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Stadt Offenbach

Möbelstücke für die letzte Reise

Zu den innovativen Angeboten auf dem Neuen Friedhof gehören auch Veranstaltungen: Im Frühsommer fand unter den Arkaden ein Sargbau-Workshop statt. Die RUHEPUNKT-Redaktion sprach mit dessen Leiter, dem Tischler und ehrenamtlichen Seelsorger Mikel Hogan.

Herr Hogan, wie kamen Sie auf die Idee für das Angebot?

Ein guter Freund von mir ist vor einigen Jahren gestorben. Damals fragte ich mich: Was hätte ich tun können, was seiner Familie und mir in dieser schweren Zeit geholfen hätte? Ich hätte einen Sarg aus seinem Lieblingsholz anfertigen können. Das hätte auch die Angehörigen entlastet, denn die Diskussion über den „richtigen“ Sarg ist für Menschen in Trauer, die sich gleichzeitig um so vieles kümmern müssen, nicht einfach. Dann lernte ich in meiner Heimatstadt Hamm einen Pfarrer kennen, der – ähnlich wie Gabriele Schreiber in Offenbach – Friedhöfe als Orte der Begegnung versteht. Mit ihm entstand die Workshop-Idee: Ich baute ein Modell, wir luden die Presse ein, und kurz darauf war der erste Kurs schon ausgebucht. 

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Teilnehmenden?

Es kommen Männer und Frauen, Alte und Junge, und auch ihre Anliegen sind sehr unterschiedlich. Manche halten den Workshop ganz pragmatisch für eine interessante Idee, und ein Regal brauchen sie auch. Wir bauen ja zunächst ein Möbelstück, das als Garderobe, Regal oder Truhe verwendet werden kann, bis der letzte Tag gekommen ist. Andere haben kürzlich einen Todesfall erlebt und setzen sich nun intensiv mit dem Thema Sterben auseinander. Wir holen alle Menschen dort ab, wo sie stehen. Daher ist auch immer ein Seelsorger oder eine Pastorin vor Ort dabei.

Welche Gespräche ergeben sich während des Workshops?

Der erste Tag widmet sich der praktischen Arbeit: Die vorgefertigten Teile werden zusammengeschraubt, bis nur noch das Kopf- und Fußteil fehlt. Am zweiten Tag wird es ernst: Die Teilnehmenden entscheiden über die konkrete Nutzung ihres Sargs als Möbel und liegen Probe. Nun teilen sie auch Gedanken zum Tod, der alltäglich da ist und doch so oft verdrängt wird. Das hat etwas sehr Verbindendes und auch Vorsorgendes, da sich die Angehörigen später um eine Sache weniger kümmern müssen. Dass sich die allermeisten mit ihrem Werkstück identifizieren, sehe ich daran, wie liebevoll sie über das Holz streichen.

Wissen Sie, wofür die Werkstücke tatsächlich genutzt werden?

Auch das ist sehr vielfältig. Eine Religionslehrerin bewahrt darin Meditationskissen für eine Schule auf, ein Teilnehmer lagert darin seine Schallplatten, ein anderer aus Offenbach nutzt sie als Spielkiste für die Enkel. Bei manchen gibt es mehr Berührungsängste, da steht dann eine neue Garderobe im Keller. Ein Möbel befindet sich seit langem in meinem Hammer Atelier, wo ich auch eine 1:1-Betreuung beim Sargbau anbiete: Die Ehefrau des Teilnehmers will das Stück nicht in ihrem Zuhause haben. Grundsätzlich stellt sich die Frage: Lassen wir das Thema Tod und Sterben rein – oder lassen wir es draußen?

Was zeichnete den Workshop in Offenbach aus?

Dort fand mein Angebot zum ersten Mal auf einem Friedhof und im Freien statt. Während wir gearbeitet haben, ging der Betrieb weiter, Bestatter fuhren vor, das Thema kam uns noch näher als sonst. Dem Friedhofsteam in Offenbach möchte ich ein großes Lob für seine engagierte, mutige Arbeit aussprechen: Ich freue mich darauf, im Frühjahr wiederzukommen.

Ein weiterer Sargbau-Workshop findet vom 08.-10. Mai 2026 auf dem Neuen Friedhof in Offenbach statt. 


Friedhofsverwaltung

Friedhofsverwaltung
Mühlheimer Straße 425
63075 Offenbach

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Behindertenparkplätze vorhanden

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Buslinien 103, 107, 120 (Haltestelle Neuer Friedhof)

Weitere Hinweise

Besucherparkplatz in der Ulmenstraße

Öffnungszeiten

Die Friedhöfe sind wie folgt geöffnet:

November bis Februar:
Montag-Freitag: 8.00 Uhr - 17.00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage: 8.00 Uhr - 17.00 Uhr

März und Oktober:
Montag-Freitag: 7.00 Uhr - 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage: 8.00 Uhr - 18.00 Uhr

April bis September:
Montag-Freitag: 7.00 Uhr - 20.00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage: 7.00 Uhr - 20.00 Uhr

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