Inhalt anspringen

Stadt Offenbach

Wo Trauernde ein offenes Ohr finden

Zum neuen „Ort der Sinne“ auf dem Neuen Friedhof gehört auch eine Trauerbank. Dort lädt die Ökumenische Hospizbewegung Offenbach e.V. seit April 2026 jeden Monat zu Gesprächen und Begegnung ein. Die RUHEPUNKT-Redaktion sprach mit der Organisatorin des Angebots, Sabine Harer, über diesen neuen Weg der Trauerbegleitung.

Trauerbegleiterinnen und -begleiter des Hospizvereins.

Frau Harer, wie entstand die Idee für eine eigene Trauerbank?

Zwei Frauen, die seit 2025 für uns als Trauerbegleiterinnen tätig sind, kamen auf die Idee. Sie hatten von diesem Angebot auf anderen Friedhöfen gehört und wollten es auch in Offenbach realisieren. Als Koordinatorin der Trauerbegleitung schien mir das eine sehr gute Ergänzung unseres Programms – und Frau Schreiber hat uns gleich tatkräftig unterstützt.

Wer kann das Angebot nutzen?

Es richtet sich an alle Interessierten, eine Anmeldung ist nicht nötig. Da es gar nicht so einfach ist, betroffene Menschen zu erreichen, gehen wir nun dorthin, wo die Trauernden sind: auf den Friedhof. Zu einem festen Zeitpunkt und an einen festen Platz. Zwei Leute aus unserem Team sind jeden letzten Donnerstag im Monat vor Ort, sie haben Decken und Kissen dabei und sind auch offen für einen Spaziergang. Ich bin gespannt, wie sich die Resonanz entwickelt.

Wie können Gespräche beim Trauerprozess helfen?

Wir bieten ein offenes Ohr, nach dem Grundsatz: „Erzähle gerne, wie es Dir geht – und das immer wieder.“ Trauernde machen oft die Erfahrung, dass ihr Umfeld mit dem Thema überfordert ist und Sätze sagt wie: „Das Leben geht weiter“ oder „Es ist schon so lange her.“ Das hilft aber nicht. Manche können drei Jahre nach einem schweren Verlust wieder nach vorne gucken, bei anderen dauert es deutlich kürzer oder länger. Alles darf so sein, wie es ist. Die Betroffenen finden bei uns Verständnis und Respekt. Auch Menschen, die zum Beispiel einen langjährigen Lebenspartner verloren haben und sich einsam fühlen, tut es gut, wenn sie auf jemanden treffen, der sich ihnen zuwendet und zuhört.

Welche Wege der Trauerbegleitung bietet die Ökumenische Hospizbewegung noch?

Unser vielfältiges Angebot umfasst Einzelgespräche, eine angeleitete Selbsthilfegruppe für Trauernde nach einem Suizid, Begegnungen auf dem Friedhof, Ge(h)spräche und Wandern zur Trauerbewältigung. Eine feste Jahresgruppe für Trauernde startet wieder im September. Jeden dritten Sonntag im Monat laden wir von 15 bis 17 Uhr ins Trauercafé in die Räumlichkeiten des Treffpunkt Friedhof e.V. ein. Im Idealfall vernetzen sich unsere Gäste auch untereinander: So treffen sich manche mittlerweile zu eigenen Wanderterminen. Nicht immer steht dabei die Trauer im Vordergrund, und es darf natürlich auch gelacht werden.

Finden Sie genug Menschen, die ihren ehrenamtlichen Einsatz bei der Trauerbegleitung unterstützen?

Zum Glück lassen sich recht viele Leute, die früher selbst unser Angebot genutzt haben, später in der Trauerbegleitung ausbilden. Den meisten schlagen wir aktiv diesen Wechsel auf die andere Seite vor, denn das erfordert schon Mut und Selbstvertrauen. Im Gegenzug empfangen die Menschen auch viel Dankbarkeit. Ein Mann aus unserer aktuellen Ausbildungsgruppe wiederum suchte nach einer sinnvollen Tätigkeit als Rentner. Er bietet nun ab Juni 2026 an jedem dritten Donnerstag im Monat eine eigene Trauerbank auf dem Friedhof in Bieber an. So können wir immer mehr Gesprächsmöglichkeiten eröffnen. 

Zwei Trauerbegleiterinnen des Hospizvereins sind jeden letzten Donnerstag im Monat ab 17 Uhr auf der Trauerbank anzutreffen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es unter Telefon (069) 800 87 998 und auf der Website des Hospizvereins

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise