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Gedenkstein Karl Ulrich
© Alex Habermehl
Schlicht und würdevoll ruht der Gedenkstein für Carl Ulrich auf dem Alten Friedhof in Offenbach. Der Name des Politikers ist heute vor allem durch die gleichnamige Mainbrücke bekannt – dabei schrieb er nicht nur als erster Staatspräsident Hessens Geschichte.
Geboren 1853 in Braunschweig als Kind eines Schusters, erlernte Ulrich das Handwerk des Metalldrehers. Seine Wanderschaft, während der er Kontakt zur Arbeiterbewegung aufnahm, führte ihn 1872 nach Offenbach: Die Stadt wurde ihm zur zweiten Heimat. 1875 nahm der streitbare Redner, der wegen „Aufreizung zum Klassenhass“ kurzfristig im Gefängnis landete, als einer der jüngsten Delegierten am Gründungsparteitag der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (ab 1890: SPD) teil. Zudem bestimmten ihn Parteigenossen zum Redakteur der von ihm mitbegründeten sozialdemokratischen „Neuen Offenbacher Tages-Zeitung“, später war er Herausgeber des „Offenbacher Abendblatts“.

Vorkämpfer für soziale Demokratie

Zeitgleich begann eine der längsten Abgeordnetenkarrieren der deutschen Geschichte: 1885 wurde Ulrich als einer der ersten Sozialdemokraten in den Landtag des Großherzogtums Hessen-Darmstadt gewählt. Zudem war er jahrzehntelang Mitglied des Deutschen Reichstags und von 1896 bis 1918 erster SPD-Politiker im Offenbacher Stadtparlament. Im Februar 1919 wurde Carl Ulrich zum Staatspräsidenten des Volksstaates Hessen - vergleichbar dem heutigen Ministerpräsidenten – gewählt. Während seiner Amtszeit bis 1928 entstanden unter aanderem die Volksschulen. 1933 starb er im Offenbacher Stadtkrankenhaus.

Als Politiker gab sich Ulrich als Pragmatiker: „Wir schweben nicht in den Wolken, sondern leben auf der Erde“, rief er den Genossen zu. Auch im Umgang mit dem politischen Gegner ging es dem Vorkämpfer für soziale Demokratie eher um Austausch als um Konflikte – so wurden auf geistiger Ebene einige Carl-Ulrich-Brücken gebaut.

Gedenkstein Karl Ulrich Alex Habermehl
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