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Stadt Offenbach

Nachhaltige Investition in emissionsfreien Fuhrpark

28.11.2025 – Alle Offenbacher Müllautos fahren emissionsfrei durch die Wohngebiete, wer hinter einem leise rollenden Lastwagen des Stadtservices der Stadtwerke herfährt, muss keine Abgase mehr einatmen: Das ist das Ziel eines jetzt vom Magistrat der Stadt Offenbach gefällten Grundsatzbeschlusses.

Dieser sieht vor, bis zum Jahr 2045 insgesamt 93 Millionen Euro in eine klimafreundliche Fahrzeugflotte des Stadtservices zu investieren. In der Summe enthalten ist auch der Aufbau der erforderlichen Ladeinfrastruktur. Die Stadtverordnetenversammlung wird über die Vorlage am Donnerstag, 4. Dezember, entscheiden.

Umstellung ist technisch machbar, ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig

Dem Magistratsbeschluss vorausgegangen war die aus Mitteln des Förderprogramms Elektromobilität in Hessen (HA-Projekt-Nr.: 1561/23-114) geförderte TOMSO-Studie, die im Frühjahr 2024 startete. Sie wurde von der ESO Stadtservice GmbH in Auftrag gegeben. TOMSO steht für Technologieoffene Machbarkeitsstudie Stadtservice Offenbach. Dafür wurde von April 2024 bis Frühjahr 2025 untersucht, welche Antriebstechnologie für Müllfahrzeuge samt Infrastruktur für die Offenbacher Bedingungen am besten geeignet ist, welche Emissionseinsparungen und Änderungen in den Betriebsabläufen zu erwarten sind und in welchem Umfang eine betriebseigene Ladeinfrastruktur aufgebaut werden muss.

„Das Ergebnis liegt nun vor“, sagt Stadtkämmerer und zuständiger Dezernent Martin Wilhelm. „Die Studie beleuchtet den schrittweisen Hochlauf der Fahrzeugflotte hin zur Klimaneutralität bis 2045. Sie belegt, dass die kontinuierliche Umstellung des Fuhrparks des Stadtservices auf alternative Antriebe technisch machbar, ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig ist.“ 

Studie hat verschiedene Antriebsarten verglichen

Verglichen wurden verschiedene Antriebsarten sowie verschiedene Kraftstoffe unter anderem auf Wirtschaftlichkeit, Leistung und Einsparung von CO2 untereinander und mit dem derzeitigen konventionellen Antrieb. Die Ausschreibung zur Durchführung der Studie hatte die Firma INFA gewonnen, die Vorbereitung lief über die Abteilung Innovation & Technik und das Kompetenzcenter Nachhaltigkeit der Stadtwerke. 

„Die Studie hat uns auch aufgezeigt, welche Infrastruktur inklusive leistungsstarker Schnellladepunkte wir für das ESO-Hochlaufszenario auf unserem Betriebshof aufbauen müssen, um die klimafreundlichen Fahrzeuge zuverlässig laden zu können.  Das Geld werden wir also nicht nur in den Fuhrpark selbst investieren, sondern auch in neue und leistungsstarke Ladesäulen am Standort Daimlerstraße“, sagt Peter Walther, Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach Holding und Leiter des ESO Eigenbetriebs. „Außerdem werden wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Werkstatt kontinuierlich weiter auf die neuen Antriebstechniken schulen.“ 

Investitionssumme von 93 Millionen Euro

Die Investitionssumme von 93 Millionen Euro erscheint zunächst gewaltig. Diese werden allerdings über 18 Jahre verteilt von 2027 bis 2045 ausgegeben, das sind durchschnittlich fünf Millionen Euro jährlich. Und die Gesamtsumme beinhaltet alle Kosten, die für die Umstellung anfallen – vom Kauf der Fahrzeuge über die Ladestationen, die Energie, Wartungen, Versicherungen und anderes. Zur Transformation des Fuhrparks selbst ist der Stadtservice der Stadtwerke wie alle anderen kommunalen Unternehmen vom Gesetzgeber über das Klimaschutzgesetz und die sogenannte Clean Vehicles Direktive verpflichtet. Er zielt nun mit seinem ambitionierten Hochlaufplan über die Erfüllung dieser Mindestanforderungen hinaus, aber – auch das hat die Studie beim direkten Vergleich beider Szenarien ergeben - zahlt insgesamt zwei Millionen Euro weniger. 

Der Vergleich: Das sogenannte Hochlaufszenario des Stadtservices, also die stufenweise Umrüstung bis 2045 für 93 Millionen Euro sieht vor, ausgediente Fahrzeuge gegen E-Fahrzeuge zu ersetzen, wo immer dies möglich ist. Teilweise sind dabei noch Diesel-Fahrzeuge im Einsatz und die Sonderfahrzeuge, zum Beispiel für den Winterdienst, werden auf den synthetischen Kraftstoff HVO 100 umgestellt. Das Referenz-Szenario für 95 Millionen Euro würde die gesetzlichen Vorgaben durch den Einsatz synthetischer Kraftstoffe einhalten, sieht aber den langen Einsatz von fossilem Diesel und keine weitere Elektrifizierung der Flotte vor. 

Die zugrunde liegende Berechnung kann allerdings nur von den aktuellen Bedingungen ausgehen und nicht die Entwicklungen auf dem sich stark wandelnden Energiemarkt voraussehen. Die Infrastruktur auf dem Betriebshof wird über den Wirtschaftsplan des ESO Eigenbetriebs laufen. Der Eigenbetrieb wird sich auch darum bemühen, entsprechende Fördermittel einzuwerben. 

Schwere Nutzfahrzeuge haben höchstes Einsparpotenzial an Emissionen

„Die Müllfahrzeuge, die nicht nur wegen ihres hohen Gewichts, sondern vor allem wegen des häufigen Anfahrens und der kurzen Fahrtstrecken von Mülltonne zu Mülltonne einen besonders hohen Kraftstoffverbrauch haben, galten bisher wegen der hohen Anschaffungskosten als E-Fahrzeuge als unrentabel“, sagt Heiko Linne, Betriebsleiter der ESO Stadtservice GmbH. „Gerade diese schweren Nutzfahrzeuge sollen laut Studie vorrangig elektrifiziert werden, weil hier das höchste Einsparpotenzial an Emissionen zu erwarten ist.“ Der Stadtservice werde auch während des Hochlaufszenarios weiter den Markt für alternative umweltfreundliche und wirtschaftliche Antriebsarten im Blick behalten.

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