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Bus in der Berliner Straße in Offenbach
© Alex Habermehl
Offenbachs ÖPNV-Nutzer können sich freuen: Mit dichteren Taktzeiten und längerem Linienbetrieb, deutlich besserem Angebot im Spätverkehr und einem erweitertem Liniennetz bauen die Stadt Offenbach und die Stadtwerke-Gruppe mit ihren Mobilitätsunternehmen den öffentlichen Busverkehr erheblich aus.

Attraktiveres und leistungsfähigeres Angebot

Offenbachs ÖPNV-Angebot soll attraktiver und leistungsfähiger werden. Die Linienbusse werden künftig in kürzeren Abständen und bis spät in die Nacht fahren, mehr Haltestellen bedienen und neue Wohngebiete und Arbeitsorte erschließen.

Nach Leistungseinschränkungen beim vergangenen Nahverkehrsplan wie dem reduzierten Bedienungsangebot in den Tagesrandzeiten sieht das neue Entwicklungskonzept für die Zeit von 2018 bis 2022 einen massiven Ausbau der Leistungen vor. Durch die bedarfsgerechte Optimierung des Bedienungsangebots soll der Stadtbusverkehr mit dem raschen Wachstum Offenbachs Schritt halten und mehr Menschen zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel motivieren.

Kundenzufriedenheit soll steigen

Das Entwicklungskonzept zielt auf eine weitere Steigerung der Kundenzufriedenheit und eine deutliche Erhöhung der Nutzerzahlen. Den Plan hat der Magistrat soeben beschlossen. Am 2. November soll er von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet und dann ab  2018 schrittweise umgesetzt werden.

Den Nahverkehrsplan hat die NiO – Nahverkehr in Offenbach GmbH erarbeitet. Der Mobilitätsdienstleister ist die Aufgabenträgerorganisation für den öffentlichen Nahverkehr in Offenbach. Den Stadtbusbetrieb leistet die OVB – Offenbacher Verkehrsbetriebe GmbH. Beide Unternehmen gehören zum Geschäftsfeld Mobilität der Stadtwerke-Gruppe. 

Mobilitätsdezernent Peter Freier spricht von einem Paradigmenwechsel. „Eine wachsende Stadt braucht auch eine wachsende Infrastruktur, um lebenswert zu bleiben.“ Ein kundengerechter Ausbau des hochwertigen, lokalen Nahverkehrs sei unabdingbar, um einerseits den erhöhten Mobilitätsanforderungen gerecht zu werden, andererseits Luftreinhaltung und Klimaschutz zu gewährleisten. Gleichzeitig, so der Stadtkämmerer, müssten neue Mobilitätsbedürfnisse wie Car- und Bike-Sharing berücksichtigt werden. Der Mobilitätsmarkt befinde sich im Umbruch, die intelligente Vernetzung von Bus und Bahn mit ergänzenden Verkehrsmitteln wie Leih- und Elektrofahrzeugen mit komfortabler Anschlussmobilität und individuellen Verkehrsverbindungen von Tür zu Tür gewinne an Bedeutung. Deshalb sei der Nahverkehrsplan auch als „Mobilitätsplan“ weitergeschrieben worden

Ein Drittel mehr Leistungen

Mit einem um etwa ein Drittel erweiterten Leistungsangebot des Stadtbusbetriebs trägt Offenbach jetzt dem schnellen Zuwachs an Einwohnern und Arbeitsplätzen sowie den im Masterplan ausgewiesenen Flächenentwicklungen Rechnung. Peter Freier: „Für den Offenbacher ÖPNV ist das ein großer Sprung nach vorn.“

Wie die meisten kommunalen Mobilitätsunternehmen,  arbeiten auch die Offenbacher Verkehrs-Betriebe defizitär. Die OVB mussten bislang ohne städtischen Zuschuss auskommen. Das jährliche Defizit (2017 voraussichtlich 6,5 Millionen Euro) gleicht auch weiterhin die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) aus, allerdings, so die neue Regelung,  nur bis zu einer Höhe von acht Millionen Euro. Übersteigt der Verlust dieses Limit, trägt die Stadt Offenbach zur Deckung bei. Dieser Fall könnte im Zuge des angestrebten ÖPNV-Ausbaus eintreten. Durch das erweiterte Angebot wird  das Jahres-Defizit um schätzungsweise 2,3 Millionen Euro wachsen.

