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Offenbach – Stadt der kurzen Wege. Noch schneller überwindet man die Strecken mit einem Pedelec. Neugierige Neubürgerinnen und Neubürger, Auswärtige und Ur-Offenbacher haben am Dienstag, 17.07. die erste eMobil loves U-Tour genutzt, um die innovativen Räder mit elektrischer Antriebshilfe zu testen und dabei spannende und verborgene Orte zu entdecken.
Vorderrad eines Pedelecs, im Hintergrund Radfahrer.
Zeit für ein Picknick im Rolandgarten auf dem ehemaligen MAN-Gelände. © SOH

Von der Schuhfabrik zum Designerloft

Zum Auftakt der Sommertouren, die das eMobil-Team aus dem Geschäftsfeld Mobilität der Stadtwerke-Gruppe gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Urban Media Project entwickelt hat, lockte eine Rundfahrt unter dem Titel „Von der Schuhfabrik zum Designerloft“. Auf dem Programm standen Zeugnisse alter Industriegeschichte und das Eintauchen in eine Stadt, mitten im Wandel.

Eine kurze Einführung in den Umgang mit den flotten Flitzern reicht aus und schon geht es im zügigen Tempo von der eMobil-Station am Marktplatz hinunter zum Mainufer wo Tourguide Loimi Brautmann die Gruppe am Fluss entlang Richtung Osten führt. Am östlichen Ende der Innenstand betreibt Fotograf Andreas Schmidt im ehemaligen Badehaus der Chemiewerke ein Fotostudio. Die Location mit Blick auf den großzügigen Park überrascht mit Relikten aus der Vergangenheit, wie das Telefonzimmer, das neben dem ehemaligen Konferenzraum für Anrufe eingerichtet wurde und fast im ursprünglichen Zustand erhalten ist. Der denkmalgeschützte Bau auf dem 38 Hektar großen Gelände wird aktuell von Kreativen und einem Cateringservice genutzt. Sie schätzen die Nähe zur Innenstadt, das vergessene Grün der Parkanlage und die urbane Atmosphäre.

Pedelec mit Helm im Vordergrund. Dahinter Fußgänger vor einem Wohnhaus.
Stippvisite auf dem ehemalige Gelände der Matofabrik. © SOH

Zeitreise mit dem Pedelec

Über die Mühlheimer Straße geht es zur Laskabrücke. „Hier ist Offenbach wohl am industriellsten“, so Loimi Brautmann mit Verweis auf den ehemaligen Güterbahnhof und die ansässigen Betriebe entlang der vierspurigen Straße, die Offenbachs Innenstadt mit Rumpenheim, Bürgel und Mühlheim verbindet. Es reicht nur für einen flüchtigen Blick auf das Gewimmel aus Gleisen und Weichen unter der alten Autobrücke, denn auf ihren Pedelecs erreichen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Geschwindigkeit bis zu 25 km/h. Und das, ohne sich sportlich besonders anzustrengen oder Muskeln und Gelenke zu sehr zu beanspruchen. „Eigentlich fährt es sich wie von selbst“, scherzt eine Teilnehmerin.

An der Mato-Fabrik in der Bieberer Straße wartet der nächste Gastgeber auf die schnelle Gruppe. Frank Bartenstein, Offenbacher Unternehmer und ehemaliger Fußballspieler der Offenbacher Kickers, hat kürzlich das alte Torhaus gekauft. Die Teilnehmer der eMobil loves U-Tour sind die ersten, die er offiziell durch das denkmalgeschützte Gebäude führt. Im Musterzimmer, das direkt über der Einfahrt liegt, springt man augenblicklich in der Zeit zurück. Bartenstein hat alte Wandbilder freigelegt und den Rest erst einmal im ursprünglichen Zustand belassen. Wenige Meter hinter dem Torgebäude wurde der Fabrikbau, in dem einst u.a. gestanzte Metallriemenverbindungen produziert wurden, abgerissen. Nun entstehen hier Reihenhäuser und Doppelhaushälften.

