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„Seit der Kündigung der Mietverträge für das MATO-Gelände im Dezember 2013 war allen Beteiligten klar, dass wir eine geeignete Fläche für Künstler benötigen“, so Winfried Männche, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) bei der Eröffnung der Zollamt-Studios am 20. August 2014.
Zollamt-Studios
© Andreas Schmidt
Daher habe bei einem eilends terminierten Treffen mit Oberbürgermeister Horst Schneider, dem Amt für Kulturmanagement, der Wirtschaftsförderung und Künstlern schnell das leerstehende Zollamt in der Frankfurter Straße im Fokus gestanden. Nach einem ersten Besuch bei der Eigentümerin der Liegenschaft, der Bundesimmobilienanstalt, lag bereits vier Wochen später ein Mietvertragsentwurf vor und schon im Mai konnten sich Interessenten für die insgesamt 52 Büro- und Atelierräume bewerben.
Ein achtköpfiges Kuratorium aus GBO, IHK, Amt für Kulturmanagement, Wirtschaftsförderung und Künstlern wählte die Mieter aus den unterschiedlichen Gewerken der kreativen Zunft aus, die die Gesamtfläche von 2.033 Quadratmeter jetzt mit ihren Ideen bespielen können. Das wünscht sich auch hessische Wirtschaftsminister Tarek AL-Wazir, schließlich ist die Kreativwirtschaft auch ein nicht zu vernachlässigender Wirtschaftsfaktor, so der Offenbacher bei seiner Rede: „Offenbach ist wirtschaftlich im Umbruch, wie es das kein zweites Mal in Hessen gibt. Hier gibt es bis zu 1500 Unternehmen mit rund 4500 Mitarbeitern in der Kreativwirtschaft.“ Kultur und Kreativität seien wichtige Innovationsmotoren und Standortfaktoren, die sich politisch unterstützen, aber nicht verordnen ließen. „Das Kreativhaus ist eine Chance, alle zusammenzubringen und neue Impulse über die Stadtgrenzen hinaus zu geben.“
Zollamt-Studios im Hochformat
© Andreas Schmidt

Dass in der Frankfurter Straße 91 Waffen in Säure aufgelöst wurden, ist übrigens nur eines aus einer Vielzahl von Gerüchten, die lange Zeit über das leerstehende Gebäude kursierten. Wahr ist, dass es zu den Aufgaben der ehemals dort ansässigen Bundeszollverwaltung gehörte, über den Im-und Export verbotener Güter zu wachen und daher auch Waffen auf dem Gelände landeten. Jetzt haben Künstler und Vertreter der Kreativwirtschaft die Gestaltungsmacht im Haus übernommen und schon der erste Rundgang überzeugt: Kunst und Ideen brauchen Raum, um sich entfalten zu können und so haben die ersten Mieter den Zollamt-Studios binnen kürzester Zeit neuen Atem eingehaucht. In den oberen Etagen des siebengeschossigen Gebäudes haben sich bereits das Faust- Filmkollektiv und das Urban Media Project von Loimi-Brautmann und den Brüdern Nicolas und Oliver Kremershof eingerichtet, im 4. Geschoss empfängt die puertoricanisch/amerikanische Malerin Michelle Concepión in ihrem Atelier. Sie ist mit ihren großformatigen Arbeiten auch in Galerien in Miami, Barcelona und Frankfurt vertreten und zeigt anlässlich der Eröffnung einige Arbeiten in der Projekt-Galerie der Hochschule für Gestaltung im Erdgeschoss. Gleich nebenan haben sich die Illustratorinnen Sandra Beer und Hanne Schirmacher eingerichtet, ihre Bilder sind ebenfalls im Erdgeschoss ausgestellt. Eine Tür weiter hat der Musiker Tim Schwedter Quartier bezogen, er hat an der Pop-Akademie studiert und arbeitet aktuell unter anderem mit dem Rapper Carlo Waibel alias CRO. Im 3. Stock weitere Ateliers, unter anderem das des „fotografischen Bildermalers“ To Kühne, der Bund Offenbacher Künstler e.V., ähnlich geht es auch im zweiten Stock weiter. Im der ersten Etage hingegen werden gerade noch die Räume gestaltet, zu den neuen Nutzern wird auch das neu gegründete „Institut für Klangforschung“ gehören. Initiiert hat es Heiner Blum, Professor an der Hochschule für Gestaltung, der in loser Folge zum theoretischen elektromusikalischen Exkurs in den Robert Johnson Club lädt. „Es gibt eine Elektromusiktradition in dieser Stadt, andererseits ist dieser Bereich ein weißer Fleck in der Ausbildungslandschaft, die das Institut mit Kooperationen schließen soll“. Blum war an der Auswahl der Mieter für die Zollamt-Studios als Vorsitzender des Kuratoriums beteiligt und freut sich, dass es bereits während dieses Prozesses sichtbare Zeichen für die Relevanz des Projektes gab: „Das Interesse war immens und wir haben sogar jemanden aus Rostock nach Offenbach geholt. Entgegen des Trends, sich nach Frankfurt oder Berlin zu orientieren, gibt es gute Gründe für Offenbach“. Eben beispielsweise ein Raumangebot zu guten Konditionen: Die Nettokaltmiete liegt bei rund 7,05 EURO pro Quadratmeter inklusive Nebenkosten, eine Mietkaution wird nicht erhoben. Mietverträge gibt es ab drei Monaten, die maximale Laufzeit beträgt derzeit fünf Jahre – auf diesen Zeitraum ist der Mietvertrag mit der Bundesimmobilienanstalt vereinbart. Oberbürgermeister Horst Schneider geht aber schon jetzt davon aus, dass sich auch dann in bewährter Offenbacher Geschwindigkeit wieder eine gute Lösung finden wird: „Wir wollen das die Kreativwirtschaft auch weiterhin prosperierend bleibt und Künstler hier gute Bedingungen finden.“

Weitere Informationen unter www.zollamtstudios.de