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Kanalbegehung Bieber-Nord
© Bernd Georg
„Zu tauchen in diesen Schlund“: Nicht Rittersmann oder Knapp haben das frei nach Schillers Ballade gewagt, sondern Mitglieder des Magistrats, des Stadtparlaments, der Betriebskommission und der Geschäftsleitung des Stadtwerke-Geschäftsfeldes Stadtservice sind beherzt in die Tiefe gestiegen. Im dunklen Untergrund haben sie Biebers neuen Sammelkanal im Nordosten des Stadtteils erkundet.

Der Blick hinab in den riesigen Schacht ist schon respekteinflößend. Doch nun heißt es, allen Mut zusammenzunehmen und tapfer die Leiter hinabzusteigen. Siebeneinhalb Meter tief geht es hinunter in Biebers Unterwelt. Zu einem der aufwendigsten Bauwerke, die in jüngster Zeit in dem Offenbacher Stadtteil entstanden sind: dem Sammelkanal des neuen Baugebietes „Bieber-Nord“.

Neuer Sammelkanal mit über zwei Metern Durchmesser

Seit März dieses Jahres ist die ESO-Stadtservice GmbH damit befasst, im Auftrag des städtischen ESO-Eigenbetriebs für die Entwässerung des künftigen Quartiers mit seinen 2.000 Menschen zu sorgen. Auf einer Länge von 500 Metern verlegt das Unternehmen aus der Stadtwerke-Gruppe zwischen S-Bahn und Bundesstraße 448 gewaltige Röhren aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit einem Durchmesser von über zwei Metern.

Der neue Tiefbau soll ebenfalls das Bieberer Entwässerungssystem entlasten. Dafür ist der neue Sammelkanal soeben unter den Bahngleisen hindurch gepresst worden. Zwei Jahre, berichtet Melanie Gessner, habe es gedauert, bis das Eisenbahnbundesamt die Gleisunterquerung genehmigt habe. Gessner, von Beruf Ingenieurin, ist stellvertretende Abteilungsleiterin Entwässerung beim ESO-Stadtservice und führt die Gruppe an diesem Tag durch das Röhrenlabyrinth.

120 Meter durch die Dunkelheit

Tapfer tasten sich Bürgermeister Peter Schneider, Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Walther und der stellvertretende ESO-Eigenbetriebsleiter Christian Loose zusammen mit Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt, Planen, Bauen und der ESO-Betriebskommission mit Taschenlampe und Schutzhelm durch den nur spärlich beleuchteten Kanal.

120 Meter vom Einstiegs- bis zum Ausstiegsschacht können ganz schön weit sein, besonders, wenn man sie ohne Tageslicht und ohne ebenen Boden unter den Füßen in einer langgezogenen Röhre zurückzulegen hat. Dann endlich naht das Ende des „Tunnels“ und der Aufstieg ans Tageslicht kann beginnen.

Teil eines langgezogenen Entwässerungssystems

Parallel zu dem mächtigen „Sammler“, der schon im Sommer fertiggestellt sein soll, verlegt der ESO-Stadtservice bereits die Hauptkanäle durch das Baugebiet. Bis Ende des Jahres soll die gesamte Anlage fertiggestellt sein. Der „Sammler“ allein kostet 3,1 Millionen, das gesamte Kanalsystem 4,9 Millionen Euro.

Die Rohre in „Bieber-Nord“ sind Teil eines langgezogenen Entwässerungssystems, das über das Wohnquartier An den Eichen, das geplante „Quartier 4.0“ am ehemaligen Güterbahnhof über die Kettelerstraße und das Neubaugebiet „Bürgel-Ost“ hinunter zum „Mainsammler“ Richtung Frankfurter Kläranlage reicht. Ein Schieber-Bauwerk regelt den Zufluss von Bieber hinunter ins Neubaugebiet „An den Eichen“.

Ab Juni Großbaustelle in Kettlerstraße

Bereits im Juni richtet die Stadtwerke-Unternehmensgruppe die nächste Großbaustelle ein. Für den neuen Kanalbau muss die Kettelerstraße für eineinhalb bis zwei Jahre gesperrt und auch die Buslinie 107 der Offenbacher Verkehrs-Betriebe umgeleitet werden. Wie bereits in der Mühlheimer Straße und am Bahnhof Bieber, wird der Tunnel für die Kanalrohre unterirdisch gepresst. Dank dieser Verfahrenstechnik wird es auf der gesamten Baustelle lediglich zwei Baugruben geben.