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Vanessa Peter und Jakob Ziems auf dem Wertstoffhof
Vanessa Peter und Jakob Ziems auf dem Wertstoffhof in der Daimlerstraße, auf dem die gewerblichen Abfälle angeliefert werden. © Monika Müller
Wer den Beruf einer Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft erlernt, braucht neben den Fähigkeiten für die Ausbildung selbst vor allem auch Geduld. Immer wieder muss Jakob Ziems bei Nennung seines Ausbildungsziels erklären, dass er eben nicht die Mülltonnen leert oder am Sortierband einer Verwertungsanlage steht. Sein künftiger Beruf setzt da an, wo die Arbeit der Müllwerker getan ist und bevor sie an einem Sortierband beginnt: Ziems ist auch jetzt schon als Auszubildender im Geschäftsfeld Stadtservice der Stadtwerke Unternehmensgruppe dafür verantwortlich, dass aus den angelieferten Abfallfraktionen so viele Stoffe wie möglich recycelt werden. „Stoffstrommanagement“ ist der Fachbegriff dafür.

Die Abwechslung nennen beide – neben dem Aspekt des Umweltschutzes - als Hauptgrund für ihre Berufswahl. „Bei dieser Ausbildung habe ich eine klarere Vorstellung davon, was ich später im Beruf mache als früher bei meinem Studium“, sagt Ziems. Mögliche Arbeitsplätze sind bei privaten oder öffentlichen Abfallbeseitigungsbetrieben, Müllverbrennungsanlagen, Recyclingfirmen oder Deponien, die Berufsaussichten wegen Bewerbermangels hervorragend.

Am Schreibtisch wird Ziems nach der Ausbildung unter Anwendung von Umweltgesetzen Entsorgungswege mit Behörden abstimmen, ist für die Logistik beim Vertrieb von Containern und Fahrzeugen verantwortlich und leitet die angelieferten Abfallmengen weiter. Altpapier beispielsweise kommt in eine Verwertungsanlage, die daraus Verpackungen oder neues Schreibpapier produziert. Sperrmüll wird sortiert, beispielsweise nach Altholz und Altmetall, Hausmüll wird unter anderem zum Müllheizkraftwerk der Energieversorgung Offenbach (EVO) gefahren, wo daraus Fernwärme entsteht.

Manchmal sind Rückgrad und Eloquenz gefragt

Die eigentliche Abfallannahme ist in Offenbach auf zwei Standorte verteilt: Bürger, die alte Sessel, privaten Grünschnitt, Bauschutt, die Autobatterie oder Abfälle vom Renovieren entsorgen wollen, können dies in der Dieselstraße 37 tun, bis zu einem Kubikmeter Abfall ist dies kostenlos. Gewerbliche Entsorger fahren die Daimlerstraße 8 an, müssen vor und nach dem Entladen mit dem Fahrzeug auf die Waage und zahlen je nach Abfallsorte für die angelieferte Menge.

An beiden Standorten ist auch Jakob Ziems regelmäßig präsent, listet die Anlieferungen und kontrolliert, ob die Qualität der Abfälle auch den Angaben entspricht. Vor allem auf dem Wertstoffhof braucht man bei der Annahme an der Einfahrt manchmal Rückgrat und Eloquenz für die oft herzhaften Diskussionen mit Bürgern, die beispielsweise unter sorgsam drapiertem Grünschnitt mehr als die kostenlose Menge Bauschutt anliefern möchten oder die mehr als einmal in der Woche mit einem Kofferraum voller Sperrmüll vorfahren und dafür dann zahlen müssen.

Auszubildende durchlaufen viele Stationen

Als Auszubildender durchläuft Jakob Ziems auch Stationen wie die Werkstatt, wo er die Funktionen des Fuhrparks kennenlernt, in der Abteilung Entwässerung hat er unter anderem die Pump- und Hochwasserstationen sowie die Elektronik überprüft, außerdem die Reinigung und Wartung der Brunnen mitbetreut. Gabelstapler und Radlader fahren kann er inzwischen auch.

Für den dualen Teil der Ausbildung packt Jakob Ziems den Koffer und fährt ins bayerische Lauingen, im ersten Jahr besuchte er eine Berufsschule in Frankenberg. Dort kommen die künftigen Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft aus mehreren süddeutschen Bundesländern für den Blockunterricht zusammen, nähergelegene Berufsschulen gibt es für die hessischen Auszubildenden nicht. Die Kosten für Unterkunft und Fahrt übernimmt der Ausbildungsbetrieb. Jakob Ziems findet diese mehrwöchige Internatssituation mit zahlreichen Freizeitmöglichkeiten gut: „Der Zusammenhalt in der Klasse ist größer und man hört auch, wie in anderen Betrieben gearbeitet wird und wie dort Probleme angegangen werden.“