Sprungmarken

Marcus Dörr von artmos4 vor einem seiner Graffitis
Offenbach bietet Marcus Dörr nicht nur Flächen für seine Arbeit als Sprühkünstler – hier eine Einfahrt am Mathildenplatz gegenüber der Katholischen Kirche – sondern auch Motive. © Monika Müller
Graffiti-Künstler Marcus Dörr wuchs mit seinem Unternehmen artmos4 im Ostpol. Nach ersten Arbeiten in Offenbach kam der bundesweite Erfolg.
Graffiti Waldemar-Klein-Tribüne-Stadion
Ebenfalls ein Kunstwerk von Marcus Dörr und artmos4: Das Wandbild im Sparda-Bank-Hessen-Stadion. © SOH

An den Arbeiten von Marcus Dörr und seinem Team aus der Agentur artmos4 kommt man in Offenbach kaum vorbei: Die Silhouetten jubelnder Fans über den Sitzreihen auf der Waldemar-Klein-Tribüne sowie der Haupttribüne im Sparda- Bank-Hessen Stadion auf dem Bieberer Berg, das größte Bild seiner Art in Deutschland, stammen aus den Sprühdosen des Unternehmens.

Ebenso die Wandbemalung mit Künstlern in der Stadthalle, die Beschriftung der Studentenunterkunft Lichtpol, des Pendants zum Ostpol im Mathildenviertel, die S-Bahn-Station Waldhof , Trafo- und Toilettenhäuschen in Bieber.

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele in der Stadt, jüngstes Beispiel ist ein leuchtend roter Papageienkopf an einer Wand des Tierheims.  Die Hauptkunden sind allerdings bundesweit zu finden: Die Bahn und andere Verkehrs- oder Versorgungsbetriebe gehören ebenso dazu wie Kommunen, Firmen und Privatleute. Wer kahle Wände, Bahnunterführungen, Silos, Versorgungseinrichtungen aufwerten lassen möchte, wendet sich an Dörr und sein Team.

Aus tristen Flächen werden Hingucker

Der gelernte Siebdrucker Dörr malte seit 1997 Graffitis, zunächst aber ohne kommerzielles Interesse. Als er den Auftrag bekam, die Waschstraße einer Tankstelle am Odenwaldring zu gestalten, berichteten Zeitungen über die Arbeit. „Daraufhin hatte ich Folgeaufträge und dann wurde das zum Selbstläufer“, erzählt er.

Triste Flächen verwandelte er mit der  Sprühdose in originelle Hingucker, immer häufiger gab es auch Anfragen aus der Werbung. Fassaden und Innenräume oder Objekte wie Müllschlucker wurden verschönert und bekamen ein neues Aussehen, das meist zum Kontext der Umgebung passt und diese phantasievoll belebt.

Wirtschaftsföderung empfahl den Ostpol

Mit dem kreativen Erfolg von artmos4 – Werbeslogan: „Wir sprühen vor Ideen“ -  wuchs die Büroarbeit und damit der Bedarf nach eigenen Räumen. Die Wirtschaftsförderung der Stadt empfahl Dörr den Ostpol – und stieß damit auf starke Vorbehalte.

„Das war mir erst zu hart, in die Hermann-Steinhäuser-Straße zu ziehen“, erinnert er sich. Angeschaut hat er sich die Räume dann trotzdem und revidierte seine Meinung. „Die Peripherie und die Infrastruktur fand ich gut und auch die Kosten haben gestimmt“. In einem sonnigen Büro in den oberen Etagen bekam das junge Unternehmen artmos4 seinen ersten Standort.  

Immer am Puls der Zeit durch Kontakt zu anderen Firmen

„Wir haben dort andere Firmen und die verschiedensten Leute kennengelernt und waren so immer am Puls, es ist immer was passiert.“ Außerdem schwärmt Marcus Dörr von den Kreativfesten, zu denen die Wirtschaftsförderung in den Ostpol regelmäßig einlädt. Viele Kontakte hat der Sprühkünstler in dieser Zeit geknüpft, auch zu den Studenten der Hochschule für Gestaltung, für die in den oberen Stockwerken des Ostpols Wohnungen eingerichtet sind. 

Die Aufträge mehrten sich, der Kundenstamm und damit auch das Unternehmen wuchs – erst auf vier Leute, dann auf sechs. Damit wurde auch das Bedürfnis nach mehr Raum und mehr Unabhängigkeit größer. „Man teilt sich im Ostpol ja alles bis auf den Briefkasten und das Büro. Außerdem kann man dann ja auch mal Platz machen für andere Start-ups“, sagt Dörr rückblickend über seine Zeit als Ostpol-Mieter.

Weit weg hat es ihn nicht verschlagen: Heute überlegen sich Dörr und seine Mitsprüher ihre neuen Motive gegen langweilige Flächen oder als peppige Kulisse für Werbeaufnahmen in neuen Geschäftsräume rund 400 Meter weiter. Die große Immobilie an der Friedhofstraße bietet Potenzial für weiteres Wachstum. Was er am Ostpol vermisst? „Die türkische Bäckerei um die Ecke und die Nähe zur Innenstadt.“