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Offenbachs erster Test-Elektrobus hatte keine Heizung. Das war bitter für die Fahrgäste und führte vor fünf Jahren bei kühler Witterung zum Abbruch des Testlaufs. Der Nachfolger hatte zwar eine Heizung, aber nach wie vor keine Kasse. Darüber jedoch konnten sich die Kunden der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) freuen. Denn bis zum 17. März hatten sie vier Tage lang Gelegenheit, auf der Strecke der Linie 106 kostenlos zu erfahren, was es heißt, in einem öffentlichen Linienbus modernster Bauart elektrisch mobil zu sein.
Elektrobus fährt auf der Straße
© Georg

Im Bereich Elektromobilität ist Offenbach schon seit Jahren Vorreiter. 2011 wurde hier zusammen mit dem RMV nicht nur eine eMobil-Leihstation für E-Autos und Pedelecs eröffnet. Die OVB - Offenbacher Verkehrs-Betriebe GmbH waren damals auch bundesweit die ersten, die einen rein elektrisch angetriebenen Linienbus für eine mehrwöchige Testphase in Betrieb nahmen.

Eine Pioniertat, die im Rahmen eines zeitlich befristeten Forschungs- und Entwicklungsprojektes nicht nur der OVB wertvolle Erkenntnisse im Hinblick auf eine mögliche Umstellung des Stadtbusverkehrs auf einen emissionsfreien Betrieb brachte.

Die OVB konnte damals unterm Strich viele positive Erfahrungen sammeln. Dies auch, obwohl der Testlauf vorzeitig abgebrochen werden musste, weil der in Südeuropa hergestellte Prototyp, ein umgebauter Flughafenbus, nicht für den Betrieb bei kühlen Außentemperaturen ausgelegt gewesen war. Die OVB hat das Thema seither nicht aus den Augen verloren, sondern aufmerksam verfolgt, welche technischen Entwicklungen es bei den Fahrzeugherstellern gegeben hat und welche Erfahrungen andere Kommunen mit der Elektromobilität im ÖPNV gesammelt haben.

2016 setzt sich das Unternehmen aus dem Geschäftsfeld Mobilität der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe (SOH) wieder intensiver mit der Elektromobilität im Öffentlichen Personennahverkehr auseinander. „Gerade auch im Hinblick auf die Anstrengungen der Stadt Offenbach für Klimaschutz und Luftreinhaltung wollen wir das Thema umweltfreundlicher ÖPNV voranbringen“, sagt Anja Georgi. Sie ist Geschäftsführerin sowohl der OVB als auch des örtlichen Aufgabenträgers des ÖPNV, der NiO – Nahverkehr in Offenbach GmbH.

Von Montag, 14. März bis Donnerstag, 17. März, ging in einer viertägigen Probephase erneut ein Elektrobus auf eine Offenbacher Linienstrecke. Der niederländische Hersteller VDL Bus & Coach stellte dazu ein Citea-Fahrzeug seiner E-Worker-Baureihe samt mobiler Ladestation zur Verfügung. Zwölf Meter lang und 11,7 Tonnen schwer, bietet der per Tieflader nach Offenbach transportierte Elektrobus Platz für 70 Fahrgäste.

Die wurden von eigens eingewiesenen Fahrern auf der zehn Kilometer langen Strecke der Linie 106 zwischen Wetterpark und Caritas/Buchrainweiher leise, umweltfreundlich und komfortabel an ihr Ziel gebracht. Damit die Fahrgäste den dynamisch designten VDL-Bus auch als OVB-Fahrzeug erkennen konnten, wurde er mit dem Mobilitätslogo der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe kenntlich gemacht.

Erfahrungen im Alltagsbetrieb

Bei dem zeitlich befristeten Praxistest ging es um die Anforderungskriterien im Offenbacher Stadtbusverkehr (Steigungen, Streckenlängen) sowie um die Leistungskapazitäten (Reichweite, Ladezeiten) im realen Alltagsbetrieb. Der Elektrobus sollte in seiner Probezeit einen diesel-betriebenen Bus ersetzen und eine Tagesfahrleistung von rund 120 Kilometern erbringen.

Von einem realen Testbetrieb könne allerdings nicht die Rede sein, dämpft der technische Leiter der OVB, Eberhard Werth, zu hohe Erwartungen. Um das Fahrzeug wirklich auf Herz und Nieren prüfen zu können, müsste der Energieverbrauch über einen längeren Zeitraum zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten und bei unterschiedlicher Belastung registriert und darauf dann entsprechend die Batteriekapazität und die Ladeinfrastruktur abgestimmt werden.

So ging es der OVB bei ihrem neuen Testlauf eines Elektrobusses in Offenbach denn auch mehr um eine erste Produktpräsentation unter realen Bedingungen, um sich einen Überblick über den Stand der Technik zu verschaffen. Eine weitere Vorführung mit dem Fahrzeug eines anderen Herstellers soll möglichst noch in diesem Jahr folgen.

„Der Einsatz von lärm- und emissionsfreien Elektrobussen im großstädtischen ÖPNV ist eine zukunftsfähige Verkehrslösung“, ist Anja Georgi überzeugt. Voraussetzung jedoch sei, dass die Reichweite der Fahrzeuge stimme. Idealerweise müssten die E-Busse 350 Kilometer am Tag zurücklegen können, nicht mehr als eine Viertelstunde Ladezeit an den Endhaltestellen benötigen und so flexibel einsetzbar sein wie Diesel-Fahrzeuge.

Die Entscheidung über einen dauerhaften Einsatz der umweltfreundlichen Antriebstechnik im Offenbacher Linienbetrieb hängt von der Finanzierungsmöglichkeit der Schutzschirm-Kommune Offenbach und damit vom Votum der Stadtverordnetenversammlung ab.

Die Kosten eines Elektrobusses betragen etwa das Doppelte der Kosten eines Fahrzeuges mit Verbrennungsmotor. Hinzu kommen Investitionen in die Ladeinfrastruktur. Die Umstellung auf Elektromobilität, so Georgi, sei deshalb auch nur im Zuge einer Ersatzbeschaffung für einen der 61 OVB-Dieselbusse möglich.

 

Elektrobus fährt auf der Straße
© Georg