Der bisherige, seit 2013 geltende Nahverkehrsplan ging noch von einem erheblich geringeren Beförderungsbedarf aus. „Wir fahren einen Busverkehr für 120.000 Einwohner“, erläutert Anja Georgi. Die Geschäftsführerin verantwortet bei der Stadtwerke-Gruppe den gesamten Bereich der Mobilität.

"Keine Alternative zu Erweiterung des Mobilitätsangebots"

Inzwischen leben aber bereits über 134.000 Menschen in der Stadt. Bis 2030 sind laut Masterplan-Prognose 141.000 Einwohner zu erwarten. Hinzu kommen rund 7.000 neue berufliche Einpendler. Anja Georgi: „Wir sind jetzt schon an unseren Kapazitätsgrenzen angelangt. Zur Erweiterung des Mobilitätsangebotes gibt es eigentlich keine Alternative.“

Darüber besteht auch politisch weitgehend Konsens. NiO hatte nicht nur die Planungspartner und Träger öffentlicher Belange, sondern auch die Öffentlichkeit und die Politik frühzeitig in den Planungsprozess eingebunden. Anja Georgi: „Das hat sich sehr bewährt. So konnten wir viele Fragen schon im Vorfeld klären. Nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, auch die Fraktionen haben uns konstruktiv unterstützt.“      

Umsetzung in zwei Phasen

Der neue Nahverkehrsplan soll in zwei Phasen umgesetzt werden. In einer ersten, mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 beginnenden Phase sollen die Taktzeiten verdichtet und der Bedienungszeitraum ausgeweitet werden. Hierfür sind zwölf neue Fahrzeuge erforderlich.

In einer zweiten, mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 beginnenden Phase soll das Liniennetz erweitert werden. Dazu müssen zusätzlich weitere fünf Fahrzeuge (wahrscheinlich bereits Elektrobusse) eingesetzt werden.

Anja Georgi: „Das ist eine große Herausforderung. Wir benötigen nicht nur 17 weitere Busse, sondern auch rund 50 zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer, die gegenwärtig schwer zu finden sind. Hinzu kommt: Auch auf unserem Betriebsgelände in der Hebestraße wird es dadurch eng.“

Busse fahren länger, häufiger und weiter

Mehr Freizeitverkehr, flexiblere Arbeitszeiten und längere Ladenschlusszeiten erhöhen die Nachfrage in den Abend- und Nachtstunden. Ab Dezember 2018 wird deshalb der Linienbetrieb der Stadtbusse um eine Stunde verlängert und der Bedienungszeitraum bis etwa 2 Uhr ausgeweitet. Dies bedeutet eine weitere Abfahrt ab „Marktplatz“ gegen 1.45 Uhr. Die neue Regelung gilt auch für die bislang in der so genannten Schwachverkehrszeit nicht  verkehrenden Linien 104 und 106. Ebenfalls die Linie 107 wird von Montag bis Samstag länger fahren, allerdings nur bis 22 Uhr.

Gleichzeitig wird das Bedienungsangebot auf allen Linien (außer 103 und 120) montags bis samstags zwischen 20 und 22 Uhr deutlich erhöht. In dieser neuen Nebenverkehrszeit wird der Takt gegenüber dem heutigen Fahrplan stark verdichtet. Entweder durch einzelne Linien oder durch die Kombination mehrerer Linien wird künftig nahezu das gesamte Stadtgebiet im 15-Minuten-Takt bedient.

7,5-Minuten-Takt auf den Hauptachsen

Ebenfalls ab Dezember 2018 wird zu den Hauptnachfragezeiten (vor 20 Uhr) auf den Hauptachsen der besonders stark genutzten Linien wie der 101, 104 und 105 der Takt auf 7,5 Minuten verdichtet. Weitere Stadtbereiche werden durch die Kombination von Linien im Tagesverkehr von Montag bis Freitag alle 7,5 Minuten mit der Innenstadt verbunden.

Weil durch die Taktverdichtung auf zahlreichen Linien keine langen Übergangszeiten mehr entstehen, wird die Umsteigesituation grundsätzlich verbessert.

Gleichzeitig wird stadtweit der Takt harmonisiert. Die OVB-Busse fahren dann alle 7,5, 15 und 30 Minuten. Auch der Linienverlauf im Tages- und Spätverkehr wird einander angeglichen. Ermöglicht wird dies durch die Verlängerung  des Bedienungszeitraums der Linien 104, 106 und 107. Unterschiedliche Linienverläufe in Form abendlicher Sonderlinienfahrten wird es nicht mehr geben. Alle Linien verkehren künftig unabhängig von Tag und Verkehrszeit im jeweils gleichen Streckenverlauf.

