Als Stefan Schummer im August für 40 Jahre im Dienst der Stadt Offenbach gefeiert wurde, war damit nur ein Teil seines beruflichen Werdegangs beschrieben. Vom Ende der 80er bis zum Ende der 90er Jahre war er darüber hinaus auch ein erfolgreicher Fußball-Profi. Mehr als 400 Spiele hat er für die Offenbacher Kickers absolviert und war dabei so erfolgreich, dass er als einer von sehr wenigen Spielern 1998 mit einem Abschiedsspiel geehrt wurde. Danach hat er sich ausschließlich darauf konzentriert, dass die Offenbacher Sportstätten für die Vereine in einem guten Zustand sind. Heute ist er dafür bei den Stadtwerken Offenbach als Fachbereichsleiter Sportplatzmanagement der GBM Service zuständig.
Obwohl sein Talent für den Fußball früh sichtbar wurde, hat sich der gebürtige Offenbacher abgesichert, bevor er sein Hobby zum Beruf machte: Als 16-Jähriger begann er eine Ausbildung als Maler und Lackierer, obwohl er da schon in verschiedenen Jugend-Auswahlteams spielte. „Ich wollte erst mal ein Fundament haben und meine Eltern haben mir zu einem Handwerk geraten.“ Sein Heimatverein war damals die Gemaa Tempelsee, die ihm viele Auswahlspiele ermöglichte. Dann fragten die Kickers an, ob er in ihrer B-Jugend spielen wollte. Kickers-Legende Hermann Nuber stand daraufhin bei ihm daheim im elterlichen Wohnzimmer und dann wechselte Stefan zum OFC.
Die Chancen für den begabten Fußballer wuchsen innerhalb des Vereins, er steuerte schnell auf den Profi-Status zu. „Das war ein Risiko: Ich hatte bei meinem Ausbildungsbetrieb inzwischen einen festen Arbeitsvertrag. Den habe ich aufgegeben, um nur noch Fußball zu spielen. Dann sind wir in Klassen abgestiegen, in denen man nicht vom Gehalt leben konnte.“ Er hätte im Verlauf seiner Karriere mehrfach auch bei anderen Vereinen unterschreiben können, aber das kam für den gebürtigen Offenbach nicht in Frage: „Ich bin Offenbacher durch und durch, das ist meine Stadt.“ Er löste das damalige Dilemma, indem er am 1. August 1985 in den öffentlichen Dienst zum damaligen Offenbacher Sport- und Badeamt wechselte. Tagsüber arbeitete er für das Rathaus auf den Sportplätzen, abends und am Wochenende trainierte und spielte er für den Verein.
Der Amtsleiter damals war ebenfalls ein früherer Kickersspieler und machte es möglich, dass er bei Freitagabendspielen rechtzeitig auf dem Platz stehen konnte. „Das war eine merkwürdige Situation“, erinnert sich Stefan Schummer. „Am Freitagabend standen wir auf dem Rasen auf dem Bieberer Berg, ich habe die Fans jubeln hören, die Fahnen wehen sehen und fand das als Spieler unglaublich cool. Und am Montagmorgen war ich als Angestellter dafür zuständig, im Stadion die beim Spiel abgebrannten Bengalos und die zertretenen Bierbecher wieder aufzusammeln.“
Dann stieg er mit den Kickers wieder auf und wurde Vollprofi. Er nutzte die Möglichkeit, sich beim öffentlichen Dienst freistellen zu lassen. Wegen eines Formfehlers verloren die Kickers dann 1989 die Lizenz für die 2. Liga. Es folgte der Zwangsabstieg. Für den Verein, die Fans, die Spieler war das eine Tragödie, die aber die berufliche Karriere von Stefan Schummer voranbrachte. Er fing wieder beim Sport- und Badeamt an. „Die Sportplatzpflege habe ich schon immer im Auge gehabt, das ist eine eigene Klasse.“ Inzwischen war er zum ESO Eigenbetrieb gewechselt, war schnell für die Kunden- und Objektbetreuung zuständig. Das bedeutete, dass er für Sportvereine, Schulen und Kita-Leitungen Ansprechpartner rund um Themen der Grünflächen war. Das lief gut, denn die meisten kannten ihn als Kickers-Spieler.
Nachdem er Ende der 1990er Jahre seine sportliche Karriere beendet hatte, ging es beruflich weiter bergauf: Seit 2000 ist er bei der GBM angestellt und übernahm vier Jahre später eigenverantwortlich die Betreuung aller städtischen Sportanlagen. Dafür besuchte Stefan Schummer zahlreiche Weiterbildungen und ließ sich unter anderem zum Umwelt- und Klimaschutzberater im Sport weiterbilden. Sein Augenmerk gilt immer mehr auch der ressourcenschonenden Bewässerung von Sportplätzen.
Wurde in den früheren warmen Jahreszeiten mit zuverlässigem Regen teilweise noch per Hand und Schlauch zusätzlich gewässert, wird heute auf effiziente Beregnung gesetzt. „Es gibt ausgeklügelte Techniken und Geräte für die automatische Bewässerung, mit denen wir unsere Sportanlagen ausrüsten, um den Sportlerinnen und Sportlern eine gute Platzqualität bieten zu können. Auch Zisternen werden wo möglich eingebaut. Das ist eine Entwicklung über die vergangenen Jahre hinweg, für die wir viel auf Seminaren und Messen gewesen sind, um diese Qualität liefern zu können. Wir haben sogar schon vom DFB die Rückmeldung bekommen, dass unsere Plätze immer super in Ordnung sind – deshalb hat bei uns unter anderem auch schon die Frauen-Nationalmannschaft trainiert.“
Seine frühere sportliche Karriere hilft ihm im Beruf immer noch: „Ich kenne alle Sportvereine und die meisten Vorsitzenden kennen mich. Das hilft sehr, wenn es mal berechtigte oder auch unberechtigte Kritik geben sollte.“ Er freut sich vor allem aber auch über sein 17-köpfiges Team aus Platzwarten, Auszubildenden und einem Ausbildungsmeister im Garten- und Landschaftsbau. „Wir haben einen starken Zusammenhalt und sind alle mit Begeisterung dabei.“
Auch wenn die unterschiedlichen Platzarten vom Hartplatz über Hybrid- und Kunstrasen alle mit gleicher Professionalität gepflegt werden – bei der Fragen nach seinem Lieblingsplatzbelag braucht der frühere Fußballprofi nicht nachzudenken. „Es geht nichts über einen schönen Naturrasenplatz.“