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Ob Pendler- oder Freizeitverkehr: Im städtischen Mobilitätsmix gewinnt das Fahrrad immer mehr an Bedeutung. Was bislang nur zu vermuten war, belegt seit über einem Jahr Hessens erste dauerhafte Fahrradzählstelle im Hafen Offenbach. Binnen eines Jahres registrierte die vom Stadtwerke-Unternehmen OPG installierte Zählstelle auf dem Mainradweg über eine halbe Million Radfahrende mit Spitzenwerten bis zu 5000 Radlern am Tag.
Fahrradzählstelle im Hafen Offenbach
An dem vielbefahrenen Mainradweg zwischen Offenbach und Frankfurt gibt eine stationäre Zählstelle im Hafen Offenbach mit ihrer digitalen Anzeige Auskunft über Zahl und Fahrverhalten der Radfahrenden. © Bernd Georg

Am Hafenbecken in Höhe des Blauen Krans misst seit April 2016 die über zwei Meter hohe Anzeigensäule des französischen Herstellers eco counter mit Hilfe von Induktionsschleifen im Boden in beiden Richtungen die Zahl der täglich passierenden Radfahrenden und zeigt diesen Wert zusammen mit der Jahresgesamtzahl an.

Der Mainradweg, zugleich Hessischer Fernradweg R3, zählt zu den meistbefahrenen Radwegen der Region. Der Abschnitt durch Offenbachs neues Hafenviertel ist ebenfalls Bestandteil der Regionalpark-Route und des Frankfurter Grüngürtelradwegs.

Zusammen mit den ebenfalls erfassten, aber nicht auf dem Display zu sehenden Kalenderdaten und Tageszeiten werden die Werte des Fahrrad-„Barometers“ per Funk an den Hersteller übertragen. Dieser leitet sie an die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH weiter. Die OPG ist ein Unternehmen aus dem Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke-Gruppe und entwickelt und vermarktet Offenbachs Hafenviertel. Die aktuelle Digitalanzeige kann auf der Webseite des Hafens Offenbach verfolgt werden.

Hochschule Darmstadt begleitet Projekt wissenschaftlich

Gleichzeitig werden die Daten der Hochschule Darmstadt als Kooperationspartnerin der OPG übermittelt, die das Projekt mit ihrem Fachbereich Bauingenieurwesen wissenschaftlich begleitet. Betreut wird die Zählstelle vom Studentischen Projektbüro Verkehrswesen, das die Verkehrsströme analysiert.

Die Daten können online eingesehen und ausgewertet werden. Dadurch lässt sich das Radverkehrsaufkommen stundengenau bestimmen. Ergänzt um die ebenfalls gesammelten Wetterdaten der einzelnen Tage ergibt sich ein sehr genaues Bild des Radverkehrsaufkommens. So lassen sich bei den Monatsvergleichen auch verschiedene Einflüsse wie saisonale oder wetterbedingte Schwankungen abbilden.

Höchstes Aufkommen im August

Für das erste Betriebsjahr der Offenbacher Zählstelle haben Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann und sein Mitarbeiter Dipl-Ing. Mark-Simon Krause eine erste Auswertung vorgenommen. Demnach haben mit Ablauf des Betriebsjahres im April 2017 insgesamt 544.763 Radfahrende die Zählstelle passiert. Dabei wurden 277.479 Radfahrende mit der Fahrtrichtung Frankfurt erfasst und 267.284 in Richtung Offenbach.

Spitzenmonat im Radverkehrsaufkommen war der August 2016 mit insge- samt 82.396 Radfahrenden. Der Tagesdurchschnitt lag hier bei 2.658. Das geringste Aufkommen wurde im Januar 2017 mit 13.314 Radfahrenden erreicht. Dies entspricht einem Durchschnittswert von etwa 430 Radfahrenden pro Tag.

Der radverkehrsreichste Tag war ein Feiertag. An Christi Himmelfahrt , 5. Mai 2016, passierten 5.017 Radfahrende die Zählstelle im Hafen Offenbach.

Fahrradzählstelle im Hafen Offenbach
© Bernd Georg

Mehr Radfahrer und Radfahrerinnen im Sommer

Erwartungsgemäß zeigen die vorliegenden Daten, dass die Strecke in den wärmeren Monaten stärker von Radfahrenden genutzt wird als in den kälteren Monaten. Während von Januar bis August ein stetiger Anstieg zu verzeichnen ist, nimmt der Radverkehr von Oktober bis Januar sichtbar ab.

Lagen für den Radverkehr, insbesondere auch für die Strecke zwischen Offenbach und Frankfurt, bislang nur stichprobenartige Daten vor, belegt jetzt die Auswertung der in Offenbach erhobenen Daten laut Prof. Dr. Follmann, welch hohen Stellenwert der Mainradweg für den regionalen Radverkehr in der Freizeit wie im Alltag besitzt.

Spitzen am Morgen und am Nachmittag

Dies verdeutlichten die im Verlauf eines Jahres erhobenen Zahlen und Tagesganglinien mit ausgeprägten Spitzen am Morgen oder am Nachmittag. Prof. Dr. Jürgen Follmann: „Es wird deutlich, dass das Fahrrad eine wichtige Rolle bei der Verkehrsmittelwahl spielt, auch für Pendler auf dem Wege zur Arbeit.“

Für die Zukunft, so der Wissenschaftler, bleibe mit Spannung abzuwarten, wie sich die Zahlen und das Radverkehrsaufkommen in den nächsten beiden Jahren entwickeln werden und wie die Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren aussehen werden. „Denkbar ist, dass sich die spürbaren Veränderungen im allgemeinen Mobilitätsverhalten hier ablesen lassen.“ Interessant sei dabei sicher auch, die Verkehrsbelastungen auf den parallel verlaufenden Straßen in dieser Relation im Vergleich zu betrachten.

Werbung fürs Fahrrad

„Unsere Intention ist es, mit dieser hessenweit ersten stationären Zahlstelle den Radverkehr in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und für das umweltfreundliche Verkehrsmittel zu werben“, erklärt Geschäftsführerin Daniela Matha,  die zusammen mit Annette Schroeder-Rupp den Immobilienbereich der Stadtwerke-Gruppe leitet.  

Gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt verfolge die OPG das Ziel,kommunalen Verkehrsplanern aussagekräftige Daten über das konkrete Fahrverhalten an die Hand zu geben. Damit werde eine gute Grundlage geschaffen für die Verbesserung der Infrastruktur des nichtmotorisierten Verkehrs.

Entwicklung des Radverkehrs veranschaulichen

Der Vorteil der Offenbacher Dauerzählstelle sei, dass die Entwicklung des Radverkehrs über mehrere Jahre veranschaulicht werden könne, so Ulrich Lemke, OPG-Projektleiter Hafen. Überdies werde die Zählstelle wichtige Daten für das Monitoring des städtischen Projekts „Fahrrad-(straßen)-stadt Offenbach“ liefern, ist Lemke überzeugt. Die Stadt Offenbach hat sich für dieses Projekt im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Klimaschutz durch Radverkehr“ um Fördermittel beworben, um ein Netzwerk neuer Radwegeverbindungen zu schaffen.   

Finanziert worden ist die einschließlich Zähltechnik und Softwareeinrichtung 20.000 Euro teure Stele im Hafen aus Mitteln des OPG-Schwesterunternehmens Mainviertel Offenbach GmbH & Co. KG, des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung sowie des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain.

Das Kooperationsprojekt der OPG und der Hochschule Darmstadt ist mit dem Offenbacher Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement abgestimmt.

16.08.2017