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Luftaufnahme des Schlossparks
Aus der Luft lassen sich die braun verfärbten Kronen vieler Bäume im Rumpenheimer Schlosspark gut erkennen. © Alex Habermehl
Der Klimawandel wird jetzt auch in Offenbach sichtbar: Viele Bäume haben den zweiten heißen Sommer in Folge nicht überlebt und müssen nun gefällt werden. Im Schlosspark Rumpenheim ist etwa jeder vierte Baum betroffen, der größte Teil des Parks ist deshalb bis auf Weiteres aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht gesperrt.

„Der Grundwasserspiegel ist infolge der beiden heißen Sommer deutlich gesunken, dadurch können die Bäume über die Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen“, erklärt Heike Hollerbach, Leiterin des Amts für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Der Klimawandel treffe aber nicht nur Offenbach, sondern auch viele andere Städte. „Es gibt leider kein Patentrezept, wir müssen ausprobieren, welche Bäume mit den Bedingungen und dem Boden vor Ort gut zurechtkommen. Wir tauschen uns regelmäßig  mit anderen Kommunen aus, aber jeder Standort ist anders.“

Harte Bedingungen im Schlosspark

Karte des Schlossparks mit zu fällenden Bäumen
Karte des Schlossparks: Jeder im Baumkataster erfasste Baum ist mit einem Kreis gekennzeichnet. Bäume, die gefällt werden müssen, sind blau markiert. © Stadt Offenbach

Im Schlosspark leiden die Bäume besonders unter der Trockenheit, weil der Park auf einer aufgeschütteten Fläche angelegt wurde und die wassertragende Schicht dadurch sehr tief liegt. Durch den Rückbau der Mainschleuse in den 1980er Jahren ist der Grundwasserspiegel hier um etwa 1,50 Meter gesunken. Die beiden heißen Sommer 2018 und 2019 haben den Grundwasserspiegel erneut um etwa 1,20 Meter sinken lassen.  Gerade die alten Bäume, deren Wurzeln nicht mehr in die Tiefe wachsen, können nun kein Wasser mehr aufnehmen und verdursten.

Dass die Bäume durch Wassermangel geschwächt sind, begünstigt außerdem die Ausbreitung der Rußrindenkrankheit, die vor allem Ahornbäume befällt. Diese ist an Bäumen nicht heilbar und kann bei Menschen heftige Atemwegsreizungen hervorrufen. „Die Krankheitserreger sind hier im Schlosspark immer im Boden und wenn die Bäume geschwächt sind, können sie nicht mehr dagegen ankämpfen“, erklärt Johannes Irgel, Leiter der Abteilung Service öffentlicher Raum des Stadtwerke-Geschäftsfelds Stadtservice.

228 Bäume werden im Herbst im Schlosspark gefällt

Heiker Hollerbach und Peter Freier
Heike Hollerbach, Leiterin des Umweltamts, und Bürgermeister Peter Freier informieren gemeinsam mit dem Stadtservice über die Auswirkungen des trockenen Sommers auf das Stadtgrün. © SOH

Bereits im Frühjahr mussten im Schlosspark rund 130 erkrankte Ahornbäume gefällt werden - 82 von ihnen waren im Baumkataster erfasst. Im Herbst werden weitere 228 Bäume - 171 davon im Baumkatatster erfasst - gefällt, die abgestorben oder von der Rußrindenkrankheit befallen sind Unter den abgestorbenen Exemplaren befindet sich auch eine etwa 140 Jahre alte Eiche mit einem Stammumfang von 3,30 Metern und einer Höhe von 26 Metern. „Die Baumfällungen werden den Charakter des Schlossparks verändern“, sagt Bürgermeister Peter Freier. „Aber wir müssen die Verkehrs- und Wegesicherheit gewährleisten.“

Insgesamt hat etwa ein Viertel des Baumbestands im Schlosspark den zweiten trockenen Sommer in Folge nicht überlebt. Weitere 100 Bäume müssen dringend wegen Trockenschäden behandelt werden: Baumpfleger werden das abgestorbene Totholz und bruchgefährdete Kronenteile entfernen. Wann alle Arbeiten abgeschlossen sind und der Park wieder freigegeben wird, steht derzeit noch nicht fest.

Absperrung im Schlosspark
Bis die Baumfällarbeiten abgeschlossen sind, bleibt ein Großteil des Schlossparks gesperrt. © SOH

Da die Folgen des Klimawandels auch in anderen Kommunen im Rhein-Main-Gebiet sichtbar werden, sind nicht nur die eigenen Mitarbeiter mit Baumfällungen ausgelastet, auch externe Firmen sind meist auf Monate ausgebucht. Allen, die sich zurzeit nach einer Ausbildungsstelle umsehen, rät Irgel deshalb: „Werden Sie Baumpfleger. Dann sind Sie in den nächsten Jahren sehr gefragt und werden sehr gut bezahlt.“

Im kommenden Jahr soll der Hauptweg des Schlossparks saniert werden. Diese Gelegenheit wolle man nutzen, um eine Wasserleitung zur Bewässerung der Bäume zu verlegen, sagt  Annette Glowania vom Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement.

Pflegeaufwand für Bäume wird höher

„Im Schlosspark zeigen sich die Auswirkungen der Trockenheit am deutlichsten, aber das Problem tritt überall in Offenbach und in der ganzen Region auf“, erklärt Johannes Irgel vom Stadtservice. „Im Büsingpark mussten wir eine Hängebuche und einen Sequoia fällen – das sind eigentlich keine empfindlichen Bäume.“

Auch Irgel steht mit Kollegen aus anderen Städten im Austausch. Es gelte, Baumarten zu finden, die mit der Trockenheit sowie den Bedingungen vor Ort gut zurechtkommen. Doch Irgel ist sich sicher: „In Zukunft wird der Pflegeaufwand für die Bäume in der Stadt einfach höher werden.“  Seine Abteilung habe keine ausreichenden Kapazitäten, um alle Bäume im Stadtgebiet regelmäßig zu wässern, denn die Verträge zwischen Stadtservice und Stadt seien geschlossen worden, als die Sommer noch nicht so trocken waren.  

Die zusätzlichen Kosten, die in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit für die Fällung und die Pflege der Bäume angefallen sind, werden über den städtischen Haushalt getragen. Im Etat  für das kommende Jahr, so Bürgermeister und Kämmerer Peter Freier, müsse  man die Kosten für die Nachpflanzung von Bäumen sowie die Baumpflege berücksichtigen.

11. September 2019

Welche Bäume werden im Baumkataster der Stadt erfasst?

Im Baumkataster der Stadt werden alle Bäume erfasst, die einem Stammumfang von mindestens 60 Zentimetern haben oder die gezielt nachgepflanzt wurden. Sogenannte waldartige Bestände, also Bäume, die sich in Parks von selbst ausgesät haben, und einen geringeren Stammumfang haben, sind nicht aufgenommen. Aktuell sind im Baumkataster etwa 22.500 Bäume eingetragen