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Pedelecs vor einem Laden im Offenbacher Nordend
Ordentlich geparkt: die eMobil-Pedelecs vor der Etagerie im Nordend. © SOH
In Offenbach soll die Mobilität vielfältig sein, flexibel und innovativ. Abwarten, bis Andere Klimafragen beantworten oder Mobilitätskonzepte entwickeln, ist nicht das Ansinnen der Geschäftsstelle Elektromobilität, die im Geschäftsfeld Mobilität der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe angesiedelt ist. Engagiert akquiriert das Team Fördergelder von Land und Bund, um Ideen erfolgreich umzusetzen.
Für die Vermarktung der sechs eMobil-Stationen im Stadtgebiet werden regelmäßig abwechslungsreiche Tourformate entwickelt. In diesem Jahr war Ida Todisco als Guide dabei.

Unser Tourbericht 2019

Die Offenbacher Autorin hat bereits mehrere Bücher über ihre Wahlheimat veröffentlicht und kann viel erzählen, was zwischen miesem Ruf, Vorurteilen, Start-up-Szene und Kreativkultur tatsächlich passiert. Viermal nimmt sie in diesem Jahr Interessierte per Pedelec mit durch die Stadt. So mancher verliebt sich dabei in die Leichtigkeit elektrisch angetriebener und umweltschonender Fortbewegung.
Pedelecs an der eMobil-Station am Marktplatz.
Aufgeladen und startklar warten die elektrisch angetriebenen Pedeles an der eMobil-Station am Marktplatz auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten Tour 2019. © SOH

Erste Station: Fahrradladen & Kulturcafé "Artefakt"

Mit Ida Todisco auf Tour zu sein, fühlt sich so an, als wäre man mit Freunden unterwegs. Herzlich begrüßt die gut vernetzte Offenbacherin erst die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und schließlich die Gastgeber an den einzelnen Stationen. Die Wege sind kurz (mit dem Pedelec noch kürzer), Offenbach ist überschaubar, die Menschen sind untereinander verbunden, es gibt immer jemanden, der jemanden kennt. Und doch kommen hier Einflüsse aus der ganzen Welt zusammen. Nach einer kurzen Einführung in die Bedienung der elektrisch angetriebenen Zweiräder ist die Gruppe startklar.

Am Wilhelmsplatz vorbei, wo gerade der Offenbacher Wochenmarkt seinem guten Ruf entsprechend Platz und Besucher verzaubert, schicken Ida Todisco und das eMobil-Team die Gruppe ein Stück weiter Richtung Süd-Westen. Hinter dem Starkenburgring hat der Fahrradladen Artefakt sein Domizil. Die schönsten Räder stehen hier vor der Tür und locken Kundschaft. Innen wird gerade umgebaut. Anja Bamberger und Jürgen Blümmel schaffen Platz für neue Ideen. Davon hat das Paar eine Menge: „Dies ist ein besonderer Ort für mich. Ein herzlicher Ort“, sagt Ida Todisco. Außer Helmen, Satteln, Rädern und Schmieröl hat auch die Kultur einen festen Platz im Artefakt. Regelmäßig werden hier Filme gezeigt. „Hinter dem Fahrradladen steckt so viel mehr“, weiß die Autorin. „Erzählt doch mal vom Kioskprojekt“, bittet sie und schon stehen die Pedelecs samt Radler wenige Meter weiter am Friedrichsweiher. Hier betreibt Blümmel mit weiteren Ehrenamtlichen einen kleinen Kiosk als Selbsthilfewerkstatt. Wer möchte, kann hier sein Fahrrad selbst und kostenlos in Schuss bringen und bekommt Hilfe, wenn er welche benötigt. Das Konzept ist erfolgreich und bereichert das Quartier.

Werkzeug in einem Atelier
im atelier von Marlon Navarro hat alles seinen Platz: nicht nur seine Werke, sondern auch sein Arbeitsort ist einen Besuch wert. © SOH

