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Stadionblick von Tribüne
Ruhe vor dem Sturm: Am Mittwochabend ist das Stadion ausverkauft. © SBB
Kaum hat die Fußballsaison 2017/18 begonnen, empfängt das Sparda-Bank-Hessen-Stadion hochkarätige Gäste. Nach dem DFB-Pokalspiel der Kickers Würzburg gegen Werder Bremen kommt nun der nächste Bundesligist nach Offenbach: Kein Geringerer als der FC Bayern München bestreitet am Mittwoch, 30. August, das „Retterspiel“ gegen den OFC. Die Verantwortlichen freuen sich auf den Rekordmeister, dessen Besuch einige Besonderheiten mit sich bringt.

„Wir haben endlich mal wieder ein ausverkauftes Stadion mit 20.500 Besuchern“, freut sich Andreas Herzog, Geschäftsführer der SBB Stadiongesellschaft Bieberer Berg mbH Offenbach. Dieser Andrang stelle für alle Bereiche wie Catering, Security oder auch ÖPNV eine Belastungsprobe dar, ergänzt OFC-Geschäftsführer  Christopher Fiori: „Insgesamt ist das schon ein erheblicher Aufwand, aber es lohnt sich natürlich.“

"Pokalspiele haben logistisch ihre eigenen Regeln"

Zum Pokalspiel am 12. August kamen zwar „nur“ knapp 8.000 Besucher – „aber Pokalspiele haben auch logistisch ihre eigenen Regeln“, betont Herzog. Da deren Vermarktung komplett über den Deutschen Fußball-Bund läuft, musste der Stadionbetreiber sämtliche Banden am Spielfeld entfernen und auch ansonsten alles abhängen, was Werbung ist. „Der DFB bringt seine eigenen Banden mit, die bei Pokalspielen aufgestellt werden müssen“, berichtet Herzog. Platzwart Wolfgang Böttge und Haustechniker Réné Tuchscherer brauchten dafür gut drei Tage – und später weitere zwei, um das Stadion wieder in seinen Ursprungszustand zu versetzen.

Zudem galt es, sämtliche Leitungen für die TV-Übertragungen zu legen und die VIP-Gäste zu betreuen. Letzteres gehörte quasi zur Routine: „Wir haben im VIP-Bereich solch ein großes Sortiment, dass es kaum einen Unterschied macht, ob Bremen oder Hessen-Kassel kommt“, sagt Herzog.

Mit Polizeischutz vom Hotel ins Stadion

Aber gilt das auch für die Bayern? „Natürlich hat das Team auch Sonderwünsche“, berichtet Christopher Fiori. Der Deutsche Meister möchte mit Polizeischutz vom Hotel ins Sparda-Bank-Hessen-Stadion und von dort nach der Partie zum Frankfurter Flug-hafen geleitet werden.

„Die Kabinenwünsche entsprachen aber dem Standard: Ganz oben stehen viel Eis und Wasser“, so der OFC-Geschäftsführer. Insgesamt kommen zum Bayern-Spiel viermal so viele VIP-Gäste wie bei der Pokal-Partie.

Ribery tritt an – und vielleicht auch Manuel Neuer

Zum Bieberer Berg reisen die Münchner mit einem reduzierten Kader an, da rund um den 30. August einige Länderspiele stattfinden – so tritt die Deutsche Nationalmann-schaft mit Bayern-Spielern wie Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller am 1. September in Tschechien an. „Es sind aber einige bekannte Namen wie Ribery oder Rafinha dabei“, betont Fiori. Zudem hofft er auf den Einsatz von Manuel Neuer in Offenbach, denn der Torwart war lange verletzt und wird daher wohl nicht gegen die Tschechen spielen.

Bild des Rettertrikots
Fans können den OFC mit dem Kauf eines Rettertrikots unterstützen. © OFC

Die Idee zu dem „Retterspiel“ entstand Ende 2016, als die Offenbacher Kickers einen hochkarätigen Gegner suchten, um das drohende Insolvenzverfahren abzuwenden. Durch die persönlichen Kontakte von OFC-Präsident Helmut Spahn zu Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München, kam der Termin für ein Spiel des Regionalligisten gegen eine der größten Mannschaften Europas zustande.

„Kickers Offenbach ist ein Traditionsverein und war immer ein wichtiger Klub in Deutschland, deshalb unterstützen wir ihn gerne“, sagte Rummenigge damals. Alle Einnahmen des Spieles kommen zu 100 Prozent dem OFC zugute. „Wir rechnen mit 550.000 bis 600.000 €, was ein großer Segen für uns ist“, freut sich Kickers-Geschäftsführer Fiori. Auch dank dieser Hilfe konnte die Insolvenz des OFC abgewendet werden.

Noch einzelne VIP-Karten erhältlich

Kaum eine Woche nach Bekanntwerden des „Retterspiels“ war das Sparda-Bank-Hessen-Stadion restlos ausverkauft – nur ein paar VIP-Karten für 220 € sind noch erhältlich. Der OFC wird mit speziellen „Rettertrikots“ gegen den Rekordmeister auflaufen, die ab sofort auch im Fanshop am Stadion erhältlich sind.

Die Bayern hatten sich schon einmal für den Fußball in Offenbach engagiert: Unter dem Motto „Rettet den Bieberer Berg“ trat die Mannschaft im April 1993 gegen den OFC an. Der damalige Kickers-Präsident Norbert Rocker, der die Partie realisieren konnte,  freute sich über Einnahmen von rund 120 .000 Mark, die in die Sanierung des maroden Haupttribünen-Dachs flossen.

LED-Bande und Live-Übertragung

Im neuen Sparda-Bank-Hessen-Stadion wird nun für die Partie extra eine LED-Bande aufgebaut und aufwendig mittels eines mobilen Aggregats verstromt, um digitale, wechselnde „Werbebanner“ zeigen zu können. Zudem gibt es viele Extra-Stände für Catering und Merchandising.

„Die Vermarktung des OFC lief sehr erfolgreich, und das Spiel ist auch live auf Sport1 zu sehen“, kündigt Fiori an. Dafür werden noch zusätzliche Kameras im Stadion untergebracht. Vielleicht beobachten sie am 30. August ab 18 Uhr wieder eine Überraschung auf dem Bieberer Berg: 1993 endete die Partie OFC gegen Bayern München mit 3:3.

Stadionwurst war Highlight für Würzburger Fans

Keine Sensation gelang den Kickers Würzburg, die das Sparda-Bank-Hessen-Stadion am 12. August als Ausweicharena für ihr Pokalspiel nutzen konnten: Sie verloren 0:3 gegen Werder Bremen. Wenn es terminlich passt, würde SBB-Geschäftsführer Andre-as Herzog das Stadion gerne bald wieder vermieten: „Das ist zwar ein Riesen-Aufwand, bringt aber auch Geld in die Kasse.“

Und hat einen gewissen Werbeeffekt. Kürzlich schrieb ein Fan auf der Facebook-Seite des Offenbacher Stadions: „Danke aus Würzburg. Die Stadionwurst ist nach dem Stadion auf jeden Fall das zweite Highlight gewesen – weiter so.“

26.08.2017