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Ein Taucher steigt in den  Main.
Ein Taucher sucht nach Gegenständen aus Metall, die bereits vom Schiff aus geortet wurden. © Monika Müller
Aktuell wird die nächste große Kanalbaustelle in Höhe des Clariant-Parkplatzes eingerichtet: Hier entsteht das sogenannte Mainauslassbauwerk für den Entlastungskanal für Offenbachs Unterwelt. Ein Teil der Arbeiten wird später vom bereits verankerten Schiff erfolgen.

Passanten am Mainbogen können in diesen Tagen einen Taucher beobachten, der immer mal wieder von einem Schiff aus in Höhe des ehemaligen Clariant-Parkplatzes an der Mainstraße im Wasser verschwindet. Er sucht dort nach Metallteilen, die bereits Anfang des Jahres von einem Boot aus geortet wurden. Diese Suche, die neben alten Fahrradteilen auch eine kleine, nicht mehr gefährliche Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wieder zutage gefördert hat, ist die erste sichtbare Vorbereitung für die nächste große Kanalbaustelle des Stadtservices der Stadtwerke Offenbach.

Generalentwässerungsplan für die Stadt wird erfüllt

Die Dimensionen des Mainauslassbauwerks sind eindrucksvoll: Rohre mit zwei Metern Durchmesser werden dafür auf insgesamt 400 Metern Länge im Boden versenkt, von einem Ponton aus werden Stahlspundwände mehrere Meter tief in den Schlick des Maingrundes gerammt, 370 Kubikmeter Beton werden verbaut. Mit dem Bauwerk wird der sogenannte Generalentwässerungsplan der Stadt Offenbach erfüllt. Der hier im Main endende Kanal entlastet bei heftigem Starkregen die Mischwasserkanäle und verhindert, dass Straßen oder Keller und Bäder überflutet werden.

Schiff, von dem aus die Arbeiten erledigt werden.
Ein Teil der Arbeiten wird vom Schiff aus erledigt, das bereits verankert wurde. © Monika Müller

Die jetzigen Arbeiten schließen an die im vorigen Jahr fertiggestellten  Kanalarbeiten  in der Kettelerstraße an. Dort wurden zwei neue Rohrleitungen verlegt: Eine kleinere, durch die das Schmutz- und geringe Mengen Regenwasser aus Bieber und vom Neubaugebiet An den Eichen sowie von der Mühlheimer Straße abfließt, und eine große mit zwei Metern Durchmesser, die größere Mengen Niederschlag ablaufen lässt. Beide sind durch ein Schachtbauwerk verbunden, das wie eine Art Weiche funktioniert: Läuft der kleinere Mischwasserkanal  bei starkem Regen voll, tritt das Wasser in den großen über.

Bis dahin fungieren die oberhalb des Regenüberlaufs in der Kettelerstraße liegenden großen Rohre, beispielsweise in der Eichenallee, als Stauraumkanal. Der Entlastungskanal transportiert das Gemisch aus Regen mit einem geringen Anteil Schmutzwasser direkt in den Main. Dafür gibt es eine Genehmigung vom Regierungspräsidium. 

Überschwemmungen bei Starkregen weiterhin möglich

Bisher wurde bei stärkerem Niederschlag das anfallende Wasser über mehrere kleine Regenüberläufe in den Kuhmühlgraben abgeschlagen. Dies soll künftig mit dem neuen Entlastungskanal vermieden werden.

Dennoch ist auch künftig nicht ausgeschlossen, dass es bei sehr starkem Regen zu Überschwemmungen im Bereich des Kuhmühlgrabens oder der Kettelerstraße kommen kann. Um jeden heftigen Platzregen sofort unterirdisch ablaufen lassen zu können, müssten im Boden Kanalrohre mit vielen Metern Durchmesser verlaufen.

Großteil der Arbeiten wird an Land erledigt

Wann das Bauwerk im Main fertiggestellt ist, lässt sich derzeit schwer prognostizieren. Rund  eineinhalb Jahre sind vorsichtig veranschlagt. Zunächst werden die Arbeiten ausgeschrieben. Zudem birgt der Bau vom Schiff oder Ponton Unsicherheiten wie den Wasserstand oder die Strömung, auch die Corona-Pandemie könnte die Planungen umwerfen.

Ein Großteil der Arbeiten läuft aber auch an Land: Die neuen Rohre werden in rund sechs Meter Tiefe von der Kettelerstraße über das ehemalige Clariant-Gelände zu dessen ehemaligen Parkplatz an der Mainstraße verlegt und dann unter dem Deich hindurchgeführt. Dafür wird, wie bereits in der Kettelerstraße und der Mühlheimer Straße, mit der Vortriebstechnik gearbeitet, mit der die Rohre durch den Boden gepresst werden. Bevor dieser Rohrvortrieb beginnen kann, entsteht auf dem Parkplatz eine große Baugrube für den Bohrer.

Da außerhalb der Fahrrinne gebaut wird, gibt es für die Schifffahrt keine Einschränkungen.

17. Juni 2020