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Hafen Offenbach als Vorbild für andere Stadtentwicklungsprojekte

In raschem Tempo wachsen rings um das Hafenbecken die Gebäude in die Höhe. Immer mehr nimmt Offenbachs neues Stadtviertel jetzt Konturen an. Längst richten sich nicht nur die Blicke aus der Region auf Offenbachs städtebauliches Vorzeigeprojekt. Auch überregional interessieren sich immer mehr Investoren und Politiker, Stadtplaner und andere Experten für den Hafen Offenbach. Zuletzt haben sich hier Baseler Kommunalpolitiker Anregungen für die eigene Stadtentwicklung geholt.  

Sie alle waren schon da: Vorstände aus der Wohnungswirtschaft Hannover, Umweltamtsleiter deutscher Groß- und Mittelstädte, Frauen aus der deutschen Immobilienwirtschaft oder Stadtplaner aus Frankfurt. Das Interesse am Hafen Offenbach ist ungebrochen. Erstmals besichtigte nun auch eine Besuchergruppe aus der Schweiz die Offenbacher Großbaustelle. Die Ausgangslage ist unterschiedlich, doch im Endeffekt gleichen sich die Bilder. In Offenbach war es der wirtschaftliche Strukturwandel, der in den 1990ern auch für den alten Industriehafen am Main das Aus einläutete. Gleichzeitig jedoch bot dieser Wandel die Chance, aus dem Brachland in reizvoller Wasserlage ein völlig neues Innenstadtviertel mit Wohnen und Arbeiten, Bildung, Kultur und Naherholung zu realisieren.

In Basel hingegen ist es das rasche Wachstum des Rheinhafens als Container-Umschlagplatz, das jetzt eine vieldiskutierte städtebauliche Veränderung einläutet. Die Anforderungen der neuen Drehscheibe für Schiff und Bahn sprengen die räumlichen Möglichkeiten des alten Hafenbeckens. Die Verlagerung des regionalen Logistik-Clusters zu einem größeren Becken eröffnet der 180.000-Einwohner-Stadt die Möglichkeit, auf einem Teil des alten Industrieareals die „Hafenstadt“ zu entwickeln: einen ebenfalls völlig neuen Stadtteil als Wohn-, Arbeits-, Bildungs- Kultur- und Freizeitort mit Strahlkraft wie in Offenbach auch auf angrenzende Stadtviertel.

Wie sich solch ein neues Stadtquartier erfolgreich entwickeln lässt, davon machten sich 14 Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Basel-Stadt um Präsidentin Brigitte Hollinger und Fraktionsvorsitzenden Stephan Luethi vor Ort ein Bild. Daniela Matha, Geschäftsführerin der OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH, die das Areal für die Stadt Offenbach entwickelt und vermarket, führte die Gäste durch eines der größten und spannendsten Baugebiete der Rhein-Main-Region. Für die Schweizer Besucher verblüffend: Die lange Zeitspanne und der lange Atem, den es planerisch braucht, bis auf einer solchen Konversionsfläche die ersten Häuser emporwachsen. Die Anfänge in Form eines Grundsatzbeschlusses des Stadtparlaments gehen in der 126.000- Einwohner-Stadt Offenbach auf das Jahr 1998 zurück. Da sei schon auch ein „robustes städtebauliches Muster“ mit klaren Zielvorstellungen hinsichtlich des Nutzungsanteils von Wohnen und Arbeiten, der angestrebten Bevölkerungsstruktur oder auch des Flächenverhältnisses von Bauland und öffentlichem Raum erforderlich, so Matha. Entwickelt wird das neue Stadtviertel in drei Bauabschnitten. Entsprechend wird auch das Erdreich des ehemaligen „Ölhafens“ nicht in einem Schritt, sondern abschnittweise saniert.

Strenge Qualitätskriterien und spannende Zwischennutzungen

Aufschlussreich für die Gäste aus Basel: Die Philosophie der OPG, Investoren zwar genügend Freiraum zu lassen, gleichzeitig aber auch per Bebauungsplan und im Zuge aufwändiger Auswahlverfahren eindeutige Qualitätsvorgaben zu machen und darauf zu dringen, dass die Unternehmen die Hafen-Immobilien möglichst im eigenen Bestand belassen. Oder auch: Bei der Erschließung nicht nur mit der obligatorischen Infrastruktur wie dem Straßen- und Brückenbau zu beginnen, sondern frühzeitig auch Bildungseinrichtungen wie Schule und Kita zu entwickeln und erste Freiflächen wie die einladende große Hafentreppe zu gestalten.

Ein besonderes Merkmal der Offenbacher Hafen-Entwicklung: Das gesamte Flussufer und auch das Hafenbecken bleiben öffentlich zugänglich. Damit wird der Hafen zum Ort der Naherholung nicht nur der hier lebenden Bewohner, sondern der ganzen Stadt. Um die Menschen für diese reizvollen Flächen zu begeistern, wurden frühzeitig spannende Zwischennutzungen ermöglicht. So entstanden hier ein Beachclub, ein Kulturzentrum, ein Boxclub und ein Hafengarten.

„Wir haben viel darüber gelernt, wie man ein solches Stadtviertel entwickeln kann“, bedankt sich die Baseler SP-Präsidentin Brigitte Hollinger nach rund zweistündiger Tour für eine aufschlussreiche Führung mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen. Die nächsten Besuchergruppen haben sich bereits angekündigt: Stadtentwickler aus Rüsselsheim und von der Saar, Ingenieure aus der deutschen Wasserwirtschaft und Leiter hessischer Vermessungs- und Liegenschaftsämter. Der Hafen bleibt im Fokus vieler Experten, die auch weiterhin Offenbachs spannenden Stadtentwicklungsprozess verfolgen.    

17.06.2015