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Das Boot "Schute Vita" wird von einem Kran empor gehoben
Schiff am Haken: Mit einem Kran ist der ehemalige Schleppkahn im Frühjahr aus dem Offenbacher Hafenbecken gehievt worden. Bis Oktober soll er wieder zu Wasser gelassen werden. © Giuseppe Porrello
Seit Jahren dümpelte sie im Offenbacher Hafenbecken vor sich hin. Jetzt macht ein Frankfurter Künstlerpaar die ehemalige „Schute Vita“ wieder flott. Nach ihrem Ausbau zum Kulturtreff soll sie nach Josephine Baker benannt werden.

Die Stadtwerke Offenbach und ihre Immobiliengesellschaft OPG unterstützen die Aktion und stellen einen kostengünstigen Liegeplatz für den ehemaligen Schleppkahn zur Verfügung. OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha: „Der Hafen Offenbach wird um einen ebenso ungewöhnlichen wie attraktiven Kulturort reicher.“

Elf Jahre ist es her, dass die Frankfurter Künstlerin Anja Czioska und ihr Partner Andreas Keilwerth das antriebslose Schiff vom Schwanheimer Trockendock nach Offenbach schleppen ließen, um am 13. August 2010 bei den Tagen der Industriekultur zusammen mit einer Musikperformance eine Ausstellung mit Skulpturen, Malerei und Videokunst zu präsentieren. Zu dieser Zeit war Offenbachs Hafen noch eine Industriebrache.

Seither wurde das 17 Meter lange und vier Meter breite Wasserfahrzeug immer wieder mal für kulturelle Events genutzt. So etwa am 19. August 2012, dem mit 40 Grad heißesten Tag des Jahres, als die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH die Eröffnung des Oberen Molenparks auf der Hafeninsel feierte.

Unter Deck wurden an diesem Tag Bilder zur Hafenentwicklung gezeigt. Und das Dach des 15 Tonnen schweren Kahns wurde kurzerhand zur Musik-Bühne umfunktioniert. So sollte es bleiben. Auch bei der Eröffnung der Hafentreppe am 28. April 2013 oder beim Brückenfest zur Fertigstellung des Fußgängerstegs und der Straßenbrücke über das Hafenbecken am 31. Juli 2016 bezogen die Stadtwerke die Schute mit ein.

Das Künstlerpaar auf dem Boot, im Hintergrund der Hafen
Schiff ahoi: Das Künstlerpaar Rosa Thielmann und Guiseppe Porrello will einen alten Schleppkahn im Offenbacher Hafenbecken zum Kulturtreff „Schute Josephine Baker“ ausbauen. Die Stadtwerke-Gesellschaft OPG unterstützt das Vorhaben. © Jörg Muthorst

Jetzt schlagen Giuseppe Porrello, Musiker der Frankfurter Band Gastone, und seine Partnerin, die Kamerafrau und Künstlerin Rosa Thielmann, ein neues Kapitel auf. Im Frühjahr ließen sie den 1935 erbauten Kahn, mit dem früher im Schubverband Schüttgut transportiert wurde, aus dem Hafenbecken hieven. Unweit der Walter-Spiller-Brücke wollen sie das Schiff generalüberholen und den Aufbau erneuern. Der war in den 1950er Jahren entstanden. Die Schute diente seither als Aufenthaltsraum für Hafenarbeiter.

Mit den Stahlarbeiten soll in Kürze begonnen werden, anschließend der Innenausbau folgen. Dem Künstler-Paar schwebt vom Stil her eine Mischung aus Art Déko und Industrielook vor. Der Rumpf bleibt unangetastet. Spätestens Anfang Oktober soll das Schiff wieder ins Wasser gelassen werden. Rosa Thielmann: „Die trockengelegte Schute hat schon viel öffentliches Interesse erregt.“ Viele Passanten blieben stehen und bestaunten den Kahn, hat sie beobachtet. „Wir wollen den Hafen und damit die Stadt Offenbach kulturell bereichern“, sagt Giuseppe Porrello. „Die Schute soll ein kreativer Ort und offen für alle sein.“ Ihm schweben Ausstellungen und „Wohnzimmerkonzerte“ vor. Auch als kleines Studio sei das Schiff nutzbar. Das Dach werde begehbar bleiben und als Bühne dienen.

Das Boot "Schute Vita" von vorne
Aufgebockt: Die ehemalige „Schute Vita“ liegt nahe der Walter-Spiller-Brücke auf dem Trockenen und soll einen neuen Aufbau erhalten. © Jörg Muthorst

Daniela Matha, die bei den Stadtwerken Offenbach den gesamten Geschäftsbereich Immobilien verantwortet: „Wir unterstützen die Aktion sehr gerne. Offenbachs Hafenviertel ist von Anfang an auch als Ort der Kultur und Begegnung gedacht gewesen. Der Umbau der Schute zum Kulturtreff trägt dazu bei, hier noch mehr Lebensqualität zu schaffen.“

Die Vorbesitzer hatten den Kahn noch vor elf Jahren auf den Namen „Schute Vita“ getauft. Ihre Nachfolger wollen das ändern und das Schiff nach Josephine Baker (1906 bis 1975), in Missouri/USA geborener Revuestar, Wahlfranzösin und Adoptivmutter zahlreicher Kinder, benennen, die in eben jener Zeit ihre größten Erfolge feierte, als die Schute im Arbeitseinsatz war. Die sterblichen Überreste der couragierten Kämpferin gegen Rassismus und Nazi-Besatzer sollen auf Betreiben von Präsident Emmanuel Macron Ende November ins Pariser Panthéon überführt werden, Frankreichs nationale Ruhmeshalle und letzte Ruhestätte berühmter französischer Persönlichkeiten. Baker ist die erste schwarze Frau, die auf diese Weise geehrt wird. Im Offenbacher Hafen wird künftig ein kleines Schiff an sie erinnern. 

3. September 2021