Ausbau des Liniennetzes

Bevölkerungszuwachs, erhöhtes Pendleraufkommen und neu entstehende Standorte für Wohnen und Arbeiten: Der Nahverkehrsplan trägt dieser dynamischen Entwicklung Rechnung. Neue Offenbacher Entwicklungsgebiete, vom Kaiserlei über den Hafen bis zum Mainzer Ring (Bürgel-Ost) und An den Eichen (Waldheim-Süd) werden durch die Anpassung bestehender Linienwege oder auch über die Neukonzeption von Linienwegen mit zahlreichen neuen Haltestellen(-Positionen) erschlossen.

Einzige Ausnahme ist Bieber-Nord. Das Neubaugebiet ist aufgrund der niedrigen Bahnunterführung in der Dietesheimer Straße mit Bussen, insbesondere mit hohen Elektrobussen, aus Richtung Ortskern schwierig zu erschließen, dafür aber gut ans S-Bahnnetz angebunden.

Die größten Änderungen im Zuge der Weiterentwicklung des Offenbacher Stadtbusverkehrs erfahren die Linie 108 (Kaiserlei-Marktplatz) und in der Konsequenz daraus die Linien 106 (Caritas/Buchrainweiher – Wetterpark) und 107 (Am Wiesengrund – S-Bahn Kaiserlei West).

Die größten Änderungen im Überblick

Mobilitätsplan - Karte
Die krate zeigt neue Linien und den längeren Bedienungszeitraum an. © SOH

Linie 108

Die 108 bindet bereits das neue Hafenviertel an das ÖPNV-Netz an. Ab De-zember 2018 wird der Takt von 30 auf 15 Minuten verkürzt, ab Dezember 2019 die Linie verlängert und über den Mainzer Ring zunächst das Neubau-gebiet Bürgel-Ost und schließlich das Neubaugebiet An den Eichen erschlossen. Ab „Marktplatz“ bedient sie dann die Haltestellen „Seniorenzentrum“ (umbenannt, vormals „Städtisches Altenheim“) und „Offenbach-Ost“ und fährt über Bürgel, Rumpenheim und Waldheim bis zur neuen Endstation (mit Wendestelle) An den Eichen-Nord. Bis dorthin wird auch der Linienweg der 103 verlängert, deren Endpunkt in dem Neubaugebiet bislang noch am „Eibenweg“ liegt.

Linien 106 und 107

Die Linienverlängerung der 108 über Bürgel/Rumpenheim hat Auswirkungen auf die Linienverläufe der 106 und 107. Die 106 fährt ab Fahrplanwechsel 2019 über die Obere Grenzstraße und Buchhügelallee zur neuen Endhaltestelle „Seniorenzentrum“ (bisherige Endhaltestelle: „Wetterpark). Die 107 fährt nur noch bis Bürgel. Bei ihr entfällt der Abschnitt zwischen Hans-Böckler-Siedlung und Waldheim, den dann die 108 bedient. Neue Endhaltestelle der 107 wird die „Ernst-Reuter-Schule“. Beide Linien, 106 und 107, fahren im Zuge ihrer neuen Streckenführung neu eingerichtete Haltestellen an.

Neue Linienführung am Kaiserlei

Im Kaiserleigebiet erfordert der Rückbau des Kreisels neue Linienführungen für die 103, 104, 107 und 108. Dabei werden auch neue Haltestellen einge-richtet.

Linien 101 und 102

Die Linie 102 („Bieber-Industriegebiet“ – „Fachackerweg“) wird bis zur neu einzurichtenden Wendestelle „Kaiserlei“ verlängert. In umgekehrter Richtung ist angedacht, die 102 ebenso wie die 101 in Bieber bis zu einer Wendestelle in Höhe des S-Bahn-Haltepunktes Waldhof zu verlängern, sofern sich diese dort einrichten lässt. Die Linie 101 („Bieber-Waldhof“ – „Biebernseeweg“) bedient eine neue Halte-stelle in der Waldstraße in Höhe des Senefelderquartiers. In der so genann-ten Schwachverkehrszeit fährt sie nicht mehr über Buchhügelallee und Spessartring. Durch den neuen 7,5-Minuten-Takt (ab Dezember 2018) entfallen die Verstärkerwagen im Schülerverkehr.
27.10.2017