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Was tut sich im Hafen Offenbach, welche neuen Projekte stehen an? Wo drückt die Neubürger der Schuh und wie kommen sich die Menschen im Nordend und im Hafenviertel näher? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer wie schon im Vorjahr mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut besuchten Bürgerinformationsveranstaltung im Kulturzentrum Hafen 2.
Podium bei der Bürger-Informationsveranstaltung im Hafen 2 am 14.07.2016
Bildunterschrift: Auf dem Podium (v.l.n.r.): Moderator Marcus Schenk, OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha, Landschaftsarchitekt Rudolf Mager (Ramboll Studio Dreiseitl), Künstler Wolfgang Winter von Winter-Hörbelt, Hafenbewohner Simon Steinmeyer, Nordend-Bewohnerin Sabine Süßmann. © Ulrike Hölzinger-Deuscher

Den Dialog mit den Menschen in den beiden benachbarten Stadtvierteln hatte die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH gesucht. Wie die von Quartiersmanager Marcus Schenk moderierte Veranstaltung zeigte, zieht in Offenbachs neues Stadtviertel bereits ein Stück Normalität ein – mit allen Vorzügen einer schnell wachsenden Infrastruktur, aber ebenfalls mit einigen Unannehmlichkeiten, die in ähnlicher Form auch andere innerstädtische Quartiere kennen.

Zum Beispiel  Lärmbeeinträchtigungen durch Baustellenverkehr, der sich an keine Ruhezeiten hält. Übel riechender, weil ölhaltiger Erdaushub  auf der Baustelle oder zugeparkte Straßenräume, in denen es für  Rettungsfahrzeuge kein Durchkommen gibt. Unrat und andere Hinterlassenschaften nach abendlichen Feiern am Hafenbecken, obwohl der Platz bereits fünfmal in der Woche gereinigt wird. Oder zu hohe Geschwindigkeiten, die auf der Hafeninsel gefahren werden.

Nicht für alles ist die OPG als Erschließungsträger zuständig. Doch das Stadtwerke-Unternehmen wird sich zusammen mit dem Quartiersmanagement aller geäußerten Anliegen annehmen und sich dazu auch an ihre SOH-Schwestergesellschaften sowie ebenfalls an die städtischen Behörden wenden.

Besucher der Bürgerveranstaltung im Hafen 2 am 14.07.2016
© Ulrike Hölzinger-Deuscher

Trotz Beeinträchtigung: Bewohner fühlen sich wohl

Fehlender Parkraum für Besucher der Anwohner oder der Gastronomie ist nach wie vor ein Problem. Ein Neubürger regte an, die Tiefgarage im Hafenzentrum auch sonntags zu öffnen. Ein anderer wünschte sich einen kürzeren Takt der nur halbstündlich verkehrenden Buslinie 108. Doch bei allen geäußerten Bedürfnissen und Beeinträchtigungen: Insgesamt fühlen sich die Menschen im Hafen wohl. Das zeigte auch der Applaus, den der Ex-Frankfurter Simon Steinmeyer für seine Feststellung erntete: „Man wohnt als Neu-Offenbacher sehr gut hier.“ Vergangenes Jahr sei er in die „verbotene Stadt“ gezogen, habe schnell neue Freundschaften geschlossen und auch Gefallen an Offenbachs Wochenmarkt und Gastronomie gefunden.

Hafeanviertel als Scharnier zwischen Offenbach und Frankfurt

Sabine Süßmann, Projektleiterin „Besser leben in Offenbach“, lebt seit rund 30 Jahren im Nordend und nimmt einen allmählichen Wandel in ihrem Viertel wahr: „Es wird wieder mehr auf den öffentlichen Raum geachtet.“ Zum „Märktchen“ donnerstagnachmittags auf dem Goetheplatz kämen auch Hafenbewohner. Und dass nun der früher abgeschottete Industriehafen frei zugänglich sei, sei ein großer Gewinn für die Menschen im Nordend. Das war auch die Zielsetzung der Stadt Offenbach und der OPG gewesen. „Wir geben den Bürgerinnen und Bürgern Flächen und Aufenthaltsräume zurück“, erklärte OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha in der Versammlung. Damit setzten Kommune und Stadtwerke die „Vorstellung einer sozial besser durchmischten Stadt“ um. Der Hafen, so Matha, sei auch zu einem Scharnier zwischen Offenbach und Frankfurt geworden. Das neue Stadtviertel habe in Offenbach eine wohnungswirtschaftliche Entwicklung ermöglicht, die so bisher nicht denkbar gewesen sei und ebenfalls in die Region ausstrahle.

Blick in die nahe Zukunft

Noch in diesem Jahr wird der Hafenplatz mit weiterer Gastronomie fertiggestellt, kündigte Daniela Matha an. Weiterer Einzelhandel sowie im Frühjahr auch kunstvolle Wasserspiele würden folgen. Der Gutsche-Park wird in zwei Teilen entwickelt. In die Konzeption des für 2017 geplanten Spielplatzes fließen Anregungen örtlicher Schulklassen ein. Der Kran der Künste mit seiner Aussichtsplattform am Rande des Parks soll bis Spätherbst begehbar sein, die hinaufführende Treppe aus Rücksicht auf die Radfahrer in Richtung Hafenbecken versetzt werden, kündigte Wolfgang Winter vom Frankfurter Künstlerteam Winter/Hoerbelt an. Hafentreppe und Hafenplatz, die beiden Molenparks ebenso wie der Gutschepark und bald auch der Park in den Dünen auf der Inselspitze zählen zum Freiraumkonzept, das das Überlinger Büro „Ramboll Studio Dreiseitl“ für das Offenbacher Stadtviertel entwickelt hat.

Mit ihrer Teilnahme am renommierten Wettbewerb des World Architecture Festival vom 16. bis 18. November in Berlin verschaffen die Landschaftsarchitekten vom Bodensee dem Hafen Offenbach mit seinen großzügig bemessenen Aufenthalts- und Naherholungsflächen internationale Beachtung. Wie Landschaftsarchitekt Rudolf Mager in der OPG-Veranstaltung mitteilte, hat es der Hafen Offenbach bei dieser größten internationalen Zusammenkunft von Architekten als einziges deutsches Projekt in der Kategorie Landscape in die Endauswahl geschafft. Unter zehn Finalisten konkurriert Offenbachs neues Stadtviertel nun auf dem Festival mit Projekten in Toronto, Sydney, Bangkok oder Moskau.

18.07.2016