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Baustelle Offenbacher Straße
© Bernd Georg
Die Steine reihen sich sauber aneinander und bilden einen leichten Bogen: In der vergangenen Woche haben die Baumaschinen in der Offenbacher Straße zwischen Kurfürstenstraße und Schöffenstraße das Kopfsteinpflaster freigefräst. „Das ist saubere Arbeit und eine gute Grundlage, um darauf aufzubauen“, lobt Thomas Möller die vor rund 100 Jahren angelegte Straße. „Das Pflaster ist mit Unterbau wie ein Gewölbe aufgebaut und hält sich selbst.“

Möller ist als Straßenbauingenieur Leiter der Abteilung Straßenunterhaltung im Geschäftsfeld Stadtservice der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe und für die jetzt abgeschlossene Asphaltdeckenerneuerung der Bürgeler Durchgangsstraße verantwortlich. Dort war die alte Fahrbahn so schadhaft, dass sie dringend erneuert werden musste.

Erste Asphaltfahrbahn in den 1950ern

In den 1950er Jahren wurde aus der alten Kopfsteinpflasterstraße die erste Asphaltfahrbahn. Damals waren etwa 80 Prozent aller Straßen in Offenbach mit Kopfsteinpflaster befestigt. Als dann immer mehr Autos fuhren, wurden die Nachteile schnell klar: „Kopfsteinpflaster ist bei Nässe nicht griffig und das Befahren ist vor allem auch für die Anwohner zu laut“, sagt Möller. Und Radfahrer haben auch kein großes Vergnügen an einem solchen Straßenbelag.

Die Kollegen der heutigen Straßenbauarbeiter haben vor gut 70 Jahren deshalb eine sogenannte Einstreudecke über die Steine gelegt, eine etwa einen Zentimeter dicke Teerdecke, durch die die Steine noch durchschauten, die aber die Unebenheiten des Pflasters egalisierte. Doch die Nässe konnte hier mühelos eindringen, zudem gab es viele Aufbrüche durch neue Hausanschlüsse. Im Winter entstanden Schlaglöcher, die Straße wurde über die Jahrzehnte immer wieder notdürftig repariert.

Grundhafte Sanierung teurer und nicht nachhaltig

Eine grundhafte Sanierung der Straße, das heißt, das alte Material bis auf 70 Zentimeter Tiefe entfernen und die Straße komplett neu aufzubauen, kam nicht nur wegen der hohen Kosten, sondern auch aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht in Frage: „Allein wegen des Ressourcenschutzes ist es vernünftiger, das gut erhaltene Kopfsteinpflaster zu nutzen“, sagt Möller. Die Entsorgung des Aushubs auf dem 480 Meter langen und 2500 Quadratmeter langen Abschnitts der Offenbacher Straße hätte enorme Deponiekosten verursacht und das Budget von 530.000 Euro für die jährliche Unterhaltung des 280 Kilometer langen Offenbacher Straßennetzes gesprengt.

Weil aber auf vielen Straßen im Stadtgebiet dringender Handlungsbedarf besteht, hat der ESO Eigenbetrieb für die Jahre 2017 bis 2019 ein Sonderbudget von 3,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Daraus wurde nicht nur der Abschnitt der Offenbacher Straße für 200.000 Euro erneuert, sondern auch der erste von drei Abschnitten in der Bismarck Straße bezahlt. Dies waren 260.000 Euro.

Idee aus den 50er Jahren mit modernen Materialien umgesetzt

Auf der Offenbacher Straße wurde eine fünf bis sieben Zentimeter dicke alte Asphaltschicht bis zum Kopfsteinpflaster abgefräst. Dieses wurde gesäubert und mit einer sogenannten Haftbrücke versehen, das heißt einem Untergrund, auf dem Asphalt hält, bevor die Fahrbahndecke aufgebracht wurde. „Damit ist die alte Idee aus den 50er Jahren aufgegriffen und mit modernen Materialien ausgeführt“, sagt Möller. Vor allem gilt es zu verhindern, dass Wasser in den Belag eindringt. Dafür werden die Schieber an Gas- und Wasseranschlüssen mit Gummidichtung versehen, die Straßenabläufe und Gussasphaltrinnen abgedichtet. Zehn bis 15 Jahre kann nun der Straßenbelag halten, sagt Möller.