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An dem vielbefahrenen Mainradweg zwischen Offenbach und Frankfurt gibt jetzt im Hafen Offenbach eine stationäre Zählstelle mit digitaler Anzeige Auskunft über Zahl und Fahrverhalten der Radler. Mit diesem ersten permanenten Fahrrad-„Barometer“ Hessens macht die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH zusammen mit der Hochschule Darmstadt den Radverkehr sichtbar und gibt den Verkehrsplanern wichtiges Datenmaterial an die Hand.
Die Fahrradzählstelle im Hafen Offenbach.
© Georg

Über den motorisierten Individualverkehr im Offenbacher Stadtgebiet weiß man nahezu alles, von den Zulassungszahlen über die Verkehrsströme bis zum Fahrzeugaufkommen auf den Hauptverkehrsachsen. Doch über den Radverkehr? Da blieb es bislang meist nur bei Einzelerhebungen oder Schätzungen.

Das ändert sich jetzt. Auf einer der meistbefahrenen Radrouten der Region, dem hessischen Radfernweg R3 zwischen Offenbach und Frankfurt, visualisiert die OPG im Hafen Offenbach den Radverkehr mit Hilfe einer stationären Fahrradzählstelle und erhebt dabei konkrete Messdaten. Am Hafenbecken nahe dem Blauen Kran, auf einem neu hergestellten Wegabschnitt zwischen den beiden Inselbrücken, gibt die erste bekannte dauerhafte Fahrradzählstelle in Hessen Auskunft über Zahl und Fahrverhalten der Radler in diesem Stadtbereich. Der Wegabschnitt ist Bestandteil auch des Frankfurter Grüngürtelradwegs sowie der Regionalpark-Route.

Kooperation mit der Hochschule Darmstadt

Die Idee dazu hat die OPG gemeinsam mit dem Fachbereich Bauingenieurwesen/Verkehrswesen der Hochschule Darmstadt entwickelt. Das Kooperationsprojekt ist mit dem Offenbacher Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement abgestimmt. Die OPG wird die Zählmaschine zunächst drei Jahre lang betreiben. In diesem Zeitraum wird die Hochschule die Funktionstüchtigkeit der Zählstelle kontrollieren, das Projekt wissenschaftlich begleiten und mit ihren Studierenden die gesammelten Daten auswerten. „Im städtischen Mobilitätsmix gebührt dem Fahrrad ein hoher Stellenwert“, ist Horst Schneider überzeugt. „Für eine zukunftsorientierte Verkehrsplanung brauchen wir aussagekräftige Daten über das konkrete Fahrverhalten. Hier gibt uns die neue Stele am Hafenbecken wertvolle Aufschlüsse. Die gesammelten Daten sind eine wichtige Grundlage für die Verbesserung der Infrastruktur des nichtmotorisierten Verkehrs in unserer Stadt.“

Details zur Stele

Die 2,3 Meter hohe und 46 Zentimeter breite Anzeigensäule des französischen Herstellers eco counter ist aus einem pulverbeschichteten Alu-Profilrahmen mit Seitenwänden aus schlagfestem Polykarbonat gefertigt und steht auf einem Betonfundament. Mit Hilfe von Induktionsschleifen im Boden misst sie in beiden Richtungen die Zahl der täglich passierenden Radler und zeigt sie zusammen mit der Jahresgesamtzahl an. Zusammen mit den ebenfalls registrierten, aber nicht per Display angezeigten Kalenderdaten und Tageszeiten werden alle Werte per Funk an den Hersteller übertragen, der sie dann an die OPG und die Hochschule Darmstadt weiterleitet.
Die Fahrradzählstelle im Hafen Offenbach.
© Georg

Informationsgewinn für Verkehrsplaner

„Unser Studentisches Projektbüro Verkehrswesen erhält dadurch Gelegenheit, die Entwicklung des Radverkehrs über mehrere Zeiträume hinweg zu vergleichen und die Verkehrsströme zu analysieren“, freut sich Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann. Für den Radverkehr lägen bislang nur stichprobenartig Daten vor. „Anhand von Monats- oder Jahresvergleichen lassen sich nun jedoch verschiedene Einflüsse auf das Radverkehrsaufkommen erkennen sowie saisonale oder wetterbedinge Schwankungen abbilden.“ Die Messdaten der Stele bedeuteten einen großen Informationsgewinn, sagt Follmanns wissenschaftlicher Mitarbeiter Dipl.-Ing. Mark-Simon Krause. Sie ließen Rückschlüsse auf den Berufs- und Freizeitverkehr zu, zeigten langfristig Veränderungen bei der Verkehrsmittelwahl auf und gäben Hinweise darauf, ob die Verkehrssicherheit gewährleistet ist oder die Infrastruktur angepasst werden muss.

