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Busfahrerin Elvira Reinsch vor Bus
© SOH
Die Entscheidung fiel ganz spontan: Ende der 1980er Jahre war es, als Elvira Reinsch zusammen mit ihrer Mutter an der Haltestelle Friedhof stand und ein Linienbus eines städtischen Subunternehmens anhielt, den zu ihrer Verwunderung eine Frau lenkte. „Da war mir klar: Das machst du auch.“

Noch am selben Tag meldete sich die Mutter zweier Kinder bei einer Fahrschule an und begann auf eigene Kosten eine insgesamt über 200-stündige Ausbildung zur Busfahrerin zu absolvieren. Mit viel Theorie etwa zu Fahrzeugtechnik oder Sicherheitsregeln mit Abschlussprüfung bei der IHK sowie einer umfangreichen Schulung im Fahrbetrieb mit Busführerschein-Prüfung beim TÜV.

Rund 10.000 Mark hat die gelernte Friseurin das damals gekostet. Nach einigen Jahren Familienpause freute sie sich jedoch auf die neue berufliche Herausforderung. Bei ihrer ersten Kontaktaufnahme mit den Busbetrieben der Stadtwerke Offenbach hatte es noch geheißen: „Wir nehmen nur Männer.“ Mit dem Busführerschein in der Tasche unternahm sie dann einen zweiten Anlauf, bewarb sich und wurde prompt eingestellt. Damit war die heute 58-jährige Offenbacherin die erste Frau, die hinter dem Lenkrad eines städtischen Linienbusses Platz nahm.

Über 25 Jahre ist das jetzt her. „Ein tolles Gefühl“, erinnert sich Elvira Reinsch an den Start im damals noch städtischen Eigenbetrieb. Bis heute hat sie Spaß daran, große schwere Fahrzeuge wie die 18 Meter langen Gelenkbusse durch den Offenbacher Stadtverkehr zu lenken und mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Doch der Berufsstart in einer bis dahin reinen Männerdomäne war auch nicht ganz einfach gewesen. „Da wurde anfangs schon noch gelästert.“ Mit männlichen Fahrgästen hingegen gab es in allen Jahren so gut wie nie Probleme. Nur ein einzelnes negatives Erlebnis gleich zu Beginn ihrer Laufbahn ist Elvira Reinsch in lebhafter Erinnerung geblieben. Im Lauterborn wartete ein älteres Paar an der Haltestelle. Als sie ihren Bus stoppte, weigerte sich der Mann einzusteigen und rief erbost: „Da sitzt eine Frau am Steuer.“

Heute gehören solche Vorurteile längst der Vergangenheit an und zählen Frauen wie Elvira Reinsch ganz selbstverständlich zum Fahrerteam. Dennoch ist der Umgang mit den tonnenschweren PS-Boliden noch immer überwiegend „Männersache“. Erst 14 der insgesamt rund 150 Fahrer der OVB und deren Tochterunternehmen Main Mobil Offenbach sind weiblich.

Doch ihr Anteil wächst. Über das Projekt „Frauen stärken Offenbach“ konnten die Kommune und die OVB - Offenbacher Verkehrs-Betriebe GmbH mit der Unterstützung der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe (SOH) Frauen den Weg auch in den gewerblich-technischen Busfahrerberuf ebnen. Ebenfalls das kommunale Jobcenter Mainarbeit vermittelte Frauen zum Betriebshof in die Hebestraße und unterstützte sie bei der Ausbildung zur Busfahrerin.

„Wir nehmen gerne Bewerberinnen, weil wir mit Frauen im Fahrdienst gute Erfahrungen gemacht haben“, sagt der stellvertretende Fahrdienstleiter Herbert Gallasch und verweist darauf, dass es bei Busfahrerinnen weniger Fahrgastbeschwerden gibt. Viele Fahrgäste freuten sich sogar, wenn eine Frau den Bus lenke. Gallasch: „Frauen fahren sanfter an und bremsen auch nicht so abrupt.“

„Durch die Frauen im Fahrdienst hat sich auch der Umgang miteinander verbessert. Die Arbeitsatmosphäre ist entspannter geworden", findet Anja Georgi. Seit zwei Jahren steht sie als Geschäftsführerin an der Spitze der OVB – Offenbacher Verkehrsbetriebe GmbH.

Elvira Reinsch hat ihre Entscheidung, Busfahrerin zu werden, nie bereut. Sie fährt auf allen Linien und in allen Schichten. Wie viele ihrer Kolleginnen ist sie am liebsten im Spätdienst unterwegs. Dann herrscht weniger Verkehr auf den Straßen, ist das Fahrgastaufkommen geringer und gibt es weniger Stress. Das Verhältnis zu den männlichen Fahrern empfindet sie als freundlich und kollegial. Elvira Reinsch: „Heute lästert keiner mehr.“