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Der einzige Fahrstuhl in einem Gebäude mit fünf Obergeschossen und 64 Wohnungen muss saniert werden und fällt deshalb für zwei Wochen aus. In einem Sportlerwohnheim wäre dies kein Problem. Doch in einem Haus für seniorengerechtes Wohnen, in dem einige der rund 90 Bewohner auf den Rollator angewiesen sind, wird diese Situation zu einer echten Herausforderung. Diese hat die GBO Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach jetzt gestemmt – und die Mieter haben alle mitgezogen.

Pflegedienst ermittelte den Bedarf der Bewohner

Der GBO aus dem Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke Unternehmensgruppe gehört das Haus aus dem Baujahr 1970 in der Goerdelerstraße. Bei der unumgänglichen Aufzugsanierung wurde auch gleich die Kabine erweitert und die Traglast erhöht, damit dort mehr Fahrgäste mit Rollator oder Rollstuhl Platz haben. „Dabei haben wir die Kabine behindertengerecht mit einer niedrigen Tastatur, die auch vom Rollstuhl aus bedient werden kann, und einer Sprachansage ausgerüstet“, sagt Jürgen Rupp, Bauleiter dieser Maßnahme sowie Teamleiter im Mieterservice.

Doch vorher galt es, die Durststrecke der Umrüstung zu überbrücken: Elf Tage lang stand der Aufzug still, danach waren täglich einzelne Transportfahrten möglich. In dieser ersten Zeit galt es vor allem die Bewohner zu betreuen, die keine Treppen mehr steigen können. Im Vorfeld hat deshalb Fee Kison, die für die Liegenschaft zuständige Teamleiterin im Mieterservice der GBO, alle Bewohner angeschrieben und informiert. Danach suchte sie, zusammen mit dem Bereichsleiter der Objektbewirtschaftung sowie Jürgen Rupp das persönliche Gespräch mit den Mietern. Ein Pflegedienst wurde engagiert, der den Bedarf an Unterstützung ermittelte. Denn was junge und fitte Menschen im Vorbeigehen erledigen, ist für Gehbehinderte ohne Aufzug ein Problem: Generell muss der Briefkasten geleert, die Zeitung geholt und der Müll nach unten gebracht werden. Einkäufe müssen erledigt, Medikamente besorgt werden. Zusätzlich standen Arzttermine der Mieter an.

Briefkästen leeren, Müll entsorgen, Tragedienste organisieren

Täglich ging also der von der GBO beauftragte Pflegedienst durch das Haus, leerte auf Wunsch die Briefkästen und brachte die Zeitung. Der Müll durfte ausnahmsweise vor die Tür gestellt werden und wurde ebenfalls täglich entsorgt. Zweimal wöchentlich wurde pro Haushalt außerdem nach dem persönlichen Bedarf eingekauft. „Es gibt zwar auch Supermärkte mit Lieferdienst, aber dort muss man entweder online bestellen oder anrufen und wir wollten den Aufwand für die Senioren so gering wie möglich halten“, sagt Fee Kison. Ein Patient mit chronischer Erkrankung wurde dreimal wöchentlich mit einem Tragedienst des DRK zur medizinischen Behandlung gebracht. Diesen für die Mieter kostenlosen Service konnten auch alle Bewohner in Anspruch nehmen, die einen unaufschiebbaren Arzttermin hatten und nicht mehr selbst Treppen steigen können.

Für alle, die die Treppen alleine schaffen, wurden sicherheitshalber auf jeder Etage Sitzgelegenheiten zum Ausruhen bereitgestellt. Darüber hinaus wurde eine zuvor leer gewordene Wohnung im Erdgeschoss vorläufig nicht vermietet, damit dort die Hausbewohner ihren Rollator abstellen konnten. Zusätzlich waren die beiden zuständigen GBO-Hauswarte werktags acht Stunden anwesend, um bei Bedarf helfen zu können. Die Hundebesitzer unter den Mietern und ihre Vierbeiner waren alle so fit, dass sie die täglichen Gassi-Gänge selbst bewältigen konnten. So lästig die vorübergehenden Unannehmlichkeiten auch für die Hausbewohner waren – angesichts der Umstände zeigten sie doch Verständnis für die Situation und auch der ein oder andere Friseurtermin wurde angesichts des überschaubaren Zeitraums auf die Zeit verschoben, in der der Aufzug wieder fuhr.

Auch in ihren anderen Liegenschaften bietet die GBO in vergleichbaren Fällen Unterstützung an. Dies betrifft dann aber in der Regel nur einzelne Mieter. In den anderen seniorengerechten Wohnanlagen wird sich eine solche Situation aller Voraussicht nach ohnehin nicht ergeben: Alle anderen dieser Gebäude haben zwei Aufzüge.

2. August 2019