Kosten & Förderung

Für die Fahrradzählstelle im Hafen Offenbach hat die OPG einschließlich Zähltechnik und Softwareeinrichtung 20.000 Euro aus Mitteln der SOH-Schwestergesellschaft Mainviertel Offenbach GmbH & Co. KG investiert. An den Kosten beteiligt haben sich das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung sowie der Regionalverband FrankfurtRheinMain.

Der Hafen als optimaler Standort

„Das Land Hessen fördert Fahrradfahren in der Freizeit wie im Alltag und auf dem Weg zur Arbeit“, so Claudia Grumann und Stefan Burger vom Referat ÖPNV und Nahmobilität des Landesministeriums. „Hier im Hafen radeln Pendler, sportlich Aktive und Genießer gleichermaßen. Daher ist dieser Ort hervorragend geeignet, um Radverkehr sichtbar zu machen und die Radverkehrsströme wissenschaftlich auszuwerten.“ „Wir haben uns gerne an der Fahrradstele beteiligt, denn für eine zukunftsorientierte Radverkehrsplanung brauchen wir Daten und Fakten“, sagt Birgit Simon, Erste Beigeordnete des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain. Die Radzählstelle liege an einer Strecke, die von Berufspendlern gerne befahren werde.

Der Hafen Offenbach: Besonders attraktiv für Radfahrer

Gerade weil der Radverkehr der OPG besonders am Herzen liege, sei die digitale Anzeigensäule nicht nur einfach eine Zählstelle, sondern auch eine Werbetafel für das Radfahren, erläutert Daniela Matha. „Wir wollen zeigen, wie viele Menschen hier täglich mit dem Rad unterwegs sind und dazu motivieren, das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel zu entdecken.“ „Denn der Hafen Offenbach“, ergänzt Hafen-Projektleiter Ulrich Lemke, selbst passionierter Radler, „ist für Fahrradpendler besonders attraktiv.“ Bis zur Frankfurter Osthafenbrücke seien es nur 3,1 Kilometer, bis zur EZB vier und bis zum Eisernen Steg 5,2 Kilometer. Mit der Stele und ihrer Digitalanzeige beabsichtige die OPG ebenfalls, Fahrradfahrer in der Wahl ihres Verkehrsmittels zu bestärken und radelnde Hafenbesucher willkommen heißen. Ulrich Lemke: „Wir wollen Radfahrern das gute Gefühl geben, Teil einer Bewegung zu sein.“

Werbung für den Radverkehr

In Offenbachs neuem Stadtviertel ist der Radverkehr eine wichtige Säule eines umweltfreundlichen Mobilitätskonzeptes. „Wir setzen im Hafen Offenbach auf eine ausgewogene Mischung der Verkehrsangebote“, erklärt OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha. Für den motorisierten Individualverkehr ist der Hafen gut erschlossen. Es gibt Tiefgaragenplätze und ein Parkhaus. Mit der RMV-Buslinie 108 ist das Viertel gut an den ÖPNV angebunden. „Und mit attraktiven Fuß- und Radwegen“, so Matha, sorgen wir für kurze Verbindungen zur Offenbacher City, zu Naherholungsgebieten am Flussufer, zur S-Bahn und am Main entlang nach Frankfurt.“
Die OPG fördert den Radverkehr bereits auf vielfältige Weise. Sie hat einen gefährlichen Engpass auf dem Mainradweg in Höhe der Offenbacher Schleuse beseitigt und den Wegabschnitt im Bereich der Carl-Ulrich-Brücke neu gestaltet. Sie unterstützt eine „Fahrradfreundlichkeitskampagne“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und ermutigt im Hafen Investoren, in ihren Tiefgaragen frei zugängliche Fahrrad-Abstellanlagen zu schaffen. Mit der Fahrradzählstelle nun rückt das Unternehmen der Stadtwerke-Gruppe den umweltfreundlichen Radverkehr mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit. 21.04.2016