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Künstlerin Thekra Jaziri vor ihrem Kunstwerk im Hafen.
Künstlerin Thekra Jaziri vor ihrem Kunstwerk im Hafen. © SOH
Die rhythmisch wiederkehrenden Muster mit ihren satten Farben und kräftigen Konturen bleiben im Vorbeifahren haften. Auf einer Länge von 70 Metern hat Thekra Jaziri die neue Betonstützwand des Kohlelagers am Offenbacher Hafenbecken in ein großflächiges Kunstwerk verwandelt. Seit Freitag, 27.10.2017, ist der Fuß- und Radweg wieder passierbar.

Das von rund 8.000 auf 5.250 Quadratmeter verkleinerte Kohlelager des EVO-Heizkraftwerks zwischen Hafenbecken und Hafenallee erhält bis zum Jahresende eine neue Umfriedung. Rückbau und neue Einfassung werden vom Mieter der Lagerfläche, der EVO AG, finanziert. Bauherrin ist die Grundstückseigentümerin Mainviertel Offenbach GmbH und Co. KG aus dem Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke-Gruppe.  

Die alten Betonwände an der Ost- und Westseite sind durch vier Meter hohe Metallstützwände ersetzt worden. Nach Süden, zur Straße hin, wird die Lagerfläche durch einen Stabgitterzaun abgetrennt. Metallwände und Zaun sollen von einer hohen Hecke umgeben werden, die zur Hafenallee hin  durch Holzelemente und alte Stahlträger optisch aufgelockert wird.

Radweg jetzt auch während Kohleanlieferung befahrbar

Auf der Nordseite, entlang des Hafenbeckens, ist ein Schutzbauwerk für Fußgänger und Radfahrer entstanden. Das massive Dach der Betonstützwand ragt über den Mainradweg und schirmt ihn vor Kohlestücken ab, die beim Löschen der Schiffe herabfallen könnten. Zum Hafenbecken hin ist das Bauwerk offen.

Die vielfrequentierte Route zwischen Offenbach und Frankfurt ist dadurch jetzt ganzjährig, also auch während der winterlichen Kohleanlieferung, befahr- und begehbar. Radfahrende und Fußgänger*innen können den während der Bauarbeiten gesperrten Weg ab sofort wieder nutzen.

Ausdrucksstarke Farben und Formen aus dem arabischen Kulturraum

Dank Thekra Jaziri, Offenbacher Studentin im Fachbereich Visuelle Kommunikation der Hochschule für Gestaltung (HfG), wird das Passieren des halboffenen Bauwerks zum Kunsterlebnis. Inspiriert durch ausdrucksstarke Farben und Formen des arabischen Kulturraums, aus dem auch ihre Familie stammt, hat die 30-jährige Künstlerin die graue Betonwand mit Unterstützung eines siebenköpfigen Teams in nur zehn Tagen in ein großflächiges Wandgemälde verwandelt.

Kantige und runde Formen wechseln bei dieser Auftragsarbeit einander ab, bleiben meist abstrakt, um plötzlich wieder ganz gegenständlich in Form von Pflanzen, Vasen oder auch als Zitat eines gerippten Apfelwein-Glases  zu erscheinen. Dazwischen lugen kreisrunde Sichtfenster hervor, die den Blick auf den grauen Beton-Untergrund freigeben.

Erfahrbare Kunst

Motive und Formen, in drei Tagen skizziert, dann mit der Spraydose „ausgemalt“ und nachkonturiert, bilden verschiedene, nach Farbgruppen gegliederte Muster, die sich im Verlauf des Weges wiederholen und dadurch im Gedächtnis der Passanten bleiben. Ein Stück erfahrbare Kunst, die auch en passant ihre Wirkung nicht verfehlt.    

„Ich möchte bei den Menschen etwas auslösen“, sagt Thekra Jaziri über ihre großflächige Wandmalerei. Bei Prof. Heiner Blum studiert die Offenbacherin „Experimentelle Raumkonzepte“ mit dem Schwerpunkt „Urbane und soziale Kunst“. Nach dem Prinzip „Mitmachen und gestalten“ hat sie in Frankfurt und  Offenbach bereits mehrere „partizipative Gestaltungsprojekte“ geleitet.

Weitere Projekte in Offenbach verwirklicht

In Offenbach haben sich gerade unter dem Titel „Girls Street Art“ Frauen- und Mädchengruppen daran beteiligt, eine mit Hass-Parolen verschmierte Wand am Lämmerspieler Weg in ein Kunstwerk zu verwandeln. Im Frühjahr hatten bereits Schülerinnen und Schüler der Rudolf-Koch-Schule unter der Anleitung von Thekra Jaziri ein großes Wandgemälde auf eine Mauer hinter der alten Hafenmeisterei aufgetragen.