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Viele Baumkronen sind in diesem Jahr kahl geblieben: die Zahl der Bäume, die wegen der anhaltenden Trockenheit über die vergangenen Jahre abgestorben sind, lässt sich noch nicht abschätzen, sagt Manfred Harbich von der Abteilung Grünwesen des Geschäftsfeldes Stadtservice der Stadtwerke Unternehmensgruppe. Im Herbst, nach Ende der Brutzeit, müssen wegen Bruchgefahr zahlreiche Bäume gefällt werden.
Im Herbst, nach Ende der Brutzeit, müssen wegen Bruchgefahr zahlreiche Bäume gefällt werden. Erste Bäume in Parks mit großen Veranstaltungen und entsprechendem Besucherandrang wurden bereits in der vergangenen Woche wegen der Verkehrssicherungspflicht entfernt. Betroffen sind der Dreieichpark wegen der dortigen Konzerte und der Büsingpark, in dem am Samstag, 10. August, das Lichterfest gefeiert wird. Im Dreieichpark wurden zwei Bergahorne, zwei Tannen und zwei Buchen gefällt, im Büsingpark fielen eine Hainbuche, ein Mammutbaum und eine Hängebuche. Alle Arbeiten waren mit dem Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement und dem Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz abgestimmt.

Vor allem Flachwurzler sind betroffen

Alle 30.000 Bäume im Stadtgebiet werden alle neun Monate kontrolliert, einmal belaubt und einmal unbelaubt. Seit Mai wurde bei den fortlaufenden Kontrollen bereits bei mehr als 100 Bäumen festgestellt, dass sie abgestorben sind und gefällt werden müssen. Betroffen sind vor allem Flachwurzler wie Birken, die nicht das Wasser in den unteren Bodenschichten erreichen. Mit jeder weiteren Kontrolle steigt auch die Zahl der festgestellten toten Bäume. Deshalb werden noch mehr hinzukommen – auch deshalb, weil durch Wassermangel geschädigte Bäume anfälliger für Schädlinge oder Krankheiten wie die Rußrindenkrankheit beim Bergahorn sind.

Einige der jetzt auf der Fällliste stehenden Exemplare waren bereits im vergangenen Jahr kahl, manche haben nochmals ausgetrieben, bevor sie dann endgültig vertrocknet sind. Die meisten Bäume können bis zum Ende der Brutzeit stehen bleiben und werden im Herbst entfernt. Wie schnell an einem Stamm die Säge angesetzt wird, hängt vom Standort an. In einer Straße oder an einem Weg in einem Park sind strengere Verkehrssicherungen notwendig und ist ein toter Baum eine größere Gefahr als mitten in einer Grünanlage.

Nachpflanzungen erst im Herbst

Mit der Nachpflanzung gefällter Bäume wird bis zum Herbst gewartet, wenn die größte Hitze vorbei und die Chancen auf Regen wieder steigen. Die gleichen Arten werden aber vor allem dort wieder gesetzt, wo es auf ein einheitliches Stadtbild ankommt, also beispielsweise in Baumscheiben entlang einer Straße. In Grünanlagen werden Arten gepflanzt, die besser mit dem veränderten Klima zurechtkommen.

Und das stellt harte Ansprüche an Bäume: Sie sollen auch bei zunehmender Hitze mit gleichzeitig anhaltender Trockenheit überleben und außerdem noch Frost im Winter ertragen. Das alles verkraftet beispielsweise die Hopfenbuche, die sonst im Mittelmeerraum und der submediterranen Alpenzone wächst, aber auch die Ungarische Roteiche, der Rotahorn und die Hainbuche.

Die Neuanpflanzungen stehen in einem großen Kontext, mit dem die Stadt schon vor Jahren begonnen hat, sich auf das veränderte Wetter einzustellen: Das Klimaanpassungskonzept der Stadt Offenbach aus dem Jahr 2017 gibt vor, dass weitere sogenannte Überhitzungsbereiche im Stadtgebiet vermieden werden sollen. Außerdem sollen weitere Schäden an städtischen Grünflächen, Baumbeständen und Waldflächen durch Hitze, Starkregen, Hochwasser und Stürme, sowie schleichende klimatische Veränderungen wie beispielsweise durch invasive Arten vermieden oder minimiert werden.

Das Amt für Umwelt Energie und Klimaschutz arbeitet gemeinsam mit anderen Akteuren der Stadt an dieser anspruchsvollen Liste. Zu den Maßnahmen gehört auch die Auswahl von geeigneten Pflanzenarten für Neupflanzungen, wie eben hitzeresistente, schattenspendende Stadtbäume oder auch bodendeckende Vegetation.

Klimatische Austauschflächen müssen geschaffen werden

Generell müsse es künftig mehr Grünflächen nicht nur in Offenbach, sondern auch überregional geben, sagt Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Diese seien notwendig für den Luftaustausch zwischen den sogenannten Kalt- und Frischluftentstehungsgebieten im außerstädtischen Bereich und den dicht bebauten Stadtgebieten.

„Zur langfristigen Sicherung dieser Luftleitbahnen in der Stadt müssen wir darauf achten, dass klimatische Ausgleichsflächen geschaffen werden, Grünflächen sowohl im öffentlichen als auch privaten Raum durch Rückbau, Begrünung und Entsiegelung erhalten und neu angelegt, sowie vorhandene ökologisch aufgewertet werden.“

Dies werde auch bei der Stadtplanung so berücksichtigt. Das Amt für Stadtplanung-, Verkehrs- und Baumanagement hat weitere Maßnahmen auf dem Weg zu diesem Ziel in einem Freiraumentwicklungsprogramm für die Stadt Offenbach zusammengefasst.

19.07.2019