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Capitol Cinema Lounge
So., 7. April 2019
Praeludium: 16.00 Uhr
Konzertbeginn: 17.00 Uhr
Capitol Theater Offenbach
Der letzte Mann - Capitol Cinema Lounge 2019
© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Es bleiben die ‚goldenen Zwanziger‘, aber der Film wechselt: Bei der Capitol Cinema Lounge mit orchesterbegleitetem Stummfilm wird ein anderer Film als vorgesehen gezeigt.

Zu sehen ist der Kult-Klassiker ‚Der letzte Mann‘ von Friedrich Wilhelm Murnau mit der Rarität einer großen Originalmusik aus der Entstehungszeit, komponiert von dem damals hoch renommierten Filmkomponisten Giuseppe Becce. Obwohl Murnau ja auch "Nosferatu" gedreht hat, halten viele Filmwissenschaftler diesen 1924 uraufgeführten Film für Murnaus besten. Zudem hat er die seltene Qualität einer Musik, die zur Entstehungszeit von einem der wichtigsten europäischen Filmkomponisten, Giuseppe Becce, vertont worden ist. Diese wiederum ist von einem der angesehensten deutschen Klassik-Komponisten unserer Zeit, Detlev Glanert, restauriert worden.

Murnau (als Regisseur), Emil Jannings (als Schauspieler) und Karl Freund (Kameraführung) waren die zentralen Akteure - alle drei wurden mit diesem Film auf einen Schlag weltberühmt. Die Ufa ließ ihren Technikern und Stars alle Möglichkeiten zu experimentieren. Freund löste die Kamera vom Stativ, setzte sie auf einen Wagen, in einen Fahrstuhl, band sie sich um den Bauch, um diesem Portier, der seine Uniform mit stolzer Würde trägt, hinterher zu laufen, ihn zu verfolgen, die kleinsten Regungen einzufangen, die Gesichter der Nachbarn genauso wie die Gesichter der Hotelgäste. Die Kamera läuft und fährt, bewegt sich, hängt an einem Kran, ist „entfesselt“ vom Stativ, um den Hinterhof, in dem der Portier lebt, aus allen Winkeln zu fotografieren.

Zur Handlung: Ein alternder Hotelportier verrichtet seinen Dienst in prächtiger Uniform an der Tür des „Hotel Atlantic“ in Berlin. Nach einem Schwächeanfall wird er vom Hoteldirektor mit Verweis auf sein hohes Alter in die Herrentoilette versetzt. Ein Jüngerer nimmt seinen Platz ein. Der Portier verkraftet diese Demütigung nicht. Des Nachts entwendet er seine alte Uniform und führt nun ein Doppelleben: Tagsüber verrichtet er traurig seinen Dienst in der Hoteltoilette. Nach Feierabend zieht er sich heimlich die Uniform an, um seiner Familie und seinen Nachbarn vorzuspielen, es sei alles wie früher. Doch der Schwindel fliegt bald auf, Familie und Nachbarn wenden sich von ihm ab. Die Welt des Portiers bricht endgültig zusammen, nur der Nachtwächter des Hotels schaut noch nach ihm. Die Geschichte erhält am Ende – nach einem Zwischentitel, in dem der „Autor“ sich halbironisch von Happy Ends distanziert – eine positive Wendung, als ein Hotelgast auf der Herrentoilette sterbend dem einstigen Portier sein gesamtes Vermögen vermacht. Der einst Gedemütigte kann nun als souveräner, gut gelaunter und großzügiger Gast im „Atlantic“ einkehren und den Nachtwächter zu einem Festmahl einladen, worüber sich die restlichen Hotelgäste, die die Geschichte in der Zeitung gelesen haben, köstlich amüsieren.

Murnau ließ den 40jährigen Jannings, der jeden Tag zwei Stunden in der Maske zubrachte, um „alt“ auszusehen, vor allem durch seine Körpersprache agieren. Da ist der durchgedrückte Rücken, als er pompös seine Uniform spazieren führt, da ist er halb gebeugt, als er sich auf dem Hochzeitsfest seiner Nichte betrinkt, da schaut er nur noch erbarmungswürdig gebückt von tief unten, als er im Untergeschoss zum Toilettenmann wird. Der ganze Film braucht keine Zwischentitel - so genau, so präzise und einleuchtend ist die Körpersprache von Jannings.

Murnaus Film gehört zu den bedeutendsten künstlerischen Leistungen des Kinos in der Weimarer Republik, darüber hinaus zu den wenigen deutschen Filmen der zwanziger Jahre, die auch im europäischen Ausland und in den USA zu einem geschäftlichen Erfolg wurden. Mit Sebastian Beckedorf, dem stellvertretenden Generalmusikdirektor am Mainfrankentheater in Würzburg, konnte ein junger, aufstrebender Stummfilmdirigent von Rang verpflichtet werden, der unter anderem im Stummfilmrepertoire regelmäßig das filmerfahrene Staatsorchester Braunschweig auf Festivals dirigiert.

Ursprünglich gezeigt werden sollte ‚Lulu – Die Büchse der Pandora‘ von G. W. Pabst mit einer neukomponierten Musik von Jens J. Troester. Der Komponist hat sein Werk aus Zeitgründen noch nicht fertigstellen können.

Restkarten für den sinfonischen Stummfilmabend gibt es beim OF InfoCenter, Salzgässchen 1, Telefon (069) 840004-170, allen anderen bekannten Vorverkaufsstellen und auf www.frankfurtticket.de.

Bereits gekaufte Karten für die Vorstellung "Lulu" behalten Ihre Gültigkeit.

Der letzte Mann
(F.W. Murnau, 1924)

Musik: G. Becce (1924)
Arrangement: D. Glanert (2002)

Capitol Symphonie Orchester
Dirigent: Sebastian Beckedorf