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Bank auf dem Alten Friedhof
© Alex Habermehl
Beruflich wie privat ist Andreas Puckel vom katholischen Dekanat Offenbach oft auf Friedhöfen anzutreffen. Mit der RUHEPUNKT sprach der Dekan über die Bedeutung dieser Orte, den Trend zur individuellen Trauerfeier und die Reaktionen von Jugendlichen auf Themen wie Tod und Abschied.

Herr Dekan Puckel, welche Bedeutung haben Friedhöfe für Sie ganz persönlich?

Zunächst sind sie Teil meiner Arbeit, ich bin häufig vor Ort und begleite Menschen beim Abschied nehmen. Auf dem Neuen Friedhof bestehen zudem Verbindungen zu eigenen Angehörigen. Grundsätzlich bin ich gerne an Orten, an denen ich erinnert werde – das ist wichtig für mich. Friedhöfe strahlen Ruhe aus und erzählen etwas über die Kultur einer Gesellschaft, daher besuche ich sie auch gerne in anderen Städten wie Wien oder Venedig.  

Gibt es bei Ihren katholischen Trauerfeiern auf dem Friedhof noch die klassischen Rituale, oder hat sich das geändert?

Grundsätzlich halten wir uns an einen klaren katholischen Ritus – das ist auch sinnvoll und gibt Halt. Was sich geändert hat, sind die Dekoration und die Musik: Wir hatten schon schwarze Luftballons am Sarg, und es ertönt eher „I did it my way“ von CD als ein klassisches Stück auf der Orgel. Der Trend zur Eventgesellschaft und zur Individualisierung macht auch vor Abschied und Tod nicht Halt. Solange das der Trauergemeinde hilft, bin ich sehr tolerant – allerdings gibt es Grenzen, um den Rahmen und die Würde der Feier zu wahren.

Sie organisieren regelmäßig Führungen mit Firmlingen auf dem Neuen Friedhof – worum geht es dabei konkret?

Zu Ostern gibt es für unsere 30 bis 60 Jugendlichen im Vorbereitungskurs auf die Firmung stets einen thematischen Tag rund um Tod und Auferstehung, da können wir auf dem Friedhof vieles veranschaulichen. Hier kommen Nationen und Religionen zusammen, und wir sprechen über die verschiedenen Arten von Bestattungs- und Trauerkultur: So dienen beispielsweise auch Steine statt Blumen als Grabschmuck.

Wie reagieren die Jugendlichen auf das Thema Tod?

Das hängt von ihrer persönlichen Betroffenheit ab. Es gibt 15-Jährige, die hier für ihren kürzlich verstorbenen Opa beten. Andere staunen darüber, dass die Mitglieder eines Skatclubs gemeinsam unter einem Baum begraben sind. Diese starke Verbundenheit außerhalb der Familie führt uns zu der Frage: Was trägt mich – im Leben und darüber hinaus? Dabei zeigt sich der Wunsch nach echter Geborgenheit. An der Grabstätte für Sternenkinder fließen auch Tränen, weil es einfach menschlich berührt. So kommen wir auf dem Friedhof ganz nah an die Gefühlswelt der Jugendlichen heran, die sich sonst in dem Alter eher unsterblich fühlen.