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Stadt Offenbach

Wo Technik noch viel Handarbeit bedeutet

02.10.2026 – Wenn die Tage kürzer und die Kalender voller werden, beginnt für die Veranstaltungshäuser der Stadtwerke Offenbach die intensivste Zeit des Jahres. 13 öffentliche Großveranstaltungen stehen im Oktober in Capitol und Stadthalle bevor, Mitte des Monats sind es gleich sechs Termine an fünf Tagen – und im November folgen weitere 21. Hinzu kommen zehn fest gebuchte Tage für Firmenkunden, wie Anfang November die Verleihung des hessischen Gründerpreises 2026. Besonders viel (Wo-)Manpower ist im denkmalgeschützten Capitol-Theater gefragt.

Herr über die Handkonterzüge: Beim technischen Leiter Philip Gartmann laufen im Capitol Theater alle Fäden zusammen.

„Capitol und Stadthalle sind wichtige Orte für Kultur, Begegnung und gemeinschaftliche Erlebnisse in Offenbach. Dass hier auch in der besonders arbeitsintensiven Herbstsaison so viele unterschiedliche Veranstaltungen möglich sind, ist dem großen Engagement und der Professionalität des Teams zu verdanken. Hinter jedem Konzert und jeder Veranstaltung steckt viel Arbeit, die das Publikum oft gar nicht sieht. Dafür gilt allen Beteiligten mein ausdrücklicher Dank“, so Aufsichtsratsvorsitzender Martin Wilhelm.

„Das erfordert schon eine logistische Meisterleistung, zumal wir nur ein Team von zwölf Leuten für beide Häuser sind. In Hochzeiten – wie jedes Jahr im Herbst – brauchen wir Unterstützung von gut eingespielten freien Technikern und Fachkräften“, weiß Birgit von Hellborn, Geschäftsführerin von Capitol und Stadthalle. Gerade im Theater an der Goethestraße gelte es, „eine riesengroße Bühne im Vergleich zur Kapazität von 860 Sitzplätzen zu bespielen“. Auf dieser Fläche stand in der ehemaligen Synagoge der Altar, was Gäste des Hauses seit dem vergangenen Frühjahr anhand der Visualisierung im Foyer gut nachvollziehen können.

Ablauf und Technik werden minutiös geplant

Ein typischer Arbeitstag, etwa vor einem Konzert, beginnt morgens um 7 Uhr: Die Tour-Lastwagen und -Busse rollen an und müssen ordentlich rangieren, bis sie vor dem engen Eingang der Seitenbühne stehen. „Ablauf und Technik werden genau mit dem externen Team besprochen“, berichtet Philip Gartmann, technischer Leiter in Capitol und Stadthalle. Wie viel Strom, Steckdosen und Kabel werden wo und für welche Boxen, Scheinwerfer und Instrumente benötigt? Wann gehen welche Lichter an? Sind Nebeleffekte geplant? „Das muss unbedingt angemeldet werden, damit wir die Rauchmelder ausschalten können“, betont Birgit von Hellborn. „Ansonsten wird der Feuerwehreinsatz teuer.“ Was gilt es für den großen, mit gebrauchten Stühlen aus der Münchner Allianz-Arena ausgestatteten Crew-Catering-Bereich im Keller zu beachten? „Obwohl vieles vorhanden ist, bringen manche sogar ihre eigenen Herde und Kühlschränke mit“, sagt Gartmann. Das Hauptaugenmerk aber gilt der Bühne. Ob Barhocker für einen Sänger oder Podeste für das Capitol Symphonie Orchester: Alles wird einzeln hereingetragen und positionsgenau ausgerichtet. 

„Fitness-Studio ist hier kostenlos“

Auch sonst läuft im Capitol Theater wegen des Denkmalschutzes das allermeiste mechanisch und nicht elektrisch. Eine Besonderheit der Bühnentechnik sind die 42 Handkonterzüge, wie sie vor allem Spielstätten mit viel Historie benutzen. An den 30 Meter langen Stahlseilen hängt alles, was auf der Bühne in und über die Höhe bewegt werden soll: Vorhänge und Kulissenteile, Beleuchtung, Lautsprecher und größere Requisiten. Nur eine neue Traverse auf der Bühne funktioniert elektrisch – alles andere wird exakt von Hand austariert. „Wenn unten 100 Kilo hängen, brauchen wir auch oben 100 Kilo. Die schaffen wir dann aus unserem Gewichtelager heran“, erzählt Gartmann und grinst: „Das Fitness-Studio ist hier kostenlos mit dabei.“ Besonders aufwändig ist jedes Mal das Adventsmärchen des Theaterclubs Elmar e.V. (dieses Jahr gibt es „Die Sterntaler“ am 29./30.11.): „Die wechseln oft die Kulissen, da brauchen wir oben zwei bis vier Leute an den Handzügen.“ 

Jede Firmenveranstaltung ist anders: Am 18. September stand alles bereit für den Deutschen Gesundheitsball.

Jeder Termin ist anders – und Talent zum Improvisieren hilfreich

Damit der Ablauf reibungslos funktioniert, hat jedes Team-Mitglied ein Online-Tool mit dem exakt durchgetakteten Zeitplan auf dem Handy. „Trotzdem ist jede und jeder zum Mitdenken aufgefordert“, sagt Birgit von Hellborn. Direkt nach dem Konzert wird abgebaut, da die Bühne schnell wieder einsatzfähig sein muss. Das dauert in der Regel bis etwa 2 Uhr nachts, dann rückt die externe Reinigungsfirma an – und im Extremfall beginnt am nächsten Morgen alles von vorne. „Da ist es wichtig, dass eine Hand in die andere greift und wir uns aufeinander verlassen können“, betont die Geschäftsführerin. „Langweilig wird es uns nie, denn jeder Termin ist anders.“ Dafür sorgen schon die Firmenveranstaltungen. Mal gilt es, ein Kamel oder Segelflugzeug durch den Seiteneingang zu lotsen, mal schwebt ein komplett eingedeckter Tisch für 300 Personen auf die Bühne hinab, mal bleibt vor einer Weihnachtsfeier der Transporter mit den gebratenen Enten liegen – und die spontan angefragte Küche eines großen Frankfurter Hotels springt mit 150 Geflügelportionen ein. So hat das eingespielte Team über die Jahre viel Talent im Improvisieren entwickelt. 

Die Firmenveranstaltungen seien wichtig, um die Kultur mitzufinanzieren, so von Hellborn. Bis zu 500 Anfragen erreichen alleine das Capitol pro Jahr, und längst nicht alle Wünsche lassen sich erfüllen. „Die Freitage und Samstage im Advent oder für Abi-Bälle könnten wir zigmal vermieten, dafür gibt es im Sommer in der Regel mehr freie Termine, vor allem unter der Woche“, berichtet von Hellborn. Nur im Herbst gilt das nicht: Jetzt finden besonders viele Tourneen statt, da nach der Open-Air-Phase offenbar das Bedürfnis nach gemeinsamen Indoor-Erlebnissen wächst. Eine echte Bewährungsprobe steht dem Team am Sonntagabend, 25. Oktober, bevor: Mit Stefanie Heinzmann im Capitol und Tyla in der Stadthalle erobern zwei große Künstlerinnen zeitgleich die Bühnen der städtischen Veranstaltungshäuser. Zum Glück hat sich bisher in Offenbach folgende Erkenntnis bewährt: Je größer der Name, desto unkomplizierter die Stars. 

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