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Zwei Jahre lang eine Umleitung fahren – mancher Bürgeler und Rumpenheimer Bürger hat erst mal geschluckt, als er gehört hat, wie lange die Kettelerstraße zwischen Mainzer Ring und Mühlheimer Straße für Kanalbauarbeiten gesperrt bleibt. Seit Montag ist die Straße nun dicht für den Kraftfahrzeug- und Busverkehr, der über den Karl-Herdt-Weg und die Mainstraße umgeleitet wird (wir berichteten).

Radfahrer und Fußgänger können die Baustelle aber passieren. Aldi ist nach wie vor über die Mühlheimer Straße erreichbar, auch die Firma Schramm und das Allessa-Gelände können weiter angefahren werden. Die Ampelschaltung im Karl-Herdt-Weg wurde so angepasst, dass meistens alle wartenden Fahrzeuge während einer Grünphase durchfahren können. Da viele Autofahrer auf der Mühlheimer Straße beim Linksabbiegen in die Kettelerstraße das Sackgassen-Schild missachten, kam es in den ersten Tagen noch zu Problemen vor der Baustelle – die allerdings inzwischen deutlich weniger geworden sind.  

Im Auftrag des Stadtservices der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe werden auf der Kettelerstraße zwischen Aldi und dem früheren Allessa-Gelände die Start- und Zielbaugrube für einen großen Bohrer eingerichtet. Dieser presst unterirdisch in drei, beziehungsweise sieben Metern Tiefe auf 700 Metern Länge Schächte für zwei Kanalrohre. Das gleiche Verfahren wurde übrigens auch beim Kanalbau auf der Mühlheimer Straße in Höhe von Manroland angewendet.

Regenüerlauf und Mischwasserkanal

Der größere Kanal für die Kettelerstraße mit zwei Metern Durchmesser wird neu als Regenüberlauf gebaut. Der  andere mit einem Meter Durchmesser ersetzt den bestehenden  kleineren Mischwasserkanal mit 60 Zentimetern Durchmesser. Dieser wird nach Abschluss der Arbeiten stillgelegt. Wo er im Weg ist, wird er aus dem Boden genommen, wo er liegenbleiben kann, wird er verfüllt, damit er nicht einbricht.

Der Verlauf von Versorgungsleitungen ist bundesweit über eine DIN-Verordnung geregelt. Im Fall von Kanalrohren ist das in der Regel die Straßenmitte, deshalb werden dort in der Kettelerstraße die Baugruben eingerichtet. Weil zwei Kanäle gebaut werden, wird dabei auch mehr Verkehrsraum in Anspruch genommen. Wegen der Verkehrssicherungspflicht kann der Kraftfahrzeugverkehr nicht daran vorbeigeleitet werden: Die riesigen Kanalrohre müssen nicht nur nahe der Baustelle gelagert, sondern auch mit Baumaschinen geschwenkt werden. Weil sie dann in den Straßenraum hineinreichen würden, wäre dies zu gefährlich.

Unterirdische Arbeiten sind leiser und verursachen weniger Dreck

In die zweijährige Bauzeit eingerechnet ist mit etwa einem halben Jahr der Neubau eines Regenüberlaufs in der Mühlheimer Straße. Darin werden die aus der Brockmannstraße und der Mühlheimer Straße kommenden Kanäle zusammengeführt. Bei Starkregen wird von dort ein Teil des Mischwassers in den Main geleitet, um den regulären Kanal zu entlasten.

Die unterirdischen Bauarbeiten sind leiser und verursachen weniger Dreck, vor allem können aber auch Fußgänger und Radfahrer die Baustelle passieren. Dies wäre bei einer offenen Bauweise, das heißt: wenn von oben aufgegraben würde, nicht möglich, die Straße müsste für den gesamten Verkehr komplett gesperrt werden. Zusätzlich ist der Boden dort mit einem dichten Netz von Versorgungsleitungen durchzogen. Diese müssten entweder einzeln verlegt, oder alle Kanalrohre durch das Gewirr hindurchgefädelt werden. Der Einsatz von Baggern wäre über weite Strecken nicht möglich, die Erde müsste von Hand herausgeschaufelt werden. Deshalb werden die Kanäle unterirdisch unter diesen Trassen und auch dem Kuhmühlgraben verlegt. Das bedeutet aber, dass in Grundwassertiefe gebaut wird. Auch das verlängert die Bauzeit, zusätzlich sind dabei Auflagen des Regierungspräsidiums zu erfüllen.

Einige Leitungen kreuzen dennoch die geplante Kanalroute: Neben einer Gasleitung, deren Verlegung kompliziert genug ist, liegen außerdem ein Glasfaserkabel, eine Starkstrom- und eine Wasserleitung im Weg. Diese werden ausgegraben, abgeklemmt und neu verlegt, damit Platz für die neuen Kanalrohre ist. 

13.07.2018