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26 Meter hoch ragt das stählerne Relikt aus der Zeit des alten Industriehafens in die Höhe. Der Blaue Kran ist das Wahrzeichen des Hafens Offenbach. 2016 soll die stillgelegte Maschine zu einem öffentlich begehbaren, abends beleuchteten Kunstwerk mit Aussichtsplattform über dem Hafenbecken werden. Der Regionalpark Ballungsraum Rhein-Main wird dadurch um eine spektakuläre Station reicher.

Die Idee zu dieser neuen Gestaltung des nicht unter Denkmalschutz stehenden Industriemonuments stammt von dem Frankfurter Künstlerteam Winter/Hoerbelt. Die beiden Bildhauer Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt gingen mit ihrem Entwurf „Kran der Künste“ als Sieger aus einem künstlerischen Ideenwettbewerb hervor.

Ausgelobt hatte ihn im Frühjahr die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH. Das Unternehmen im Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe (SOH) entwickelt, erschließt und vermarktet den Hafen Offenbach als neues Stadtviertel.

An dem beschränkten Auswahlverfahren beteiligten sich vier Künstler beziehungsweise Künstlergruppen. Ihre durchgängig spannenden Arbeiten hat die OPG in einer Broschüre dokumentiert.

Neuer Identifikationspunkt

Ziel des von der Frankfurter Galeristin Heike Strelow kuratierten Wettbewerbs war es, den Blauen Kran nicht nur zu erhalten, sondern seine Funktion als Wahrzeichen des Hafens zu stärken.

Božica Niermann, OPG-Bereichsleiterin Projektentwicklung: „Mit der Umgestaltung des Krans zu einer begehbaren Landmarke wollen wir einen neuen Identifikationspunkt nicht nur für den Hafen, sondern auch für die Stadt Offenbach schaffen.“

Die aus Fachleuten aus Kunst, Architektur und Stadtentwicklung zusammengesetzte, sechsköpfige Jury um den Direktor des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt, Peter Cachola Schmal, und OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha hat der Entwurf von Winter/Hoerbelt besonders überzeugt. Das Künstlerteam setzt mit seinem Wettbewerbsbeitrag auf die Authentizität der alten Maschine und ihre sinnliche Erfahrbarkeit.

Durch die Verdoppelung der Fahrbrücke entsteht ein quadratischer Sockel, der als Träger für eine große Plattform dient. Eine breite, einladende Treppe, deren Gestaltung dem Ausleger des Krans angepasst ist, führt hinauf zu diesem Belvedere in luftiger Höhe.

Nur dieser Mittelbau wird für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Der Kranaufbau oberhalb des Drehkranzes bleibt ein Refugium für Vögel. Das Bauwerk soll zum Ausruhen einladen und selbst zurückhaltende Ruhe ausstrahlen, abends auch durch seine sich im Wasser des Hafenbeckens widerspiegelnde Beleuchtung.

Stillleben aus Natur und Technik

Die beiden Künstler sehen den Kran als industriegeschichtliche Skulptur im Dialog mit dem entlang des Hafenbeckens geplanten Gutsche-Park. Ein „Stillleben aus Natur und Technik“ unmittelbar am Wasser, das als weithin sichtbares architektonisches Gestaltungselement die Umgebung definiert und einen spannenden Kontrapunkt zur Frankfurter Skyline setzt. Ein Teil dieser Umgebung soll sich in der an ihrer Oberfläche veredelten Baggerschaufel widerspiegeln.

Der künstlerische Eingriff erhält den Blauen Kran in seinem Bestand, überführt ihn jedoch in eine andere Bedeutungsebene. „Als Identität stiftendes Moment symbolisiert er den Übergang des alten Hafens in ein modernes Stadtviertel“, sagt Kuratorin Heike Strelow.

Die Investitionskosten betragen rund 250.000 Euro. Umgesetzt werden soll der Entwurf im Jahr 2016. Die OPG konnte die Regionalpark Ballungsraum Rhein-Main GmbH und das Land Hessen dafür als Partner gewinnen.

Als historisches Industrierelikt und gleichzeitig begehbares Kunstwerk wird der Blaue Kran Bestandteil der Regionalparkroute werden. „Der Kran bereichert das Routennetz um einen Attraktionspunkt mit wahrlich regionaler Dimension“, sagt Katja Imhof, Landschaftsarchitektin des Regionalparks. Der Blick von der Plattform werde von Offenbach über Frankfurt bis zum Feldberg im Taunus reichen.