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geschmolzenes Metall im Ofen
© georg-foto; offenbach
Ein Glockenguss vor Ort in Offenbach ist ein denkwürdiges und wahrscheinlich einmaliges Ereignis. Am 24. Oktober wurde im Baugebiet An den Eichen die kleinste der neuen Glocken für St. Marien in Offenbach gegossen.

Die Glockengießerei Schmitt aus der Eifel reiste dafür an und führte den Glockenguss durch. Die größere Glocke für St. Marien wurde bereits im Sommer gegossen, die kleine entstand nun vor Ort. Dafür stellte die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft aus der Stadtwerke-Unternehmensgruppe ein Grundstück zur Verfügung. Die zuvor vorbereitete Glockenform wurde dort in eine Gießgrube eingegraben, da durch den Guss ein großer Druck entsteht. In einem Schmelzofen wurden anschließend Kupfer und Zinn auf über 1.000 Grad erhitzt und zu Bronze geschmolzen. Für die Veranstaltung stellte die OPG kostenlosen Strom bereit.

„Wir danken allen beteiligten Unterstützern sehr herzlich für die großartige Hilfe. Der Glockenguss in Offenbach war ein Ereignis, das es so schnell nicht wieder geben wird“, sagte Pfarrer Hans Blamm von der Pfarrei St. Marien. „Umso schöner wäre es gewesen diese Aktion groß feiern zu können, doch leider konnten wir wegen der aktuellen Corona-Lage kein Publikum dazu einladen“, ergänzte Bürgermeister Peter Freier, der sich vor Ort den Glockenguss genauer ansah.

Wissenschaft und Kunst

Ein Glockenguss ist eine Kunst und Wissenschaft für sich. Für die Herstellung einer Glocke wird eine dreiteilige Form benötigt: Der Kern, die sogenannte falsche Glocke und der Mantel. Der Kern wird aus Lehmsteinen gemauert und entspricht später dem Innenleben der Glocke. Die falsche Glocke fungiert als Modellglocke und entspricht dem Aussehen der späteren Bronze-Glocke. Der Mantel umschließt die falsche Glocke und dadurch drückt sich die Glockenzier in den Mantel hinein. Vor dem Guss wird die falsche Glocke entfernt, sodass der Hohlraum zwischen Kern und Mantel mit Bronze ausgegossen werden konnte: Eine heiße Angelegenheit, die viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Am Sonntag war die Glocke dann soweit abgekühlt, dass sie ausgegraben und entkernt werden konnte. Der Feinschliff folgt in einer Gießerei, ein Klangtest steht auch noch an. Benannt ist die Glocke nach Walter von Pontoise, einem Benediktinermönch und Heiligen. Am ersten Adventssonntag wird die Glocke geweiht und soll pünktlich zu Weihnachten das erste Mal im Einklang der anderen Glocken zu hören sein.  

28. Oktober 2020