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Was heißt das eigentlich, einen Omnibus zu steuern? Wie wird man Busfahrer oder Busfahrerin im öffentlichen Linienverkehr und welche Anforderungen muss man im beruflichen Alltag erfüllen? Antworten darauf haben die Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) gegeben. In seiner „Journalistenfahrschule“ brachte das Mobilitätsunternehmen der Stadtwerke-Gruppe Medienvertreter/- innen den Busfahrerberuf in Theorie und Praxis nahe. Das Highlight der Aktion: Journalistinnen und Journalisten durften sich selbst hinters Steuer setzen und einen großen Fahrschulbus lenken.
Suzanne Göttlinger und Fahrlehrer Ulrich Urban bei einer Bus-Fahrstunde.
Einmal selbst einen Bus lenken - OVB sensibilisiert Medien für den Beruf des Linienbusfahrers © Bernd Georg

Nach einer kurzen Ansprache geht es direkt in den Betriebshof

Im Schulungsraum der OVB wird es eng. Im Obergeschoss der OVB-Werkstatt drängen sich Zeitungs- und Hörfunkleute ebenso wie ein Kamerateam des Hessenfernsehens. OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi, Fahrschullehrer Ulrich Urban und Hugo Reinhardt, OVB-Projektleiter Busschule, erläutern, wie man an den Führerschein der Klasse D und an die nötige Berufsqualifikation für die Personenbeförderung gelangt, um im Offenbacher Linienverkehr einen Stadtbus steuern zu dürfen.

Dann geht es in den Betriebshof. Dort wartet schon ein leuchtend grün-weißer OVB-Gelenkbus auf die neugierigen „Fahrschüler und Fahrschülerinnen“. Jeder darf sich einmal auf den hochmodernen, ergonomisch geformten Fahrerplatz setzen und erhält ein erstes Gespür nicht nur für diesen Hightech-Arbeitsplatz mit dem großen Drucker-Terminal, sondern auch für die schier unglaublichen Ausmaße des 18 Meter langen Fahrzeugs.

Mit dem Fahrschulbus aufs Übungsgelände

Welch ein Glück: Mit diesem 18 Tonnen schweren Boliden braucht heute keiner um die Ecken zu biegen. Nebenan steht schon der Fahrschulbus bereit. Der ist etwas kürzer, aber immer noch stattliche zwölf Meter lang. Ulrich Urban chauffiert die „Fahrschüler und Fahrschülerinnen“ hinaus an den Stadtrand auf das abgeschlossene ehemalige Werksgelände, das die Firma Clariant freundlicherweise für die „Probefahrt“ zur Verfügung stellt. Und dann wird es ernst.

Oha! Ganz schön riesig, das Lenkrad. Und dann die großen, weit auseinander stehenden Pedale, die zwar mit ganzer Kraft, aber auch mit Feingefühl bedient sein wollen. Wer zu heftig auf die empfindlich reagierende Luftdruck-Bremse tritt, riskiert heftige Nickbewegungen der Passagiere.

In diesem Fall sind das zum Glück nur wackere Journalistinnen und Journalisten, die im Gegensatz zu den Fahrgästen im realen Betrieb kleine Ruckeleien gerne verzeihen und einen sanfteren Fahrstil sogar mit Applaus belohnen. Denn schließlich kommt jeder von ihnen mal an die Reihe, klemmt sich hinters Lenkrad und lässt sich von Fahrschullehrer Ulrich Urban in die Bedienung einweisen.

Kupplung langsam kommen lassen, nur wenig Gas, und der Zwölftonner setzt sich langsam in Bewegung. Zwischen Bauzäunen und Kieshügeln hindurch geht es immer geradeaus mitten durch das weitgehend brachliegende Werksgelände.

Es geht nicht nur geradeaus

Eigentlich gar nicht so schwer – solange es immer schön geradeaus geht. Also: tüchtig Fahrt aufgenommen. Doch dann naht die Herausforderung. Die Straße endet auf dem Hof des Pelletwerks des Energieversorgers EVO, der die Fahrschulaktion ebenfalls unterstützt. Nun einen scharfen Bogen fahren, anhalten, Blick in die großen Rückspiegel und Maß nehmen, dann einige Meter zurücksetzen, wieder das große Lenkrad herumkurbeln und in Richtung Startpunkt zurückfahren. Nochmals: Oha! Doch keine Bange, Projektleiter Hugo Reinhardt assistiert bei dem Wendemanöver und ruft dem dafür dankbaren Fahrer vom Heck aus zu, wie viel Platz hinten noch bleibt.

