Sprungmarken
Aktuelles Wetter:bedeckt14°C
Suche
Suche

Baumkolonne des Geschäftsfelds Stadtservice im Einsatz
Im Leonhard-Eißnert-Park schneiden Mitarbeiter aus der Baumkolonne die Bäume zurück. © Bernd Georg
Kaum jemand kennt Offenbach von oben so gut wie Horst Limberger und seine Kollegen. Ein großer Teil ihrer Arbeitszeit spielt sich in Höhe der Kronen der rund 30.000 Bäume im Offenbacher Stadtgebiet ab. Das sechsköpfige Team der Baumkolonne aus dem Geschäftsbereich Stadtservice der Stadtwerke Unternehmensgruppe kürzt unter anderem Äste, bekämpft Schädlinge wie den Eichenprozessionsspinner oder den Massaria-Pilz, entfernt Totholz und fällt auch Bäume, wenn alle Hilfsmaßnahmen nicht mehr greifen.

Dies erfolgt in Abstimmung mit den Ämtern für Umwelt, Energie und Mobilität und für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Die Klienten der Baumpfleger werden immer zahlreicher: Weil die Offenbacher Neubaugebiete begrünt werden, gibt es auch immer mehr zu tun.

Bei der Entscheidung über die Behandlung eines Baumes verlässt sich die Kolonne auf das Urteil eines externen Fachingenieurbüros. „Etwa alle neun Monate wird jeder städtische Baum angeschaut, einmal im belaubten und einmal im unbelaubten Zustand“, sagt Ines Pigola, Leiterin der Abteilung Service öffentlicher Raum. Jeder städtische Baum hat ein eigenes Datenblatt ähnlich einer Patientenakte: Darin sind Alter und Größe sowie Kronen- und Stammdurchmesser ebenso vermerkt wie Beschädigungen, die Krankheitsgeschichte und die erfolgte Behandlung.

Bei Akutbäumen wird innerhalb von 24 Stunden gehandelt

Das Büro begutachtet rund 3000 bis 35000 Bäume pro Monat. Die Ergebnisse werden monatlich in das digitale Baumkataster überspielt, die Baumkolonne erhält darüber hinaus Ordner mit den Befunden mit einer entsprechenden Pflegeempfehlung. Die Baumpfleger kümmern sich dann um die Patienten: Faulstellen werden behandelt, kranke und bruchgefährdete Äste entfernt, Baumkronen ausgedünnt und eingekürzt, um die Last von standgefährdeten Exemplaren zu mindern. Erst wenn alle Hilfe ausgereizt ist, wird in Abstimmung gefällt.

Dabei gibt das Büro die Dringlichkeit vor: Sogenannte „Sofortbäume“ müssen innerhalb von 14 Tagen behandelt werden, bei einem Akutbaum bleiben nur 24 Stunden Zeit zum Handeln, damit von ihm keine Gefahr ausgeht, erläutert Manfred Harbich, auf Bäume spezialisierter Mitarbeiter der Abteilung Grünwesen.

150 Bäume müssen in diesem Jahr gefällt werden

150 Bäume müssen in diesem Jahr seit 31. Juli, dem Ende der innerstädtischen Brutzeit, entfernt werden. Die Zeiten, in denen Anwohner dann auf die Barrikaden gingen, scheinen aber vorbei zu sein. Der Gesprächsbedarf werde geringer, sagt Horst Limberger, der seit 1979 in den Offenbacher Wipfeln unterwegs ist und früher öfter mal vor einer Fällung diskutieren musste. „Wenn man den Leuten die Faulstellen zeigt und sie über die Gefahren aufklärt, sind sie meistens auch einsichtig.“ Heute werde die Baumkolonne beim Rückschnitt von Bäumen eher von Anwohnern gefragt, ob sie nicht noch mehr Äste zu entfernen könne, damit das heimische Wohnzimmer mehr Licht hat.

Doch die Baumpfleger haben über das sogenannte Lichtraumprofil, das ist der Abstand zwischen Baum und Straße, beziehungsweise Bürgersteig, klare Vorgaben, wie viel gekürzt wird. 4,50 Meter müssen auch die größeren Lastwagen Platz haben, damit nicht ein kräftiger Ast die Plane aufreißt, auf 2,50 Meter unter Bäumen haben Fußgänger inklusive Regenschirm Anspruch. Und genau diesen Freiraum schneidet die Baumkolonne bezirksweise Straße um Straße frei. Vorrangig arbeiten sie dabei vom Hubsteiger aus. „Klettern macht natürlich mehr Spaß“, sagt Limberger. Aber dies ist aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen nur an sonst unzugänglichen Stellen zulässig.

Der trockene Sommer 2016 macht Bäumen zu schaffen

Es sind beeindruckende Mengen Äste, die beim Rückschnitt in den stets abgesperrten Bereichen auf den Boden fallen. Bis zu fünf Tonnen Grünschnitt werden im gleich mitgebrachten Häcksler pro Straße und Tag verarbeitet. Gearbeitet wird das gesamte Jahr über. „Auch bei Regen, auch bei Schnee“, erzählt der Baumpfleger. Extremer Frost stoppt nur das Material. „Wir mussten mal eine Douglasie bei minus 15 Grad fällen und haben beim Sägen zehn Ketten verbraucht“, erinnert sich Limberger, „aber solche Temperaturen hatten wir schon lange nicht mehr“.

In diesem Jahr muss die Baumkolonne besonders viel Totholz entfernen. „Die vergangenen Sommer waren sehr trocken, die Folgen sieht man an den Bäumen aber meist erst zwei bis drei Jahre später“, sagt der Pflegeprofi. Viele Bäume haben deshalb einen schweren Stand. Dies betrifft vor allem die Exemplare, die in Baumscheiben gepflanzt wurden, und Flachwurzler wie Fichten und Birken in städtischen Grünanlagen. „Sie erreichen nicht das Wasser in tieferen Bodenschichten und solche Arten werden auch nicht mehr nachgepflanzt“, sagt Manfred Harbich. Stattdessen werden sogenannte Klimabäume wie Hainbuche, Feldahorn, Schnurbaum und die Silberlinde gesetzt, die besser mit den veränderten Wetterbedingungen leben können.

24.10.2017