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Des einen Freund, des anderen Leid: In seiner mehr als einjährigen Erprobungsphase ist das neue akustische Informationssystems der Offenbacher Stadtbusse auf ein sehr unterschiedliches Echo gestoßen. Die beiden Mobilitätsunternehmen NiO und OVB aus der Stadtwerke-Gruppe beschränken den Service deshalb bis auf weiteres auf fünf ÖPNV-Knotenpunkte.
Schüler steigt in einen Linienbus ein.
© Alexander Habermehl

Seit Anfang 2017 sagt an den von unterschiedlichen Linien angefahrenen Haltestellen Marktplatz, Offenbach-Ost und Hauptbahnhof ein Sprachcomputer beim Öffnen der Bustür per Außenlautsprecher automatisch die Nummer der jeweiligen Linie und deren Fahrziel an. Probeweise lernten die Offenbacher Stadtbusse anschließend ebenfalls im Streckenverlauf der stark genutzten Linie 101 „sprechen“.
Während vor allem sehbehinderte Fahrgäste und ältere ÖPNV-Kunden die Orientierungshilfe beim Zustieg in den Linienbus begrüßten, beschwerten sich in Wohngebieten viele Haltestellen-Anwohner über die Lautstärke der Durchsagen - dies vor allem in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Um an den Hauptumsteigepunkten verständlich zu bleiben, benötigen die Lautsprecherdurchsagen jedoch eine einheitliche Mindestlautstärke.

Die beiden Stadtwerke-Gesellschaften Nahverkehr in Offenbach (NiO) und Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) reagierten auf die Beschwerden, indem sie eine Begrenzung der Ansagen auf die Zeit von 6 bis 24 Uhr vorbereiteten. Doch auch die geplante temporäre Einschränkung stieß auf Kritik.
„Wir nehmen die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger ernst und prüfen weitere technische Möglichkeiten, um unseren sehbeeinträchtigten Kunden den Mobilitätsalltag so weit wie möglich zu erleichtern“, erklärt Anja Georgi, Geschäftsführerin der Unternehmen im Geschäftsfeld Mobilität der Stadtwerke-Gruppe.

Außenlautsprecher bis auf weiteres nur an fünf großen ÖPNV-Knotenpunkten

Zu den technischen Neuerungen, die derzeit geprüft werden, zählt eine eigens für Sehbehinderte entwickelte Smartphone-App, mit deren Hilfe sich die Fahrgäste an der Haltestelle die Abfahrtzeiten nicht nur anzeigen, sondern auch vorlesen lassen können.

Die akustische Orientierungshilfe per Außenlautsprecher wird jetzt bis auf weiteres auf fünf große ÖPNV-Knotenpunkte mit hohem Fahrgastaufkommen und viel Umsteigeverkehr beschränkt: Neben dem Marktplatz, Offenbach-Ost und dem Hauptbahnhof zählen dazu das Rathaus und das Kaiserleigebiet.
„Augenblicklich befinden wir uns noch weiterhin in der Erprobungsphase“, bittet Bürgermeister Peter Schneider um Verständnis. „Unser Ziel ist es, öffentliche Verkehrsinfrastruktur barrierefrei zu gestalten und hierbei auch sehbehinderten Menschen Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.“
Neben den taktilen Leitstreifen auf dem Haltestellenboden könne das akustische Informationssystem der OVB-Linienbusse hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, so Peter Schneider. „Bei der Umsetzung werden wir versuchen, Beeinträchtigungen von Anwohnerinnen und Anwohnern so weit wie möglich zu begrenzen. Darüber hinaus werden wir auch technische Alternativen prüfen“, versichert der Offenbacher Mobilitätsdezernent.

9.6.2018