Am Schluss dann allgemeine Erleichterung. Alle haben es geschafft. Hochinteressant war diese „Journalistenfahrschule“ gewesen und Spaß hat sie auch gemacht, so das einhellige Echo. Dabei ist allen klar: Im realen Linienbusbetrieb wären die Ansprüche an sie noch erheblich höher gewesen.

Neuer Blickwinkel

Wer jemals selbst am Steuer eines solch großen Fahrzeugs gesessen hat, sieht anschließend die Welt der Busfahrer und Busfahrerinnen mit anderen Augen. 18 Meter lange Gelenkbusse mit bis zu 150 Personen müssen sie sicher durch den Straßenverkehr manövrieren, dabei den Fahrplan einhalten und stets einen guten Rundumblick für die Situation im und um den Bus haben: den Fahrgastraum ebenso wie Haltestelle mit den ein- und aussteigenden Fahrgästen. Hinzu kommen Ticktet-Verkauf und Fahrscheinkontrolle sowie die Auskünfte zu Fahrplan und Tarif.

Und bei alldem gilt: Ruhe bewahren, egal, ob es im mit Schülern vollbesetzten Bus hoch her geht oder sich ungeduldige Autofahrer an der Haltestelle noch schnell vor den anfahrenden Bus drängeln.

„Busfahrerinnen und Busfahrer haben einen anspruchsvollen Beruf mit hoher Verantwortung“, sagt Anja Georgi, Geschäftsführerin der Unternehmen im Geschäftsfeld Mobilität der Offenbacher Stadtwerke-Gruppe. Ihre Aufgaben seien vielfältig und beinhalteten eine Fülle von Anforderungen, denen sie im Fahrbetrieb oft gleichzeitig oder innerhalb kürzester Zeit nachzukommen hätten. Anja Georgi: „Das gelingt nur mit einer guten Aus- und Weiterbildung.“

Der Weg zum Busfahrer-Beruf

Der Weg zum Busfahrer-Beruf

Zum Fahrdienst führen verschiedene Wege: Da gibt es die klassische dreijährige Ausbildung mit Führerschein Klasse D und Wissensvermittlung auch in Bereichen wie Marketing, Streckenplanung oder Werkstattservice. Und es gibt die mehrmonatige Beschleunigte Grundqualifikation mit Fahrerlaubnis Klasse D und Qualifikation als BerufskraftfahrerIn. Beides ist selbst zu finanzieren und schlägt zusammen mit fast 10.000 Euro zu Buche.

In beiden Fällen ist abschließend vor der IHK eine Prüfung abzulegen. Und für beide Berufszugänge gilt: Führerschein und Berufskraftfahrerqualifikation sind jeweils auf fünf Jahre befristet und müssen dann verlängert werden. Hinzu kommen jährliche Fortbildungen.

Qualifikationen:

  • Mindestens Hauptschulabschluss
  • Dreijährige Ausbildung zum/zur Berufskraftfahrer/In mit Führerscheinerwerb der Klasse D
  • Oder (für Seiteneinsteiger): Fahrerlaubnis Klasse D und Beschleunigte Grundqualifikation (140 Std.)
  • Idealerweise mehrjährige Berufserfahrung als Berufskraftfahrer/-in

Aufgaben:

  • Sichere und pünktliche Durchführung von Busfahrten im Linien-, Schüler- und Bedarfsverkehr
  • Information und Beratung der Fahrgäste über Fahrpläne, Tarife und ggf. Anschlussverbindungen
  • Verkauf von Fahrscheinen und Eingangskontrolle
  • Prüfung der Einsatzfähigkeit der Fahrzeuge und deren technischer Systeme
  • Technische Vor- und Nachbereitung der Fahrten
  • Sicherstellen von Ordnung und Sauberkeit in den Linienbussen

Anforderungen:

  • Sechsmonatige Probezeit
  • Sichere Beherrschung der bis zu 16 Meter langen Fahrzeuge im Straßenverkehr
  • Ausgeprägtes technisches Verständnis
  • Hohes Konzentrationsvermögen und hohe Belastbarkeit
  • Gute Orts-, Fahrplan- und Tarifkenntnisse
  • Sicherer Umgang mit Bargeld und Fahrkarten
  • Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift
  • Kundenfreundlichkeit, kommunikative Fähigkeiten
  • Bereitschaft zur regelmäßigen Fortbildung
  • Erneuerung des Führerscheins alle fünf Jahre
  • Verlässlichkeit und Flexibilität
  • Bereitschaft zu Schicht-, Wochenend- und Feiertagsdienst