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Mit abgenagten Knochen und angefaulten Birnen zum Weltretter werden? Das geht – zumindest ein bisschen. Der provokant-einprägsame Slogan „Die Zukunft ist im Eimer“ vor einer ins Auge springenden leuchtenden Biotonne soll Offenbacher Bürgerinnen und Bürger erneut motivieren, noch mehr Bioabfall als bisher zu entsorgen.
Rap "Die Zukunft ist im Eimer" von Tao feat. Biobabo © SOH

Auf zwei Jahre angelegt ist die neue Kampagne, die im Auftrag des Geschäftsfeldes Stadtservice der Stadtwerke Unternehmensgruppe und unter Federführung des Kompetenzcentrums Unternehmenskommunikation die Offenbacher Agentur U9 ausgearbeitet hat. Ziel ist nicht nur, für Verbraucher und Stadt die Entsorgungskosten zu senken, sondern auch Ressourcen und damit die Umwelt zu schonen. Denn wenn Bioabfälle in der richtigen Tonne landen, werden sie in einer Biogasanlage vergoren und produzieren Strom. Was übrig bleibt, wird als Dünger genutzt.

Diese Argumente wurden schon bei Einführung der Biotonne in Offenbach im April 2014 verbreitet, haben sich aber offenbar noch nicht überall herumgesprochen. Zwar entsorgen viele Haushalte schon ganz selbstverständlich ihre Bioabfälle getrennt, doch von den rund 13.700 in Offenbach verteilten gebührenpflichtigen Biotonnen werden 5000 nie zum Leeren hinausgestellt. „Vor allem Bewohner großer Wohnanlagen nutzen die Biotonne oft noch zu wenig, obwohl sie damit ihr Volumen der teureren Restmülltonne verringern und Kosten sparen könnten“, sagt Peter Walther, Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) und ESO Eigenbetriebsleiter.

10.000 Tonnen Biomüll in Offenbach

10.000 Tonnen Bioabfallkapazität sind laut einer 2013 in Auftrag gegebenen Abfallanalyse in Offenbach vorhanden, dies sind 40 Prozent des Restmülls. Aktuell werden aber pro Jahr nur rund 3500 Tonnen gesammelt. Zwar steigt die Menge stadtweit monatlich um rund 20 Tonnen an. Das Geschäftsfeld Stadtservice will aber vermitteln, dass es von Biomüll gar nicht genug bekommen kann und diesen Trend deutlich beschleunigen.

Bioabfall-Fahrzeug neu
© SOH

Der Motivationsschub zum Getrenntsammeln soll auf vielen Wegen kommen: Auf den zwei Abfallsammelfahrzeugen rotiert übergroß die leuchtende Tonne, Plakate mit diesem Motiv werben an Bushaltestellen, Postkarten und Flyer, die auch in 14 Sprachen und mit Piktogrammen ergänzt vorliegen, werden verteilt.

Viele Haushalte in der Offenbacher Innenstadt erhalten in den nächsten Wochen ein persönliches Anschreiben mit einer kompostierbaren Bioabfalltüte als Einstieg in die Getrenntsammlung. Verwalter und Hausmeister von Eigentümergemeinschaften und großen Mietwohnanlagen sollen als Multiplikatoren fungieren. Darüber hinaus sollen auch die Nutzer der Biotonne gewonnen werden, Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen ebenfalls vom Prinzip der Ressourcenschonung durch getrennte Entsorgung zu überzeugen.

Ergänzend werden Mitarbeiter des Geschäftsfeldes Stadtservice mit Infoständen auf dem Wochenmarkt und vor Supermärkten für die getrennte Entsorgung von Bioabfall werben.

Bewusstsein für Mülltrennung bei Kindern und Jugendlichen wecken

An Schulen und Kindergärten wird dem Nachwuchs vermittelt, warum das gammelige Schulbrot und auch die Reste vom Mittagessen daheim in der Biotonne landen sollen. Jugendliche werden in den sozialen Netzwerken angesprochen. Auf Youtube und der Website sowie dem Facebook-Auftritt der Stadtwerke Offenbach ist der für die Kampagne kreierte Recycling-Rap des Offenbacher Künstlers Tao über „Enzymrandale“ und Strom aus der Schale abrufbar.

„Wenn die jungen Offenbacherinnen und Offenbacher einen eigenen Haushalt gründen, sollen sie von Anfang an den Müll trennen und dies gegebenenfalls auch ihren Kindern vorleben. Denn die Vergärung von Bioabfall trägt zum Klimaschutz bei und ist ein Beitrag zu einer besseren Zukunft der nächsten Generation“, sagt Bürgermeister Peter Schneider.

Auch gekochte Küchenabfalle gehören in die Biotonne

Doch auch wer bisher seine harten Brotkanten und verschimmelten Käsescheiben zuverlässig getrennt entsorgt, könnte meist noch mehr in die Biotonne werfen. Vor allem der Anteil an gekochten Küchenabfällen soll deutlich erhöht werden. Anders als auf dem Komposthaufen sind diese in der Biotonne sogar sehr erwünscht, weil sie besonders gut gären und entsprechend mehr Energie erzeugen.

„Am Beispiel der Kartoffelschale kann man den Zusammenhang zwischen Ökologie und Ökonomie gut erklären“, sagt Christian Loose, stellvertretender Leiter des ESO Eigenbetriebs. „Werfen die Bürger sie in die Biotonne, ist die Entsorgung nicht nur billiger, aus ihr wird auch umweltfreundliche Energie gewonnen. Außerdem entsteht Dünger, der neue Kartoffeln wachsen lässt.“

Praxistipps zur Mülltrennung

Die Kampagne möchte nicht nur die Vorteile vermitteln, sondern auch den gängigsten Ausreden der Biotonnenverweigerer praktische Tipps entgegensetzen. Denn es kann tatsächlich passieren, dass Fliegenlarven in der Tonne krabbeln, Fleisch- und Fischreste riechen sowie faule Tomaten und feuchte Kaffeefilter durch die Papiertüte suppen. Das ist vermeidbar, wenn solche problematischen Abfälle fest in Zeitungspapier eingewickelt werden. Und mit jedem dieser Päckchen ist man dem Status des Weltretters ein bisschen näher.

27.09.2017