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Der „Treffpunkt Friedhof Offenbach e.V.“ verfolgt seit genau neun Jahren das Ziel, den Neuen Friedhof zu einem Ort der Begegnung zu machen. Neue designierte Vorsitzende des Vereins ist die ehrenamtliche Hospizbegleiterin und Verwaltungsangestellte Jutta Sieling. Im RUHEPUNKT-Interview spricht sie über ihre Beweggründe und Pläne.
Bank auf dem Alten Friedhof
"Der Tod kommt, auch wenn wir ihm keinen Platz im Leben einräumen." © Alex Habermehl

Frau Sieling, was verbindet Sie mit dem „Treffpunkt Friedhof“?
Schon bald nach Gründung des Vereins 2012 wurde ich auf seine Veranstaltungen aufmerksam. Das Programm – etwa zu Begräbniskulturen anderer Religionen – hat mich sehr interessiert, zumal es vor Ort auf dem Friedhof stattfand. Ich schätze die Arbeit des Vereinsvorsitzenden Alexander Kaestner sehr. In Vorträgen und Gesprächen habe ich viel von ihm lernen dürfen. Der Tod kommt, auch wenn wir ihm keinen Platz im Leben einräumen. Mir ist wichtig, die Sprachlosigkeit darüber aufzubrechen.

Engagieren Sie sich daher in der Ökumenischen Hospizbewegung?
Ja, hier habe ich 2015/16 eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin und später auch zur Trauerbegleiterin gemacht. Ein Teil davon ist die Beschäftigung mit dem eigenen Tod: Was bleibt von mir? Was möchte ich hinterlassen? Ziel ist es, die Schwellenangst bei sich selbst und anderen zu überwinden – und wer sich mit dem Tod beschäftigt, hat weniger Angst.

Wie fließen diese Erfahrungen in den „Treffpunkt Friedhof“ ein?
Grundsätzlich geht es mir darum, Sterbende und deren Angehörige zu begleiten, ihnen wirklich zuzuhören. Das führt Leben und Sterben zusammen, was eine Bereicherung sein kann, in dem wir beispielsweise bewusster leben. So lässt sich auf Friedhöfen bewusst die Ruhe spüren, die wir in der Großstadt oft vermissen.

Welche Pläne haben Sie für das kommende Jahr?
Wenn es die Pandemielage zulässt, möchte ich in unserem Vereinsgebäude am Neuen Friedhof regelmäßige Treffen für Trauernde anbieten. Geführte Spaziergänge über die Anlage oder gemeinsame Wanderungen kann ich mir ebenfalls gut vorstellen. Hier lassen sich Angebote mit der Hospizbewegung kombinieren: Das ist keine Konkurrenz, sondern ein Miteinander. Daher hat es mich sehr gefreut, als Herr Kaestner mich fragte, ob ich den Vorsitz des Vereins übernehmen wolle.

Haben Sie einen Tipp für den Umgang mit Trauernden?
Wir haben zu viel Angst davor, etwas falsch zu machen und machen deswegen oftmals lieber gar nichts. Aus meiner Sicht dürfen wir authentisch sein und auch bei einer Trauerfeier mal lachen, obwohl ich im Innersten todunglücklich bin. Humor kann helfen, sich dem Thema Tod zu nähern. Und: Wir sollten Trauernden alle Zeit lassen, die sie brauchen, um einen Verlust zu bewältigen.


Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende des „Treffpunkt Friedhof“, Alexander Kaestner, an dieser Stelle nicht zu Wort kommen. Die Friedhofsverwaltung und der Verein danken ihm von Herzen für sein Engagement und wünschen ihm alles Gute.
www.treffpunkt-friedhof.de