Leder & Leidenschaft in der Hassia Fabrik

Wenige Pedalentritte weiter, am ehemaligen MAN-Werk vorbei, gelangt die Gruppe zu Marlon Navarro. Ihn hat es aus Kuba an den Main verschlagen. Seit Kurzem hat er sein eigenes Atelier auf dem Gelände der ehemaligen Hassia Fabrik. Mit den Bikes geht es zwischen den alten Häusern hindurch bis in die wahrscheinlich verwinkelste Ecke des Fabrikareals. Hierher kommt man nur, wenn man weiß, wo man hin möchte. Vorbei an grün bewachsenen Backsteinfassaden zu einem fast magischen Ort. In der Luft liegt der warme und schwere Duft von Leder. In jedem Winkel spürt man die Leidenschaft. Zwischen bunten Garnen, Nähmaschinen, Ausstellungsstücken und Lederzuschnitten arbeitet Navarro an Unikaten, Prototypen, bestellten Kleinserien und aktuellen Kollektionen. Zurzeit fertigt er einen Auftrag aus Thüringen. Die Tourteilnehmerinnen und Teilnehmer können sich kaum satt sehen an den Taschen, Gürteln, Schürzen und Etuis. „Endlich wieder Leder in Offenbach“, entfährt es einem Besucher. Doch dann drängt Ida Todisco höflich zur Weiterfahrt. Im großen Innenhof klärt sie über die Geschichte der Firma auf: Bis in die späten Achtziger wurden hier hochwertige Schuhe produziert. Weit in die Welt schafften es die Lederwaren aus Offenbach. So trugen beispielsweise persische Reiterdamen in den Zwanzigern die Stiefel.

Heute sind die Lofts, Ateliers und Räume in vielfältiger Benutzung: Kreative und Agenturen, junge Startups, Tanzschulen und der landesweit bekannte Fetischclub „Grande Opera“.

Außerdem verrät Todisco, dass die aktuelle Frankfurter Tatort-Kommissarin hier, im Herzen des Senefelder Quartiers, ihre Fernsehwohnung hat.

Pedelecfahrer fahren auf einem Fahradweg zum Blauen Kran am Hafenbecken.
Vorbei an der Baustelle von Marina Gardens fährt die Gruppe zum Blauen Kran ans Hafenbecken. © SOH

Bekanntes neu erfahren & Neues entdecken

So manches Geheimnis weiß die Autorin zu erzählen, sodass sowohl Offenbach-Neulinge, Besucher aus Frankfurt oder dem Landkreis als auch Alteingesessene gespannt lauschen und Neues erfahren.

In flottem Tempo geht es durch die Fahrradstraße zurück in die Innenstadt. In der Luisenstraße duftet es seit dem Umzug des Kappus-Werkes nicht mehr nach Seife. Wie an vielen anderen Orten verändert auch hier die Stadt ihr Gesicht.
An der Domstraße, dem kleinen Tor zum Nordend, werden die Pedelecs geparkt. Herzlich begrüßt Eva Kirchhoff die neugierigen Gäste in der „Etagerie“. Was als Idee begann, hat heute einen festen Platz in Offenbach. Zwischen Karten, Accessoires, Schmuck, Papeterie, Taschen und Stoffen sitzen Gäste und stricken. Der Raum ist gemütlich, bunt und voller kreativer Atmosphäre. Wer möchte, darf frisches Brot in Limonen-Gewürz-Öl dippen, dass Kirchhoff in Nordhessen entdeckt hat und nun weiter verkauft. Denn außer Nähkursen und dem Verkauf vielfältiger Accessoires, Mode und Kleinwaren, bittet sie täglich zum Mittagstisch. Auch Kulinarik hat an diesem Ort zwischen Altstadtgässchen, Großstadtkiez und Gentrifizierung ihren Platz.

Urlaub in der eigenen Stadt

Zurück auf den Rädern geht es durch die Taunusstraße in den Hafen. Zwischen Marina Gardens und der Hafenschule führt der Weg direkt an den Blauen Kran. Das Hafenbecken empfängt die Radlerinnen und Radler mit glitzerndem Flusswasser und Urlaubsatmosphäre. Doch zum Verweilen an der Hafentreppe bleibt keine Zeit. Am Main entlang geht es zurück. Vorbei am Restaurantschiff „Backschaft“, dem Isenburger Schloss und der Hochschule für Gestaltung gelangt die Gruppe wieder zur eMobil-Station am Marktplatz. Die Frisuren sind vom Fahrtwind zerzaust oder von den Helmen zerdrückt. Aber die Ausflügler lächeln zufrieden über alles Neuentdeckte und Geteilte.

Zum Abschluss geht es ins „informal café tipo madrid“ im Salzgässchen. Bei einem kühlen Getränk und Gesprächen lassen die Radler ihre Eindrücke Revue passieren.

Stadträtin Sabine Groß zum eMobil-Angebot:

Die zuständige Stadträtin und Mobilitätsdezernentin Sabine Groß freut sich über die erfolgreiche Tour-Premiere in diesem Jahr: „Die neuen Touren sind eine Gelegenheit die Stadt und zugleich unser eMobil-Angebot kennenzulernen. eMobil ist ein flexibles Vermietsystem von Elektroautos und Pedelecs. Die Rückgabe der gemieteten Fahrzeuge kann an einer beliebigen Station erfolgen. Dies ist ein Baustein unseres Nahverkehrsangebots und ein Beitrag zur Luftreinhaltung und zum Klimaschutz.“

19. Juni 2019
Werkzeug in einem Atelier SOH
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