Besuch am alten Schlachthof und auf dem ehemaligen MAN-Areal

Direkt neben dem Komplex führte die alte Industriebahntrasse entlang. Früher verband sie die Firmen, die Anfang des 20. Jahrhunderts hier ansässig wurden, untereinander und mit dem Industriehafen. Heute ist die ehemalige Bahnstrecke ein Fahrradweg, der durch städtisches Grün die Zweiradfahrer mit und ohne elektrischer Unterstützung durch die Stadt führt. Für einen Stopp am alten Schlachthof bedarf es allerdings eines kleinen Schlenkers. 1904 wurde die Anlage eröffnet, die damals als modernste Europas galt und für Aufsehen sorgte. „Hier begann so manche Migrationsgeschichte“, weiß Loimi Brautmann und erinnert an Geschichten von Italienern und anderen Gastarbeitern, die „nur mal kurz zum Helfen“ kommen wollten und bis heute geblieben sind. 1990 schloss der Schlachthof seine Tore und machte den Weg frei für ein Kongress- und Kulturzentrum mit Hotel sowie für Büros und Showrooms kreativer Agenturen und Architekturbüros sowie für moderne Wohnbebauung. Nach wie vor prägen aber die denkmalgeschützten Elemente wie der Wasserturm, das Maschinenhaus und Verwaltungsbauten das Erscheinungsbild.

Gefühlt einen Katzensprung oder besser gesagt nur wenige Pedaltritte entfernt, liegt das ehemalige Werksgelände des Druckmaschinenherstellers MAN Roland. Hier wurden seit 1872 Druckmaschinen entwickelt und produziert. An diese Zeit erinnern noch eine sanierte Montagehalle sowie eine Stahl-Pergola. Der Rest bedarf großer Phantasie, denn wo früher riesige Fabrikgebäude standen, ist nun ein modernes Wohnensemble entstanden sowie ein Quartierspark, ein Spielplatz und Raum für Einzelhandel und Gastronomie.

Junge Startups in ehemaliger Schuhfabrik

Letzter Halt ist die ehemalige Schuhfabrik Hassia in unmittelbarer Nachbarschaft. Hier entwickelt, vermarktet und vertreibt Martin Morras Ganskow mit Freunden die Produkte ihres Startups „Goelds“ – Bartpflegeprodukte für Männer.
Das junge Unternehmen fühlt sich angekommen und zuhause. Daher steht auf ihren Produkten auch nicht „Made in Germany“, sondern „Made in Offenbach“. Das Büro an der Christian-Pleß-Straße hat sich zwar sehr verändert – an die einstige Schuhproduktion, die seit 1904 hier ansässig war, erinnert kaum etwas, aber das Flair vergangener Zeiten ist geblieben und steckt im alten Mauerwerk, unter der geschützten Toreinfahrt oder im dicken Steinboden, den das junge Team abgeschliffen und versiegelt hat. In seiner Nachbarschaft finden sich bunte Unternehmen, wie eine Tanz- und eine Kochschule, Architekturbüros, Werbeagenturen, andere Startups und der größte Fetischclub Mitteldeutschlands.

Beiläufig betritt man täglich spannende Zeugnisse vergangener Industriegeschichte. Eilt vorbei an denkmalgeschützten Torbögen, unter denen einst hunderte Arbeiter zur Schicht gingen. Der Lärm in alten Hallen ist längst verstummt und die Stadt scheint angekommen als Kreativ- und Dienstleistungsstandort. Umso faszinierender ist ein Rückblick in diese innovative wie schweißtreibende Epoche – vor allem dann, wenn man den Weg dahin so spielend einfach und voller Fahrspaß wie mit dem Pedelec zurücklegen kann.

Fünf weitere Touren standen in diesem Sommer noch auf dem Programm. Für die folgende sind noch Tickets erhältlich:
Kinomacher Daniel Brettschneider nimmt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Dienstag, 4.9., unter dem Titel „So schmeckt Film in Offenbach“ mit an seine Lieblingsorte.

EMobil ist ein gemeinschaftliches Angebot des RMV und des Geschäftsfeldes Mobilität. Die eMobil loves U-Touren dauern etwa zwei Stunden, finden jeweils dienstags und donnerstags statt und beginnen um 17:30 Uhr (Abfahrt) an der eMobil-Station am Marktplatz Ecke Schlossstraße. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten jeweils eine halbe Stunde vorher da sein und eigene Fahrradhelme aufsetzen, empfiehlt das eMobil-Team. Tickets gibt es für 16 Euro im OF InfoCenter im Salzgässchen 1.

20.07.2018