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Delegation aus Costa Rica an der eMobil-Station am Marktplatz in Offenbach
© SOH
Verstopfte Straßen und verschmutzte Luft: Damit haben nicht nur Industrienationen zu kämpfen, sondern sogar ein weitflächig mit Naturschutzgebieten überzogener Staat wie Costa Rica. Eine rund 20-köpfige Delegation machte jetzt im Rahmen einer von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) organisierten Informationsreise in Offenbach Station. Bürgermeister und Umweltweltbeauftragte des zentralamerikanischen Landes informierten sich hier über Ansätze, den kommunalen Klimaschutz mit einem gut ausgebauten und elektrifizierten Nahverkehrssystems voran zu bringen.

Hoppla, gar nicht so einfach, mit einem Pedelec eine Runde rund um die eMobil-Station am Offenbacher Marktplatz zu drehen. Zumal, wenn das Fahrradfahren wie bei vielen Costa Ricanern keine so weit verbreitete und schon von Kindesbeinen an eingeübte Fortbewegungstechnik ist, wie die Gäste aus Lateinamerika berichteten. Und erst recht, wenn dann ganz ungewohnt auch noch die elektrische Antriebshilfe in Aktion tritt und den Pedaleuren einen ordentlichen Schub verleiht.

Mitunter etwas unsicher und schwankend, doch dann immer sicherer und mit sichtlichem Vergnügen wagte sich einer nach dem anderen Kommunalpolitikern aufs Leihfahrrad. Elektromobilitätsmanager Jens Battenfeld erläuterte die Technik und das  Ausleihverfahren der eMobil-Station. Betreiber sind die Offenbacher Verkehrs-Betriebe der Stadtwerke-Gruppe und der Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Großes Interesse an eMobil-Stationen

Mit großem Interesse vernahmen die Frauen und Männer aus Gemeinden und Städten rings um die Hauptstadt San José von Janine Mielzarek, Leiterin der Abteilung Elektromobilität bei der Stadtwerkegruppe, dass es in Offenbach gelungen ist, mit inzwischen sechs Leihstationen Elektromobilität in die Mobilitätskette des öffentlichen Nahverkehrs zu integrieren.

Ebenfalls starke Beachtung fand Mielzarek, zugleich stellvertretende Leiterin der hessenweit operierenden „Geschäftsstelle Elektromobilität – Projektleitstelle Bundesprojekte“ mit ihrer Ankündigung, dass die OVB 2019 damit beginnen wollen, schrittweise die gesamte Stadtbusflotte auf Elektroantrieb umzustellen. Ein Ziel, das auch Costa Rica für den Großraum San Josè anstrebt, wo fast die Hälfte der rund fünf Millionen Einwohner lebt.  

Ziel ist eine ausgeglichene CO2-Bilanz in der Hauptstadt

Der nicht nur demokratisch stabile, sondern auch ökologisch ambitionierte Staat strebt trotz wachsender Luftbelastung in seiner Hauptstadt eine ausgeglichene CO2-Bilanz an. Dazu soll der Verkehr, der fast 70 Prozent der Emissionen verursacht, auf umweltschonende Verkehrsmittel verlagert werden. Entsprechend gewinnen der Öffentliche Nahverkehr, aber auch Car- und Bike-Sharing sowie ganz allgemein der Fußgänger- und Radverkehr an Bedeutung.  

Im Auftrag der Bundesregierung unterstützt die Deutsche  Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit die Regierung Costa Ricas bei diesem Vorhaben und berät insbesondere auch auf kommunaler Ebene die Akteure bei Pilotprojekten.    

Costa Rica deckt Strombedarf aus erneuerbaren Energien

Das neutrale und unbewaffnete Costa Rica, das schon 1948 sein Militär abgeschafft hat und deshalb als die „Schweiz Zentralamerikas“ gilt, gewinnt den größten Teil seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien und könnte Vorreiter in der Region für die Einführung klimafreundlicher Antriebssysteme wie der Elektromobilität sein.    

Die Anschaffung von Elektrofahrzeugen wird inzwischen steuerlich begünstigt, für den Flottenbetrieb der Behörden gibt es verpflichtende Quoten und nicht nur Busse, auch Taxis sollen künftig elektrisch angetrieben werden.

Fahrrad gilt in Costa Rica als Fortbewegungsmittel für Arme

In Offenbach interessierte die Costa Ricaner besonders, wie eine solche Umstellung und Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs auf kommunaler Ebene parteiübergreifend, interdisziplinär und mit begrenzten Eigenmitteln gelingen kann. In ihrem Heimatland, das ist den Verwaltungsfachleuten bewusst, ist dazu in mancherlei Hinsicht noch ein Umdenken erforderlich.

Auch, was das Radfahren anbelangt. Bei ihnen gelte das Fahrrad noch als Fortbewegungsmittel für arme Leute, erzählt ein Bürgermeister. Das könnte sich bald ändern. Wieviel Spaß es macht, auf zwei Rädern unterwegs zu sein, zumal mit elektrischer Unterstützung, das können die Besucherinnen und Besucher aus Costa Rica ihren Landesleuten jetzt nach ihrer Erfahrung in Offenbach bestimmt besser vermitteln.

18.10.2018