, dass diese ihren Hauptsitz nach Offenbach verlagert und hier 14,3 Hektar Fläche erwirbt, mussten wir aus diesem erfreulichen Grund unsere Planung ab 2021 quasi wieder bei Null beginnen“, erläutert der Offenbacher Oberbürgermeister. „Normalerweise bereiten Kommunen ein solches Gelände zwei bis drei Jahre lang planerisch vor. Erst danach gehen Sie in die Vermarktung dann vorher fest fixierter Flächen. Um erfolgreich zu sein, haben wir hier alles anders gemacht als normalerweise. Wir haben erst die für die Unternehmen optimal passenden Flächen vermarktet und danach geplant. So wurden z.B. die zwei Bauanträge für das Samson Werk in nur jeweils 10 Wochen von der Stadt genehmigt, so dass diese so schnell wie möglich mit ihrer Projektrealisierung vorgelagert beginnen konnten. Damit das funktioniert, haben wir auch zugesagt, dass alle Unternehmen, allen voran die zuerst fertig werdende Samson AG, jederzeit ihr Werk bei uns betreiben und erreichen können. Diese Zusage halten wir über die Herstellung von Interimserschließungen ein“, so OB Schwenke.
Die Fertigstellung des Endzustands der öffentlichen Erschließungsmaßnahmen, der dann auch den Zugang des Innovationsbands für die Öffentlichkeit beinhaltet, ist für Dezember 2027 geplant.
Die Umsetzung der bevorstehenden Erschließungsmaßnahmen auf dem Innovationscampus haben absoluten Vorrang.
Perspektivisch soll das Areal, das früher hermetisch abgeschlossen war, auch an weiteren Stellen öffentlich zugänglich gemacht werden. „Um das auf einem ehemaligen Chemiegelände sicher zu planen, braucht es viele Kapazitäten, die noch anderweitig auf dem Innovationscampus gebunden sind“, macht der OB klar, dass die Dinge Schritt für Schritt kommen und nicht alles gleichzeitig. Daher können aus reinen Kapazitätsgründen weitere Planungen wie etwa für das Grüne Haus und die Dreibogenhalle sowie für die vorgesehenen Niederwiesen erst nach dem Umzug von Samson und der Fertigstellung des Innovationsbands vorangetrieben werden. „Der Zeitplan dafür wird gemacht, wenn die Priorität der Erschließung erfolgreich abgeschlossen ist“, so Schwenke.